Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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08 11.08

Zeichen und Wunder

Von Frau Doktor
Leben, Stuttgart 21 . 21:58 Uhr

Wer als Stuttgart-21-KritikerIn die Stuttgarter Zeitung liest, macht in den letzten Wochen eine interessante Erfahrung: Aus der völlig kritiklosen Claque für die regierenden Häupter in Stadt und Land scheint sich die Redaktion ganz, ganz langsam zur journalistischen Berichterstattung in Sachen Stuttgart 21 durchzukämpfen. Während die StZ zur Zeiten der Veröffentlichung des Gegen-Gutachtens noch stramm die Parteilinie vertrat, tritt sie nun dem Gedanken näher, dass die Öffentlichkeit in Sachen Finanzierung schlicht und ergreifend verschaukelt wird - jetzt wo sogar der Bundesrechnungshof die offizielle Zahlen für Quatsch hält. Der Höhepunkt in der wunderbaren Wandlung fand jetzt am Donnerstag statt: Da stellte man nicht nur in mehreren Artikeln und Kommentaren die unergründliche Weisheit und Güte des großmächtigen Schusters in Frage, nein, im Feuilleton wurde sogar ein Frontalangriff auf die Stuttgarter Stadtplanung gefahren: Amber Sayah resümmierte in einem sehr lesenwerten Artikel die diversen Anschläge, die die Stuttgarter Obrigkeit seit 1945 auf das Stuttgarter Stadtbild verübt hat. Der Knüller: Herr Schuster versucht die S21-Kritiker damit abzubügeln, dass Kleingeister wie ich ja auch damals gegen die Weißenhof-Siedlung gewettert hätten - und visionäre Bürgermeister wie er sich über sowas halt hinwegsetzen müssten, damit die Menschheit vorankommt. Das ist ganz besonders dreist, wenn man weiß, dass die Stadt Stuttgart sich wirklich bemüht hat, die Siedlung verrotten und anschließend abreißen zu lassen. Zitat von Weißenhof-Hompage:

1982 bekam die Stadt Stuttgart die Gelegenheit, das Gelände für drei Millionen Mark vom Bund zurückzukaufen. Aus Angst vor Folgekosten lehnte man ab.

Die Besitzverhältnisse sind immernoch nicht geklärt. Die Le Corbusier Häuser hat die Stadt jetzt immerhin erworben - nach harter und jahrzehntelanger Lobbyarbeit interessierter Bürger, von denen übrigens nicht wenige gegen S21 sind.

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6 Kommentare zu Zeichen und Wunder

#1 Maegz . 09.11.08 . 10:58 Uhr

Danke für diesen Beitrag und den Link! Ist immer schön auch fachlich fundierte Hintergründe zu erfahren.

#2 Sachsenschwob . 15.11.08 . 13:48 Uhr

Also bin noch neu hier aber was macht das, hab jetzt ne Weile eure Blogs und Kommentare gelesen.
Ich bin weder Befürworter noch Gegner dieses Stuttgart21, nur sehe ich das so, das es speziell hier in und um Stuttgart genügend andere Projekte gibt, die mit soviel Geld gefördert werden könnten, nur weil Herr Tiefensee in Leipzig damals den Megabahnof aus dem Boden gestampft hat, muss er sich als Verkehrsminister in Stuttgart nicht auch Liebkind machen.. das schafft er eh nicht, ich denke die Strassen hier in der Region, die Parkplatzsituation, Feinstaubproblematik und der einheimische Mittelstand, erst recht die hier ansässige Autoindustrie samt Zulieferer, die hier das gro der Arbeitsplätze stellen in der Region hätten in Zeiten der Rezesion und Finanzkrise mehr Unterstützung verdient.
Sichern wir lieber in diesen Zeiten unseren Arbeitsplatz, statt Geld was eh der Steuerzahler stellt und was sowieso während der Bauphase nicht reicht… zum Fenster hinauszuwerfen, Sanieren und Erneuern ist gut und schön, nur bitte sinnvoll und zum Nutzen aller, die hier in dieser schönen Stadt leben, in der immer noch 30.000 bezahlbare Wohnungen fehlen.
Das sähe ich als wichtigeres Problem als Stuttgart 21, bei dem sich nicht nur Stuttgart sondern ganz BaWü über lange Zeit ruinieren würde.

#3 HelmHeld . 17.11.08 . 20:01 Uhr

Dazu hätte ich noch eine Frage an die Stuttgart21-Versierten:
An wen gingen (oder gehen aller Wahrscheinlichkeit nach) die ganzen Bau-Aufträge?
Wenn sie an (mittelständische) Unternehmen aus der Region gehen, dann kann man das zwar als eine unglaublich überschwengliche Finanz-Spritze für den Bau-Sektor sehen, nicht aber als ein reines und völliges “Zum-Fenster-Raus”-Projekt.

Sollten bei den Ausschreibungen allerdings ausländische/”ausländlerische” Unternehmen und Global-Players absahnen, dann ists wirtschaftlich nicht nur schad - sondern dann wären wir wieder beim Fenster.

(hmm.. wär auch mal interessant zu wissen was Stuttgart21 eigentlich direkt und indirekt an Steuern “produziert”… schade, dass mans wohl nie erfahren wird.)

#4 Flakfritz . 18.11.08 . 08:08 Uhr

Hallo Helmheld,

ich gehe davon aus, dass ein Bauprojekt dieser Größenordnung Europaweit ausgeschrieben werden muss. Da kann ein Beamter nicht einfach so bestimmen wer den Auftrag bekommt, was ja auch in Ordnung geht, oder?

#5 HelmHeld . 18.11.08 . 15:34 Uhr

Hallo Flakfritz,

klar, derartige projekte werden natürlich nicht von botnang bis canstatt ausgeschrieben. allerdings meine ich aufgeschnappt zu haben, dass versucht wurde die großen aufträge zu splitten, sodass auch noch regionale und mittelgroße unternehmen mitspielen können.
wenn schon eine solche menge geld fließt, wärs natürlich zu begrüßen wenn teile davon wenigstens an die “richtigen” ( = nicht die falschen) gehen.

#6 Heike Kipp . 02.12.08 . 14:29 Uhr

Hallo Stuttgart 21 - Gegner /Befürworter,
ich habe Landschaftsarchitektur studiert und würde nun gerne meine Diplomarbeit über Stuttgart 21 schreiben. Ob das nun eine Städtebauliche Planung oder eine Untersuchung inwieweit wirklich ansässige Betriebe (Galabauunternehmen wie auch Landschaftsarchitekturbüros) beteiligt werden, oder was auch immer ist im Prinzip noch völlig offen. Das einzigste was ich mir bisher definitiv als Ziel gestezt habe: ein interessantes Thema das nacher auch gelesen wird.
Meine Frage nun hierzu: hättet ihr Ideen oder Vorschläge, bzw. auch Adressen an die ich mich wenden könnte?
Das wäre super!

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