Von von unten
Leben . 22:48 Uhr
—und wenn man dann endlich angekommen ist und die Mitfahrer zum Beispiel in der Hausmannstraße oder Schloßstraße aussteigen, steht man unter Stuttgarts Sonntagnachthimmel und merkt wie leise und unaufgeregt eine Großstadt sein kann.
Später stellt man dann vielleicht fest, dass die Realität einen guten Sinn für Humor hat, weil man gerade von Berlin nach Stuttgart gefahren ist, aber gleichzeitig auch vom Westkreuz, in dessen Nähe der Stuttgarter Platz liegt, zum Berliner Platz.
Man könnte sich jetzt den Kopf zerbrechen über den ironischen Weltgeist; oder über verborgene Fernweh-Wünsche, die sich dabei bemerkbar machen, denn warum sonst sollte einem solch ein Detail auffallen? Man läßt es aber lieber bleiben und geht ins Bett.
So eine Fahrt im fremden Auto ist nämlich auch anstrengend, nicht so sehr weil die Klimaanlage im Auto kaputt war und der tragbare Tonträger batterieentleert war, sondern viel mehr weil man zwanghaft versucht fremde Menschen innerhalb der Fahrzeit kennen zu lernen, um sich schließlich nach sechs Stunden ordentlich verabschieden zu können. Man kann demnach die Regel aufstellen, dass eine Mitfahrgelegenheit umso anstrengender ist, je kürzer sie ist. Daher lohnt sich die Strecke Karlsruhe-Stuttgart überhaupt nicht und man sollte auf der Strecke Berlin-Stuttgart froh um jeden Stau sein. Eigentlich sollte man unendlich lang fahren—
#1 planb1 . 26.05.09 . 03:41 Uhr
Das ist ja total skuril.
Über dieses Phänomen: Berliner Platz in Stuttgart,
Stuttgarter Platz in Berlin, muss ich nun auch schon seit ca. 25 Jahren sinnieren. Dachte immer nur ich hab so komische Gedankengänge.
#2 stacato . 26.05.09 . 09:12 Uhr
ach, so komisch ist das gar nicht.
Ich wohne zum Beispiel seid Jahren einen Steinwurf vom Berliner Platz entfernt. Mein ex Mitbewohner der vor einigen Jahren nach Berlin gezogen ist, folgte dem Beispiel und wohnt seid dem Umzug einen Steinwurf vom Stuttgarter Platz entfernt.
So treffen sich zwei Freunde über die Distanz doch immer mal wieder, wenn nicht en persona, dann wenigstens durch die Namensgebung der nächsten öffentlichen Verkehrsmittelhaltestelle.
#3 N. Degut . 26.05.09 . 09:32 Uhr
Boah, wie skuril ist das denn??? Jetzt passt mal auf, da fällt mir auch was totalabgedrehtes ein: Ich (Stuttgarter) hab neulich nichtsahnend in der Frankfurter Strasse in Köln einen Berliner gekauft, spricht mich doch ein Wiener an und fragt, ob es hier irgendwo Frankfurter gibt.
#4 Paul-geht-baden . 26.05.09 . 11:31 Uhr
Man kann gegen den kurzen Text ja eine Menge vorbringen, er ist aber eben trotzdem stimmungsvoll und vermittelt ganz gut den Zustand zwischen Tag und Traum mit den scheinbar bedeutungsvollen Analogien, die sich einem aufdrängen, wenn man usw. usf. Mit anderen Worten: Hier wird eine innere Wirklichkeit beschrieben (ein Ausschnitt, wie der Gedankenstrich am Anfang und am Ende signalisiert, aus dem prinzipiell unendlichen Text der inneren Stimme). Scherze in der Art des Waffenbruders N. Degut gehen, vielleicht absichtlich, daran völlig vorbei. Man muss diese Art Text nicht mögen, man kann sie auch für prätentiös halten, aber sie erfasst etwas (oder versucht es zumindest), was weniger spinnerte (und weniger riskante) Texte gar nicht erst ins Visier nehmen.
#5 DonMatze . 26.05.09 . 11:49 Uhr
Schöner Gedankengang - vor allem das mit dem im Stau stehen zum besser kennenlernen! :oD
Und auch schön, dass es hier auch wieder Beiträge gibt die nichts aber auch gar nichts mit Stuttgart 21 zu tun haben!
Danke dafür!!
@ N. Degut:
Wo genau ist denn Dein Problemchen? Hast Du aua?
#6 HelmHeld . 26.05.09 . 14:22 Uhr
Schöner Text. Macht Lust aufs verreisen und Kennenlernen von Städten, inklusive Plätzen.
“prätentiös”?
Sehr schön. Wie sich ne Wortdefinition in sich selbst wieder findet, gefällt mir :)
(als würde man nen Stuttgarter Platz ins schöne Stuttgart pappen)
@Paul-geht-baden danke für diese Erweiterung des Fremdwortschatzes. Ich werd fleissig gebraucht davon machen.
