Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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31 08.10

Unterirdisch reisen

Von nick
Leben, VVS, Stuttgart 21 . 20:28 Uhr

Das Paradigma “den Verkehr unter die Erde legen, um mehr Platz zum >Leben< zu haben” ist eine sehr verbreitete und nachvollziehbare Haltung. Hier folgt eine Beschreibung eines alternativen, vielleicht übertriebenen Ansatzes, über den man aber mal nachdenken könnte.

Wollen wir eigentlich nicht sehen, wo wir reisen? Ich selbst möchte sehen, durch welche Landschaften, Städte, Gebiete, Straßen, Regionen ich fahre, wenn ich reise. Unterirdisch schaue ich in die schwarze Röhre und vergesse fast, dass ich überhaupt in Bewegung bin.

Menschliche Fortbewegung wird als ein unvermeidbares Übel interpretiert, das unsichtbar unter der Erde gehört und in kürzester Zeit zu bewältigen ist. Dabei gehört Fortbewegung zum menschlichen Leben dazu wie alles andere. Sei es die Reise von zu Hause zum Park, von Bratislava nach Paris, vom Bopser nach Degerloch oder vom Schlossplatz zur Türlenstraße.

Was ist Fortbewegung? Wie begreift der Mensch seine Mobilität, wenn er an Punkt A in die Erde eintauchen möchte, um an Punkt B wieder aufzutauchen, unabhängig von all dem, was dazwischen liegt?

Ich persönlich würde es begrüßen, wenn auf der Heilbronner Straße, der Neckarstraße, der Charlottenstraße oder der Konrad-Adenauer-Straße keine Autos fahren würden, sondern Schienen mit Straßenbahnen. Was wäre überhaupt schlechter im Vergleich zum Autoverkehr, wenn es doch nur sauberer, leiser, sicherer wäre und vielleicht sogar noch schneller? Wenn es die ganzen Parkplatzflächen einsparen würde, fünfzig mal größer als die heutigen Gleisflächen, derzeit belegt durch Blechkisten, die zu über 99 Prozent der Zeit dastehen?

In Stuttgart hat man sich entschieden. Man hat die Straßenbahn vergraben, weil das Tageslicht dem Autoverkehr vorbehalten bleiben sollte. Täglich mit Unfällen und Verletzten. Zugunsten der Autos sehen die Bahnreisenden Stuttgart von der Neuen Weinsteige nicht mehr, und Autofahrer auch nicht, weil sie mit der Lenkung ihrer Wägen beschäftigt sind.

Geht nicht anders? Doch, denn die Menschen vor hundert Jahren haben’s irgendwie geschafft. Statt Autos gab in jeder Gasse Schienen und auf dem Charlottenplatz konnte man den Abend mit einem Glas Wein verbringen.

Wir brauchen Modernisierung und Fortschritt mit Qualität für die Menschen. Nicht immer, aber manchmal geht das mit einer Art Renaissance. Denn nicht alle Veränderungen, die der Größer-Weiter-Schneller-Fortschritt des letzten Jahrhunderts gebracht hat, sind gut.

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8 Kommentare zu Unterirdisch reisen

#1 Cassius . 01.09.10 . 02:18 Uhr

Fahr mal regelmäßig mit Laptop, ein, zwei Aktenordnern, Büchern, Sportzeug und zwei Litern Wasser irgendwohin… mit der Bahn. Da wünschst Du Dir entweder eine eigene Haltestelle für jedes dritte Gebäude der Stadt oder fährst doch mit dem Auto. ;)

Dass einem beim unterirdischen Reisen ein bisschen was verloren geht, stimmt schon, aber gerade in Stuttgart ist nicht überall genug Platz für oberirdische Straßen- und Bahnsysteme.

#2 oldman . 01.09.10 . 09:37 Uhr

Ohne die Innovationen in den ÖPNV wären
wir in Stuttgart sicherlich nicht mehr mobil!

Bevor mit der U-Strab, so die ursprüngliche
Bezeichnung in den ersten Bauphasen,
begonnen wurde, machte ich meine schönsten
“Reisen” von Botnang in die Innenstadt.

