Von Josh von Staudach
Vermischtes, Fundsachen, Befindlichkeiten . 23:18 Uhr
Dass Wahlplakate visuelle Umweltverschmutzung sind, mögen Sie richtig erkannt haben, Jochen Rädeker. Aber warum Sie dazu einen Gastbeitrag in der Stuttgarter Zeitung (Ausgabe 117, 23.05., Seite 25) schreiben dürfen, versteh ich nicht ganz. Schließlich betreiben Sie damit nicht nur Eigenwerbung für Ihre Strichpunkt Agentur, sondern entblößen damit etliche Argumente, die gegen Werbung im Allgemeinen sprechen!
Will Werbung ihren Zweck erreichen, muss sie drei Kriterien erfüllen: Sie muss eine klar verständliche Botschaft transportieren, einen eindeutigen Absender haben — und sie muss sympathisch sein.
Das trifft z.B. für Seitenbacher Werbung zu. Ist die von Ihnen? Ach ne, die macht der Herr Seitenbacher ja selber …
Außerdem gilt: Schlechte Werbung wird nicht besser, wenn man besonders viel davon zeigt.
Oha, Mist, auch das gilt für Seitenbacher. Aber nicht für Ihre ADC Kampagne, mit der Sie halb Berlin tapeziert haben? Und die mal wieder niemand etwas sagt, außer den Insidern selbst? Achso, IHRE Werbung muss keinen Zweck erreichen, hm? Sie ist sich selbst Zweck genug. Wie für die meisten im Art Directors Club. Bestimmt machen die da hübsche Sachen, nette Gestaltung, vielleicht auch mal ne lustige Idee darunter. Aber sich dafür gegenseitig auf die Schulter klopfen ist nun wirklich keine bewundernswerte Leistung.
Denn selbst das sympathischste Gesicht wirkt sofort elend und krank, wenn man es auf einen blassgelben Hintergrund setzt. (…) Knallweiß strahlen die Gebisse um die Wette. Besser wären da ein weißer Hintergrund und gelbe Zähne.
Wie bitte? Über Fotografie wissen Sie also auch eine ganze Menge! Und machen es rundrum richtig, wenn sie mit gilbgelbem Teint vor blassgrauem Hintergrund nur milde arrogant von oben herab aus der Zeitung lächeln. Herab auf all die anderen Werber, die sich (vergeblich) abgemüht haben, (vermeintlich) gute Ideen an den Mann (bzw. an die Partei) zu bringen.
Jeder Wähler, der im Besitz zweier Augen und eines Hirns ist, interpretiert demnach folgerichtig: Was hier als angebliches Zwiegespräch angeboten wird, ist nichts als heiße Luft.
Ich dachte, das gilt für jegliche Art von Werbung? Wieder was gelernt: Ich danke für die Aufklärung, Herr Rädeker. Bis zum nächsten Mal …
#1 Exilostfriese . 27.05.09 . 10:54 Uhr
Die Geischter auf den Plakaten der Freien Wähler wirken aber wirklich zum davonlaufen.
#2 DonMatze . 27.05.09 . 12:36 Uhr
@EXILOSTFRIESE:
Was haben Sie denn? Wenn mich Herr Palmer von seinen Plakaten herunter anlächelt ist mein Herz jedes Mals aufs Neue erfreut… :oD
#3 nick . 27.05.09 . 13:09 Uhr
Überhaupt sind die Wahlkampagnen dieses Jahr zum davonlaufen. Man muss mal beobachten, wen und was die Sprüche und Botschaften ansprechen sollen. Unterste Schublade ist das, keine Inhalte, nur dumme Sprüche. Wenn das das Wahlverhalten der Bevölkerung tatsächlich beeinflusst, dann gibt das nur Aufschluss über das geistige Durchschnittsniveau in diesem Land. Da habe ich mir schon mehr erhofft.
#4 Otto von Kierskevind . 27.05.09 . 14:32 Uhr
Die Europawahl 2009? Der Wahlkampf dazu? Ich sag nur:
-
WUMS
!
- BUMS!
- KARACHO!
- CHENG!
- BUMM!
Da geht doch echt der Punkt ab, oder ;-))