Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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19 12.05

Unter Strom

Von Josh von Staudach
Vermischtes, Leben . 16:09 Uhr

Wieder ein schönes Beispiel wie Werbung in die Irre leiten kann. Seit einigen Monaten hat die EnBW neue Anzeigen-, Plakat- und Banner-Motive. Allesamt suggerieren sie, dass die EnBW sich vorwiegend mit regenerativer Energie beschäftigt und ein Vorbild für den Umweltschutz ist. Beispiel: das Motiv mit dem Knoten in einem Abgas-Kamin. Sehr witzig – bei genauerer Betrachtung irgendwo zwischen Ironie und Zynismus. Denn der Kamin hat zwar einen Knoten, aber innerhalb dem Knoten immer denselben Durchmesser. D.h. rein technisch gesehen kommt da genauso viel Abgas raus wie ohne Knoten! Doch halt, vielleicht ist das sogar Absicht? Ist man unterschwellig sogar ehrlich? Und will sagen ‘ok wir haben genauso viel Emmisionen wie die anderen, aber es sieht doch besser aus.’?!

Wie sensibel die verantwortliche Agentur bei der Anzeigenschaltung ist, zeigt heutiges Beispiel auf der deutschen Webseite der Financial Times. Jüngst erst kam der Skandal auf, dass die Mehrzahl der deutschen Strommasten marode ist (wegen dem spröde werdenden Thomas-Stahl), da knüpft die EnBW dreist ein Spinnaker-Segel dran! Juhu – wenn der Wind kräftig bläst haben wir auch einen tollen Stromausfall!

Daher weht also ‘frischer Wind im Strommarkt’! … Wie regenerativ die EnBW dann wirklich ist, zeigen die Daten im Geschäftsbericht 2004, Seite 20: Anteil Kohle, Gas, Öl 22,0 % / Kernenergie 39,6 % / Wasser und sonstige regenerative Energien 15,9 % / Primärenergie unbekannten Ursprungs 22,5 %. Eine Aufteilung die einerseits Bände spricht, andererseits eine Menge Unklarheiten läßt. Die Stinker und Strahler machen fast zwei Drittel aus. Aber wieviel neben der Wasserkraft für die Regenerativen von den 15 Prozent übrig bleibt ist unklar. Schätzungsweise nicht mal 5 Prozent. Bravo. Dafür werden die Werbe-Millionen ausgegeben. Um (wie eingangs erwähnt) uns in die Irre zu leiten …

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2 Kommentare zu Unter Strom

#1 Herr S . 19.12.05 . 19:38 Uhr

Dafür werden die Werbe-Millionen ausgegeben. Um (wie eingangs erwähnt) uns in die Irre zu leiten …

Das ist eine der Hauptaufgaben von Werbung. Wenn man sie der bitteren Realität gegenüber stellt, entpuppt sie sich fast immer als lächerliche Luftnummer. Das soll man aber auch nicht tun, sondern Sie sollen sich an den kreativen Ideen der Kreativen berauschen bzw. daraus ableiten, dass EnBW eine echt muntere, wenn nicht witzige Truppe ist. Den meisten gelingt das mühelos.

#2 dj clavis . 21.12.05 . 10:47 Uhr

Ja, genau dafür! Aber man immer noch die Wahl, in diesem Fall zum Beispiel für “lIchtblick” ein alternativer Stromanbieter oder die Strom-Agentur von Greenpeace, deren Name mir leider entfallen ist.

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