Ab Berliner Platz regelmäßig auf den
Trittbrettern der alten Linie 7 Richtung
Wilhelmsplatz.
Der Absprung vor C&A, schleuderte mich fast
an meinen Zielort in der Schmale Straße.

S-Bahn surfen ist ein Nasenwasser dagegen.

Herrlich, die Zeiten als wir zweirädrig die
Königstraße auf und ab flanieren und
uns in den Schaufenstern selbst bewundern
konnten.

(womit ich mich noch ein wenig mehr als Gruftie oute)

#3 Stefan . 01.09.10 . 11:00 Uhr

Gerne wird in diesem Zusammenhang (Schnellbahntrasse) ja auch das Gesetz der Zeitkonstanz vergessen:

“Je schneller die Fortbewegung möglich ist, desto länger werden die zurückgelegten Wege: ob ein Weg zurückgelegt wird, entscheidet nur die Dauer, nicht die Entfernung. Aus Geschwindigkeitssteigerungen resultiert folglich kein Zeitgewinn, sondern nur eine Raumausdehnung.”

Das heisst wir sind im Prinzip nicht schneller dort, sondern nur weiter weg… ob man das braucht, ist eine andere Frage…

Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Sanfte...

#4 nick . 01.09.10 . 12:55 Uhr

Fahr mal regelmäßig mit Laptop, ein, zwei Aktenordnern, Büchern, Sportzeug und zwei Litern Wasser irgendwohin… mit der Bahn. Da wünschst Du Dir entweder eine eigene Haltestelle für jedes dritte Gebäude der Stadt oder fährst doch mit dem Auto. ;)

Stimmt schon. Vielleicht könnte man ja auch über eine Art Individualverkehr auf der Schiene nachdenken, sodass man wirklich an jedem beliebigen Ort unabhängig von anderen halten kann?

#5 Sumit . 01.09.10 . 13:44 Uhr

Dann hätte Stuttgart es Freiburg nachmachen müssen. Und das geht für die Schwaben ja nicht :O (GO FREIBURG) :P
Ich find in Städten unterirdisch fahren nicht so schlimm obwohl ich Magnetschwebebahnen besser fände. Und zwar nicht auf den Straßen, sondern drüber! Das würd dann aber auch wieder tausende Leute stören. Und wenn man die Innenstadt autofrei machen würde und nur noch Straßenbahnen fahren (á la Freiburg) wären plötzlich 100.000 Leute am Bauzaun. So ist das nunmal. Man kanns niemandem Recht machen.

#6 nick . 01.09.10 . 17:45 Uhr

Ich find in Städten unterirdisch fahren nicht so schlimm obwohl ich Magnetschwebebahnen besser fände.

Das ist eine Vision! Wobei mich persönlich der Schatten stören würde… ;-)
Warum nicht auf der Straße? Die Straße für die Autos wird eben von vier (sofern vorhanden) auf zwei Spuren zurückgebaut und die frei werdenden zwei bekommt die Magnetschwebebahn. Mit weniger Platz könnte man viel mehr Menschen schneller und leiser an ihr Ziel bringen.

#7 Peter . 01.09.10 . 18:31 Uhr

Warum nicht auf der Straße? Die Straße für die Autos wird eben von vier (sofern vorhanden) auf zwei Spuren zurückgebaut und die frei werdenden zwei bekommt die Magnetschwebebahn.

Au ja! Und da der schwabe ja nicht auf seinen Heiligen Merceds verzichten wird!!!!! würde sich ganz neue Geschäftsmöglichkeiten ergeben. Was man alles direkt an die im Stausteckenden Fahrer verkaufen könnte. Evtl. würden sich auch Besorgdienste lohnen alle “solang du stehst, geh ich (natülrich mit der Magentbahn) für dich zum Einkaufen”….

#8 Marko . 03.09.10 . 14:36 Uhr

Sicherlich ist es angenehmer aus dem Fenster zu gucken und die Umwelt dabei zu betrachten. Aber wenn man die Fläche nutzen will für Straßen und keine Schienen finde ich es auch in Ordnung. In ein paar Jahren werden die Autos noch ökologischer und es ist doch umsoviel praktischer als die U-bahn.

Gruß Marko

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