#7 N.Degut . 26.05.09 . 20:18 Uhr
@vonunten: mein komment mit nummer 3 ging an die vollskurile numero uno, nicht an sie, war ein fehler meinerseits. falls ich für missvergnügen gesorgt haben sollte: macht nichts ihnen oder?
@paul-geht-baden: eh eh eh. was sind denn sie für eine/r? eine/r zum vormerken und nachlesen, merk schon. mach ich, aber später.
@donmatze: mein aua geht sie nichts an. und duzen sie mich nicht, sie donmätzchen.
#8 Jens . 26.05.09 . 20:26 Uhr
interessante gedankengänge :-) was die mitfahrgelegenheiten angeht, so bin ich meistens froh wenns keinen Stau gibt, die Leute können noch so nett sein, irgendwann wirds mir im auto zu eng :-D
#9 von unten . 26.05.09 . 23:07 Uhr
Ich habe lange überlegt, ob ich mich überhaupt in die Diskussion einmischen soll. Da aber N. Degut mich im letzten Kommentar sogar direkt anspricht, werde ich es tun:
Ich freue mich, dass dieser Text an einem Tag acht Mal kommentiert wurde. Das zeigt, dass er etwas in allen ausgelöst hat; bei manchen zu jahrzehntelang zurückliegenden Gedanken, bei manchen zu eigenen Freundschaften und literaturkritischen Analysen. Danke schon mal dafür und dass ihr andere daran teilhaben lasst. Bei mir hat es im Übrigen ausgelöst, dass ich das Wort “prätentiös” im Fremdwörterbuch nachgeschlagen habe.
Ich denke jeder hat das Recht Kommentare zu schreiben, jeder hat auch das Recht einen Text gelungen, schön und gut zu finden, oder eben misslungen und schlecht zu finden.
Ich werde deswegen auch keine Kommentare löschen oder bearbeiten, auch wenn ich es schneller könnte als mir diese Antwort auszudenken und zu schreiben. Aber die Kommentierer könnten mir einen Gefallen tun, und die Regeln des Anstandes und des freundlichen Umgangstons einhalten. Dann freue ich mich über jeden Kommentar, egal wie ausführlich, inhaltlich anspruchsvoll oder prätentiös er ausfällt. Immerhin sind diese Worte von potentiell Milliarden Internet-Nutzern lesbar und werden zumindest tatsächlich von einigen Hundert Stuttgart-Blog-Lesern gelesen.
An N. Degut: Ich würde mich außerdem freuen, wenn Sie mir sagen, was der Text bei Ihnen ausgelöst hat. Immerhin haben Sie sich die Mühe gemacht bereits zwei Kommentare dazu zu schreiben.
#10 Paul-geht-baden . 27.05.09 . 00:23 Uhr
Mir können Sie auch einen Gefallen tun, mein lieber von unten: Kommen Sie mal wieder ein bisschen runter, ja? Das ist ja unerträglich, dieses Gespreize von “lange überlegt”, “acht Mal kommentiert”, “etwas in allen ausgelöst”, “teilhaben lassen”, “jeder hat das Recht”, “Regeln des Anstandes” und “diese Worte von potentiell Milliarden”. Geht’s ein ganz klein wenig kleiner? Und ohne Anakoluth, was (damit Sie’s nicht nachsehen müssen) Satzbruch heißt?
#11 N. Degut . 27.05.09 . 09:32 Uhr
alternativ zu den vorschlägen meines vorredners können sie sich natürlich auch einfach umtaufen in “von oben”. dann passts wieder.
#12 DonMatze . 27.05.09 . 10:13 Uhr
@N. DEGUT:
Verzeihung, dass ich mich durch die infantile Art Ihres Kommentars zum Duzen hinreißen lies. Seien Sie mir bitte nicht böse.
Freundlichst,
Ihr DonMätzchen
#13 Neu . 04.08.09 . 12:35 Uhr
Freunde in Stuttgart,
hier schreibt jetzt eine vertreter der “BürgerInitiative Stuttgarter Platz” aus Berlin. Wir laden Euch und die Stadt herzlich ein, 2010 oder 2011 (weil es wahlen dann gibt und die politiker sich dann feiern lassen können) mit uns den neuen “Stuttgarter Park” (nennen wir es mal so ) auf dem Platz einweihen zu können. Nach der verschiebung des s-bahnhofes (der leider Bahnhof charlottenburg sich nennt) auf kosten der stadt berlin und zu gunsten mehdorns (stuttgart 21 läßt grüßen), mußte die stadt uns bürgern - nachdem sie mehrere hunderte “stuttgarter bäume” umgeholzt hatten - eine großzügie ausgleichsmaßnahme versprechen: also das wird dann unser “stuttgarter Park” werden. Freuen wir uns darauf und ihr könnt uns ja mal danach zm “berliner platz” einladen.
Bin gespannt ihn mal kennenzulernen.Habe gerade besuch aus stuttgart, kann mich gleich mal anmelden… . Gibt sicherlich eine “Platzpartnerschaft” (tip: website s.o.)
gruß
joachim neu
kontakt:joachimneu@hotmail.com