Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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27 11.06

Währ ungenau liest Blüten und Pferde

Von qx
Leben, Politik . 16:06 Uhr

In einigen Regionen Deutschlands akzeptiert der Handel Blüten - freiwillig. Havelblüten oder Kirschblüten, auch mit Sterntalern und Ortenauern kann man bezahlen. Es geht um Regionalwährungen. Was in der Schweiz neben dem Franken als WIR* schon lange existiert, wird in Deutschland nach und nach von Bürgerinitiativen eingeführt: Die Regionalwährung als komplementäres Zahlungsmittel zum Euro, welche regionale Wirtschaftskreisläufe in Schwung bringen oder ankurbeln soll.
Was sind die Vorteile einer zweiten Währung und wie steht es mit der Inflation? Die schlechte Nachricht zuerst, die Inflation ist hoch und das ist gewollt. Zwei Prozent in drei Monaten sind es bei der Havelblüte, sofern man sie nicht wieder in Umlauf bringt. Dahinter steckt die Idee des Schwundgeldes, Geld das nicht in den Kreislauf zurückfliesst verliert stetig an Wert, daher sind alle Marktteilnehmer bemüht, mit dem umlaufgesicherten Geld zu handeln. Soweit die Theorie, auf die Praxis dürfen wir gespannt sein, denn am 2.12.2006 startet der Rössle, so heißt Stuttgarts Regionalwährung.
Weitere Infos: Stuttgarts Regionalwährung: Der Rössle
Regiogeld: Eine Übersicht über die Regionalgeldprojekte in Deutschland
[update: Weil die oben verlinkte wir.ch-Seite nicht selbsterklärend ist, hier ein Artikel aus brandeins über WIR]
Man möge mir die gewagte Überschrift nachsehen, aber ich konnte nicht anders!

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19 Kommentare zu Währ ungenau liest Blüten und Pferde

#1 Wegschaffel . 27.11.06 . 17:29 Uhr

Danke für diesen Tipp. Wenns mit der echten Kohle nicht klappt, kann man es ja mal mit diesem Zweitgeld probieren :-)
Aber: Für diese “Überschrift” kann zumindest ich keine Nachsicht walten lassen. Die ist nicht gewagt, die ist gewürgt.

#2 Liamara . 27.11.06 . 17:52 Uhr

Und ich hab sie nicht mal verstanden… also die Überschrift. Das mit den Regionalwährungen kannte ich schon.

#3 qx . 27.11.06 . 17:53 Uhr

Was glaubt Ihr, wann knicke ich bezüglich der Überschrift ein?
Und was wäre eine adäquate Ersatzheadline?

#4 Frau Doktor . 27.11.06 . 18:04 Uhr

Bloß nicht einknicken! Da muss man erstmal drauf kommen. Oskar Pastior hat man für solche Sprechspiele den Büchner-Preis verliehen!

#5 Wegschaffel . 27.11.06 . 18:08 Uhr

Mit Verlaub QX, Sie sind bereits eingeknickt. Wie währs ungefähr damit: “Geldscheisser: Rössle statt Euro”

#6 Wegschaffel . 27.11.06 . 18:18 Uhr

__Frau D: Jaha meine Liebe, aber den Preis hat er erst posthum bekommen. Und final eingeknickt ist er glaub ich auf der Buchmesse als er gesehen hat, was andere so schreiben …

#7 kesselblick . 28.11.06 . 09:54 Uhr

Schon toll: Die Idee scheint keinen zu interessieren, sondern nur die Überschrift.
Egal: Ich halte das Rössle für einen einzigen Schwachsinn!
1. Geld ist das gar nicht. Ja, das darf sich noch nicht mal so nennen. Dafür hat die EU-Zentralbank das Monopol. Wäre ja auch noch schöner, wenn jetzt jeder anfangen würde, Geld zu drucken.
2. “Regionale Wirtschaftskreisläufe fördern” - was ein Mist! Glaubt denn irgendjemand, durch dieses Gutscheinsystem würden Kaufentscheidungen geändert? Wie bitte, soll ich mein Einkaufsverhalten denn noch weiter regionalisieren? Nicht mehr beim Versandhandel bestellen?
3. Das Ganze ist eine sicher gut gemeinte Spendensammelaktion. Deshalb startet es wohl auch im Spendenmonat per se. Dagegen ist nichts zu sagen, aber man soll es dann auch so nennen.

