Von Mythen in Tüten
Vermischtes . 12:40 Uhr
Ich bin der, der vorbeigeht, wenn ein anderer am frühen morgen vollgekotzt am Rotebühlplatz sitzt und nach seiner Mutter schreit. Und trotzdem ist er mir nicht egal. Aber was könnte ich für ihn tun?
#1 Wegschaffel . 30.03.06 . 13:38 Uhr
Naja, zunächst sind Sie der, der vorbeigeht. Sie sind also eine Art Jedermann. Andererseits sind Sie der, der hier eine gute Frage stellt (nicht die in der Überschrift, die am Schluss). Und diese Frage stellt sich wiederum nicht jeder. Sie scheinen also jemand Besonderes zu sein.
#2 K und S . 30.03.06 . 19:46 Uhr
eine münze als soforthilfe ist immer drin bei einem rundgang durch die stadt. oder eine trottwar. und regelmäßig was für die eva. als jahresgabe für 2006 gab´s dann die “bibelworte für jeden tag des jahres”. weniger wär manchmal mehr.
#3 Herr S . 30.03.06 . 20:22 Uhr
Aber was könnte ich für ihn tun?
Abbuzzä?
#4 kesselblick . 31.03.06 . 12:01 Uhr
Ich und mein Bettler - das größte moralische Alltagsproblem, dass einen als Großstadtbewohner schütteln kann. Lösungen sehe ich leider keine. Die Stadtverwaltung selbst macht ja feine Unterschiede. Einer, der “Platte macht”, also einfach nur dasitzt und mit seinem Schildchen auf sein Elend verweist, ist kein Problem. Verboten ist “agressives Betteln”. Das meint die Ansprache, das Herzeigen von körperlichen Leiden, den Einsatz von Kindern. Neuerdings sieht man häufiger bettelnde Leute, die den ganzen in einer Art Demutshaltung auf Knien hocken. Fällt auch unter “Agression”…
Was also tun? Trottwar kaufe ich nicht - ist absolut uninteressant, was da drin steht, leider. Christliche Pamphlete sind auch kein Ersatz. Lieber einfach so Geld geben.
Übrigens: die ganze Spenderei leitet sich aus der christlichen Ideologie des Almosengebens ab. Dabei ist zu beachten, dass es um die Entäußerung materieller Dinge geht. Der Bettler wird als personifizierter Christus gesehen und der Spendende signalisiert die Priorität geistlicher Dinge gegenüber materiellen. Wichtig auch, dass sich der Spender kein Urteil über den Bittenden erlauben soll. Von wegen “Der versäuft ja eh nur alles!” - darum geht es nicht. Gib und dir wird gegeben… Das christliche Zeux steckt halt ganz schön in uns drin…