Von Ralf Schmid (Hrsg.)
Vermischtes . 17:43 Uhr
Bevor diese Debatte dazu führt, dass Autoren eingeschüchtert dasitzen und sich bei jedem Wort fragen, ob Sie das »dürfen« oder nicht, erlauben wir uns eine hoffentlich klärende Zwischenmeldung:
Richtig, das Stuttgart Blog soll keine Werbeplattform sein. Sie können sicher sein, dass hier andernfalls bald nur noch Verkaufstalente zugange wären, die Ihnen Versicherungsmodelle, Rabattgutscheine und ähnliche Errungenschaften andienen. Allerdings sind wir der Auffassung, dass es zwischen solchen Umtrieben und subjektiven Einschätzungen der Autoren, die eine Veranstaltung, ein Buch, eine Kneipe oder was auch immer empfehlen, einen klaren Unterschied gibt, auch wenn es nicht ganz einfach ist, die präzise Grenze in Worte zu fassen.
Es mag ja sein, dass auch der professionelle »Werber« sich lediglich als »Empfehler« betrachtet, für grobe Störungen der Eigenwahrnehmung fühlen wir uns aber nicht zuständig, sondern verweisen auf einschlägige Fachkräfte. Wir neigen zu der optimistischen Annahme, dass den meisten Menschen die Unterschiede sehr wohl klar sind und vertrauen auf deren Gefühl. Dazu glauben wir auch noch, dass diese Haltung dem Interesse sowohl der Leser als auch der Autoren entgegen kommt — falls wir damit schief liegen, steht Ihnen das Kommentarwesen offen.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
#1 Wegschaffel . 08.12.05 . 18:04 Uhr
Danke für diese Herausgabe, der ich mich grundsätzlich anschliessen kann. “Empfehlungen” jeglicher Art sind m.E. deshalb heikel, weil sie a dem persönlichen Geschmackssinn entspringen und vor allem b in Form von Ausgeh-, Lese-, Hör-, Trink-, Ess-, Rauch-, Wander-, Radel- Undsoweiter-Tippseiten ohnehin schon das halbe Internet füllen.
#2 _ Herausgeber . 08.12.05 . 18:21 Uhr
Ja, auch das ist richtig. Bislang haben wir allerdings in keinster Weise den Eindruck, dass sich die Autoren primär mit der Empfehlung von allerlei Nutzbringendem beschäftigen.
Oder anders herum gefragt: Sollen wir jeden Hinweis auf irgendetwas unterbinden, das ansatzweise als »Werbung« aufgefasst werden könnte? Die Besprechung einer Ausstellung, weil sie für das Museum oder die Galerie wirbt? »Stuttgart zu Fuß«, weil der Verlag profitiert? Die Calwer Straße, weil sich ansässige Gastronomen bereichern könnten?
So betrachtet ist auch das Stuttgart Blog Werbung – für Stuttgart nämlich. Auch wenn es noch eine Weile dauern dürfte, bis sich diese Einschätzung durchsetzen wird.
#3 Gunvald . 08.12.05 . 18:24 Uhr
Ich finde es legitim in einem Blog, das sich im weitesten Sinne um Stuttgart dreht, eine Empfehlung für oder gegen eine Veranstaltung, ein Buch oder sonstiges abzugeben. In einem Stadtblog keine Namen und Lokalitäten zu nennen, ist albern.
#4 Wegschaffel . 08.12.05 . 19:06 Uhr
Der Grat zwischen werbender Erwähnung und geschuldeter Vollständigkeit ist schmal und scharf. Selbst die professionelle Journaille hat damit reichlich Probleme. Aber wir sind hier ja nicht in der Journalistenschule und die Leser sind keine Esel. Drum: Hau ein Ei drauf.
#5 _ Herausgeber . 08.12.05 . 21:20 Uhr
@Gunvald: Danke für den Hinweis auf das »gegen«, den hatten wir noch vergessen. Das ist tatsächlich ein wichtiges Kriterium – Sie können stänkern, wo der Werber nur jubeln darf.
@Wegschaffel: Der Grat wird sogar zusehends breiter und diffuser, damit haben Sie ganz sicher recht. Schauen wir doch einfach, wie und wohin es sich entwickelt. Funktionierende Stadtblogs, an denen man sich orientieren könnte, sind ja nicht allzu zahlreich, also bleibt es auch für uns ein Stück weit Experiment. Wenn wir mit unserer Weisheit nicht mehr weiterkommen, können wir uns immer noch korrigieren, bis jetzt sehen wir aber weit und breit keinen Grund zur Klage, im Gegenteil. Also verspeisen wir in friedlicher Eintracht Ihr Ei.