#8 Liamara . 28.11.06 . 10:09 Uhr

Doch doch, das interessiert uns schon. Na ja, marginal. Mir hat das Ganze mal ein alter Freund am Telefon erklärt. Ich fand es sehr suspekt, da bei dem System, was er erklärt hat (Sterntaler, glaube ich) es vor allem um “Luxusgüter” im weitesten Sinne ging. Jedenfalls teureres Zeug, ökologisch wertvolles und so. Sachen, die ich z.B. kaufe (für Geld), die sich aber auch sonst nur Leute kaufen, die eben ein entsprechendes Bewußtsein für solche Sachen haben. Menschen ohne das entsprechende Interesse oder ohne das entsprechende Geld kaufen das nicht. Und das bedeutet letzten Endes, dass da keineswegs die Wirtschaft irgendwie angekurbelt wird, sondern dass Leute mit Geld und Leute mit Sterntalern Sachen kaufen, die sie auch vorher gekauft haben. Und nix weiter. Es werden keine Leute animiert, sich jetzt mal mithilfe der Alternativwährung Sachen zu besorgen, die sie sich vorher nicht leisten konnten. Das wäre ja vielleicht sinnvoll. Aber na ja, das war nur ein Punkt, der seltsam war an der ganzen Sache. Es ging, wenn ich mich recht erinnere, auch darum den “Weltbanken” nicht mehr so viel in den Hals zu werfen. Nur, dass die Händler, die mit dem System arbeiten, natürlich ihr Geld auch auf die Bank bringen, die widerum mit einer anderen Bank und blablabla, jedenfalls sehe ich nicht, wie man der Globalisierung auf diesem Weg entkommen will, außer man tauscht Alternativwährungen eben nicht mehr in Geld um. Dann kann man aber auch gleich mit Muscheln handeln.

#9 qx . 28.11.06 . 10:22 Uhr

Nur, dass die Händler, die mit dem System arbeiten, natürlich ihr Geld auch auf die Bank bringen, die widerum mit einer anderen Bank und blablabla

Ich will mal sehen, wie Du Roessle oder Sterntaler zur Bank bringst und auf welchem Konto die gutgeschrieben werden?
Der Witz ist doch, dass man eine Währung schafft, die nur, wenn sie im Umlauf bleibt nicht entwertet wird. Heißt, der Händler der Sterntaler einnimmt, wird sich bemühen die Sterntaler auch wieder schnellstmöglich auszugeben, bei einem Händler der ebenfalls Sterntaler akzeptiert usw.
Alternativgeld bleibt also im Kreislauf und verschwindet nicht unter Kopfkissen oder auf Bankkonten um akkumuliert zu werden, sondern wird direkt wieder investiert. Das ist, glaube ich, der Kerngedanke hinter der Zweitwährung. Ab welcher Schwelle der Beteiligung allerdings ein Anreizsystem daraus wird und der Kreislauf in Schwung kommt, das ist und bleibt allerdings die große Frage.
Ansonsten hast Du Recht, es ist nichts als ein Gutscheinsystem für regionale nicht konkurrezhähige Produkte…
Der Artikel über den WIR beschreibt die Chancen und Probleme, denke ich, ganz gut.

#10 Liamara . 28.11.06 . 11:04 Uhr

Ich hab doch nicht gesagt, dass der Händler die Sterntaler zur Bank bringt… das wäre ja schwachsinnig ;) Nur so, wie mir das damals erklärt wurde, tauscht der die natürlich gegen Geld ein.

#11 Wegschaffel . 28.11.06 . 14:36 Uhr

Sollen wir mal den Herausgeber fragen, ob er das Blog-Marketing mit der Herausgabe einer eigenen Währung ankurbeln will? Die Autoren erhalten pro Artikel einen „dotnet“, den sie bei den Lesern in bestimmte Dienstleistungen eintauschen können. Drei dotnets gegen einmal Autowaschen? Ich meine, wir machen hier fürs Publikum den Kasper, vernachlässigen Freunde & Familie, denken uns nächtelang die wildesten Geschichten aus und ruinieren uns mittelfristig die Gesundheit oder zumindest den Ruf! Ein wenig Kompensation wäre da schon angebracht.

