Von Wegschaffel
Essen und Trinken, Befindlichkeiten . 19:25 Uhr
Heute: „RUBSCHLAGER“
Über unser Stuttgarter Brot wurde hier und da und dort schon engagiert diskutiert. Einschneidende Erlebnisse mit Nicht-Stuttgarter Brot zwingen mich, das Thema nochmals aufzugreifen und - ich sage es gleich vorweg – eine Lanze auch noch für den letzten Stuttgarter Discount-Aufbäcker zu brechen. Gegen das US-Material, das ich letzte Woche genießen durfte, schmeckt der hiesige Billig-Wecken wie Manna.
Der kastig in Folie gezwängte transatlantische Würgwabbel (”Toast”) ist nahezu unzerstörbar. Das Zeug hält rund fünf Jahre und kann damit die Amtszeit eines amerikanischen Präsidenten locker überstehen. Es wird von tierischen Penetratoren und Invasoren genauso gemieden, wie von Schimmelpilzen und Fäulnisbakterien. Im Toaster versenkt erhält es eine leicht braune Färbung. Aber nicht etwa durch klassisches Rösten, sondern vermittelst einer anorganischen Reaktion seiner chemischen Bestandteile. Von den Einheimischen wird das „Brot“ aber häufig auch roh verzehrt, gerne verziert mit grellorangem Käse-Ersatz, spermatösem Buttersubstitut der Marke Foodsolutions (!) und/oder babydurchfallbraunem Erdnussmatsch.
Wer glaubt, dass damit der tiefste Punkt der Brot-Hölle bereits erreicht ist, irrt. Man muss ja schließlich wieder nach Hause fliegen. Und da liegt er dann vor Dir: der gefürchtete „Lufthansa-Wecken“, oder in meinem Fall der noch viel grauenhaftere „Delta-Knödel“.

Der Hersteller mit dem lächerlichen Tarnnamen „Rubschlager” verzichtet entgegen den amerikanischen Gepflogenheiten auf jegliche Angabe der “Nutrition Facts” und verweist den neugierigen Esser auf eine Post-Adresse in Chicago. Vermutlich fallen die Zutaten unter eines der paranoiden Homeland Security Gesetze und sind daher streng geheim. So genau will ichs aber gar nicht wissen. Ich kann ja jetzt wieder zu Sparback, Hermann und Co. gehen.
#1 Frau Brezel . 07.11.06 . 19:54 Uhr
Mmmmh… und das Ding da gibt´s in Stuttgart zu kaufen??? Täte mich doch glatt interessieren, wo… Mein American Husband wäre ganz bestimmt very enchanted, sollte ich ihm ein solches Scone in den Thanksgiving-Truthahn stopfen - und auch noch aus seiner Heimatstadt. Hach! … Bitte um Angabe der Einkaufsquelle! Teehee! (Ich ess dann eben um die Füllung rum…)
#2 Frau Brezel . 07.11.06 . 19:55 Uhr
Oh, hab´s grad begriffen… na, extra an den Flughafen fahr ich dafür aber nicht! Phhhh!
#3 Wegschaffel . 08.11.06 . 08:23 Uhr
Sie meinen, es gibt da ein Familienmitglied, das “Rubschlager” naschen würde, obwohl er eine Brezel daheim hat???
#4 Frau Brezel . 23.11.06 . 14:36 Uhr
Liebster Herr Wegschaffel, in einem Punkt sollte Klarheit herschen: Pretzels jedenfalls passen ganz und gar nicht in Truthahnfüllungen! (Mmmh, aber zusammen mit amerikanischen Präsidenten vom Sofa fallen - das können wir! Ha!)
Tjaja… aber weil Sie so nachfragen… Ja, so ein Familienmitglied gibt es tatsächlich… Aber ich bin mir nicht sicher, ob er mich von der Sofakante schubsen würde, sollte ich da - dekorativ, versteht sich - neben einem Delta-Rubschlager herumsitzen… Oder vielleicht doch? Oder doch nicht?
(Mmmmh… so sät man Zweifel in mein Herz… Sie Ruchloser!)
#5 Wegschaffel . 23.11.06 . 18:19 Uhr
Oh oh, das war nun wirklich gar nicht meine Absicht. Wir kennen uns ja nicht persönlich aber ich bin gaaaanz sicher, dass Rubschlager vs. Brezel ganz klar zu Gunsten der B. ausgeht!