Von Josh von Staudach
Vermischtes, Leben, Politik . 14:06 Uhr
Nicht nur in Amerika, auch bei uns wird’s ja Zeit für einen neuen Präsidenten. Unter Politikern hab ich noch niemand geeignetes entdecken können. Hingegen könnten sich Hochschuldozenten hervorragend eignen!
Allen voran Thomas Winkler von der hiesigen Merz-Akademie, der zusammen mit seinen 12 Studenten eine grandiose Idee hatte. Na genau genommen ist die Idee selbst natürlich völliger Quatsch, aber damit in der Presse zu erscheinen, ist ein gelungenes künstlerisches Experiment — nicht zuletzt um das gesamte Geldsystem und die Werbebranche zu karikieren.
Winkler will Geldscheine als Werbefläche verkaufen! Die Bundesbank könnte 700 Milliarden in 2 Jahren einnehmen, wenn pro Werbe-Geldschein 1,20 Euro im Monat verlangt werden.
Mit solchen Vorschlägen profiliert er sich in meinen Augen bestens als alternativer Präsidentschaftskandidat. Mehr davon, bitte, Herr Winkler!
#1 Flakfritz . 20.11.08 . 14:53 Uhr
Das erinnert mich stark an Prof. Rhino, der immer mit einem elektrisch angetriebenen Golfwägelchen durch den Stadtpark fuhr und dabei sang (Happy happy Hippo, oder so).
#2 Herr S . 20.11.08 . 16:11 Uhr
War das in Stuttgart, wo dieser Professor Rhino herumfuhr? Weil ich den nämlich wahrscheinlich noch sympathischer finde als Prof. Rauschebart, der seit mindestens fünfzehn Jahren die Königstraße durchpflügt, um mittels Blechschildern auf Brust und Rücken die immergleiche Kernbotschaft zu verkünden: Kindstaufe ist Teufelswerk.
#3 Arndt Bareth . 23.11.08 . 11:06 Uhr
Na hört mal. Was ist den bei Werbung auf Geldscheinen so unrealistisch? Heutzutage findet sich auf allem Werbung - schaut auch doch mal um.
Dass der Staat Geldscheine noch nicht als Werbefläche nutzt, ist lediglich eine Frage der Zeit. Bei der letzten Wirtschaftskrise in den 20er Jahren griff man zu selbigen Mitteln. Man stempelte z.B Kaufanreize wie “Kauft mehr Kohlen!” auf die Gelscheine. Notscheine hatten Werbung für
Tennisbälle usw. aufgedruckt.
Niemand hat behauptet, dass wir in einer derartigen Krise stecken, doch hätte gute, originelle Werbung auf Geldscheinen nicht auch was für sich?
Scheine wären individueller und vielleicht sogar wertvoller.
Also ich glaube fest daran, bald mit Gucciwerbung einkaufen gehen zu können…
#4 circulus . 23.11.08 . 13:21 Uhr
Herr Bareth, sind Sie einer der Winklerschen Studenten? Och, dann ist Idee also gar nicht neu, schade! Den Stempel ‘Kauft mehr Kohlen’ fänd ich richtig klasse! Kann man doch auch selber machen oder? Seine Scheine stempeln und mal schauen, wo sie überall rumkommen.
Oder wie wärs mit Witze und Anekdoten aufdrucken? Hm, nee, hatten wir auch schon. Bei Abreißkalendern. Na, vielleicht ist der Geldschein bald auch nicht mehr mehr wert, als ein Abrisskalenderblatt.
Ich dachte ja, das wäre überflüssig, aber vielleicht muss man doch mal drauf hinweisen, wie unsinnig das Ganze ist: WER soll denn die 700 Milliarden bezahlen, die die Werbung kostet? Hmmm? Der Verbraucher, der Konsument, der Steuerzahler! Genau das ist nämlich auch die Satire an dieser Idee und ich bin sicher, dass Herr Winkler genau das im Sinn hatte …
#5 Detlef Bosau . 23.11.08 . 18:58 Uhr
Was Herr Winkler nicht verstanden hat, ist ganz einfach.
Geld ist per se ein Wechsel. (Das ist keine revolutionäre Feststellung, wie es mal auf einer Webseite getönt wurde, sondern so funktioniert Geld seit der Renaissance, seit der Hanse, seit Jakob Fugger und seit den ersten Börsen.)
Und das Problem ist heute, daß eben diese Wechsel reihenweise platzen.
Herr Winkler kommt jetzt auf die geniale, innvovative, nobelpreisreife Idee, Geldscheine (also Wechsel) als Werbeflechen an “irgendwen” zu verkaufen, also einen Forderungsverkauf zu betreiben, wobei er uns natürlich die Erläuterung schuldig bleibt, wer diese Wechsel jemals einlösen soll.
Sprich: Winkler will Forderungen nicht verkaufen - er will sie als Werbeflächen vermieten. Bezahlt wird vermutlich mit Krediten? Wir heilen also die Spekulationsblade mit einer weiteren Runde Money Pumping?
Es gibt in meiner norddeutschen Heimat ein weises Wort: Schuster, bleib bei Deinem Leisten.
Und der Herr Diplom-Designer soll mal bei seinem Bleistift bleiben.
Und nicht mit unsinnigem Gerede (falls Herr Winkler das als Schwabe nicht versteht: HIerzulande redet man wohl von “Deppeng’schwätz”) den Ruf seiner “Akademie”, den Ruf Stuttgarts und den Ruf Baden-Württembergs versenken.
Schönen Sontag noch.
Detlef Bosau
#6 Frau Doktor . 28.11.08 . 16:29 Uhr
Jetzt ham’ses geschafft, der Herr Winkler und seine kleinen Designerlein. SIe sind auf SPON.