#12 Ralf Schmid (Hrsg.) . 28.11.06 . 16:54 Uhr

Dotnets? Kein Problem, solange die keine echte Währung kosten. Darf ich Ihnen zum Einstieg — sozusagen als kleines Zeichen uferloser Großzügigkeit — hiermit ein paar davon überreichen? Sagen wir 1.000? Oder 1.500 — ich meine: hey, was soll’s?

#13 Wegschaffel . 28.11.06 . 17:31 Uhr

Ein Zeichen, ein Zeichen! Jetzt weiss ich, warum Sie Herausgeber heissen. Wir sollten das Ufer der Großzügigkeit aber fest im Blick behalten, auf dass der Strom der Inflation die Kompensation nicht hinfortreisst und nacher alles umsonst also sozusagen wie vorher war. Gell.

#14 Katinka . 01.12.06 . 12:21 Uhr

Auf der Homepage http://www.roessle-regional.de findet man die genauen „Spielregeln” für das neue System.
Interessant finde ich die beiden folgenden Punkte:

„# Regionalbeitrag: Unternehmer und geförderte Einrichtungen können RÖSSLE in Euro zurücktauschen. Dabei wird ein Regionalbeitrag von 5% erhoben. Für 100 RÖSSLE werden also 95 Euro ausbezahlt. Von den 5 Euro Regionalbeitrag gehen 3 RÖSSLE als Fördergeld an gemeinnützige Einrichtungen. Die restlichen 2 RÖSSLE werden für den Betrieb des Gutscheinsystems benötigt.
# Umlaufimpuls: Damit die RÖSSLE nicht in Geldbeuteln und Kassen versauern sondern fleißig umlaufen, wird pro Quartal ein Umlaufimpuls von 2% fällig. Ein Gutschein mit einem Wert von 1 RÖSSLE muss dann auf der Rückseite mit einer 2-Cent-Klebemarke aufgefrischt werden. Neu umgetauschte Gutscheine sind vom Förderverein immer für mindestens 2 Monate aufgefrischt. ”

Erste Frage: Verzichten Unternehmen zugunsten eines nicht näher spezifizierten guten Zwecks auf 5 % Ihres Umsatzes beim Rücktausch?

Zweite Frage: Ist dieses Rössle-Verfallsdatum wirklich praktikabel?

Ich bin gespannt, ob das Rössle ans Laufen zu bringen ist…

#15 kesselblick . 01.12.06 . 12:29 Uhr

Komplizierter gehts irgendwie nicht, oder? Ich höre schon die Kommentare im Laden: “Sie müssen mal ihr Geld auffrischen…”

#16 Katinka . 01.12.06 . 14:35 Uhr

Jaja, das ist wie in den alten Zeiten: Marken kleben ;-)

#17 Witsch . 21.12.06 . 01:13 Uhr

Mag nett gemeint sein, vielleicht bringts auch was in kleinem Umfang, aber durch die Eurodeckung nimmts leider aus individueller (”egoistischer”) Sicht ausnahmslos alle Nachteile von unserm lieben Euro-System mit und fügt noch ein paar hinzu, zum ausgleich eben der “nicht näher spezifizierte gute Zweck”, der höchstens Idealisten vom Hocker haut.
So bleibts ein seltsamer Versuch, unserem egoistischen Währungssystem einen gemeinschaftsförderdern Stempel im nachhinein reinzudrücken… Anstatt eines (daneben) zu bauen, das an sich gemeinschaftsfördernd ist… Ich mein nur, wenn man sich schon die Mühe macht, ne Währung zu launchen…
Wäre das Design etwas weniger “konservativ”, das Rössle könnte echt rocken…

#18 Rauchen . 02.02.08 . 12:14 Uhr

Ich kann mit der Überschrift rein gar nichts anfangen. Regionalwährung? Das ist das 1. Mal, dass ich davon höre.

#19 elbsenf . 08.03.08 . 22:32 Uhr

Die Idee finde ich nicht schlecht. Im Norden zahlen wir dann bald mit Fischen :)

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