Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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06 03.07

U-Bahnklassik

Von KateStuttgart
Vermischtes, VVS, Befindlichkeiten . 23:10 Uhr

Ich bin Anfang 20 und ja, ich gehe freiwillig in klassische Konzerte. Ich spiele selbst drei Instrumente, mehr oder weniger gut und singe in einem Chor. Trotz all dem geht mir diese Klassikbeschallung in einigen U-Bahnstationen, die seid neustem am frühen Abend einsetzt, auf die Nerven.
Das erste Mal wurde ich mit dieser Art von ‘Wir-halten-die-Obdachlosen-fern-Service’ im Bahnhof ‘Staatsgalerie’ konfrontiert. Es ‘erklang’ ein gutes Klavierkonzert (ich liebe Klaviermusik), aber schon nach kurzer Zeit starrte ich Hilfe suchend zur Anzeige, die mir sagen würde wann meine Bahn kommen würde. Mir drehte es das Herz im Leibe um ein Stück in so schlechter Soundqualität zu hören. Ich konnte es einfach nicht ertragen. Ich wurde unruhig, genervt, fast aggressiv, verdrehte die Augen und suchte leidenende Mitgenossen. Nach Außen gab sich aber Keiner zu erkennen. Gott sei Dank, kam dann endlich meine Bahn.
Heute wieder das selbe Schema am Friedrichsbau: Ich komme gerade aus dem Film ‘Departed’, ein klassisches Konzert (diesmal ohne Klavier) wird ‘gespielt’ und ich, durch den Film schon etwas angekratzt, werde fast wahnsinnig, bis nach fünf Minuten der Zug endlich kommt.
Da hilft Nichts gegen den Sound von oben. Lieblingsmusik auf den Handy hören, null Chance, MP3-Player vielleicht. Auf Dauer will und kann ich so was nicht ertragen!
Grundsätzlich habe ich Nichts dagegen wenn Bahnbetreiber mit klassischer Musik Obdachlose fernhalten wollen. Aber was ich in anderen Städten in dieser Hinsicht erlebt habe, beschränkte sich immer auf U-Bahnzugangstunnel und eine sehr späte nächtliche Stunde. Als Normalbürger muste man also nur durch den Tunnel gehen, niemals dort längere Zeit zubringen und da fand ich das Ganze sogar angenehm. Doch auf Dauer sind mir zwei oder drei schnarchende Obdachlose lieber, als so ein Gedudel vom Band. Auch bin ich der Meinung steigert so ein Aufzwingen von Musik bzw. akustischer Umweltverschmutzung das Stresslevel und so die Aggressivität der Wartenden, was ja auch nicht im Sinne des Verkehrsbetriebs sein kann. Leider konnte ich keine offizielle Stellungnahme zu Sinn und Zweck der Sache finden.
Bleibt also festzustellen: Die Dauerbeschallung hat neben den Kaufhäusern und Restaurants nun auch die Stuttgarter U-Bahn erobert. Also Ohren zu und durch! Oder hier beschweren!

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17 Kommentare zu U-Bahnklassik

#1 Reinhold . 06.03.07 . 23:55 Uhr

Sorry, warum kann man mit klassischer Musik Obdachlose fernhalten ???? Und was ist mit Obdachlosen die Klassische Musik mögen ??? So viele Fragen und weit und breit keine Antwort. Generell halte ich die Berieselung mit Musik,egal ob Klassik, Rock, Pop oder sonstwas für nervend. Ich möchte Musik nicht als Lückenfüller hören.

#2 KateStuttgart . 07.03.07 . 05:17 Uhr

Angeblich hält Dauerbeschallung mit klassischer Musik Obdachlose davon ab sich an diesem Ort für die Nacht einzurichten. Mal ehrlich, wer könnte einschlafen bei einer Beschallung die ständig die Lautstärke und Dynamik ändert. Angeblich gewöhnt man sich ja an alles, aber ich denke es dauert.
Auch soll die Beschallung Drogendealer fern halten und die Fahrgäste entspannen. Weiter lesen zum Thema kann man hier. Und wer schon immer Mal mehr über den Dauerbeschallungsmarktführer wissen wollte, lese bittte diesen Artikel.

#3 Alex . 07.03.07 . 08:15 Uhr

Nach zwei Flaschen Trollinger nimmt wahrscheinlich auch der letzte Penner obdachlose Mitbürger keine U-Bahn-Musik mehr wahr. Ich spiele selbst auch Instrumente und mich wundert, dass nicht mehr Live-Musik in den U-Bahn-Stationen gespielt wird. Immerhin gab es am Freitag Abend auf dem Schlossplatz ein bisschen schönen Jazz von ein paar netten, (sehr) jungen Musikern. Das gibt Hoffnung, dass der Papageien-Mann eines Tages aus dem Stadtkern vertrieben wird ;-) …vielleicht kann man ihn ja des Nachts durch die Tunnel schallen lassen.

#4 Franklin . 07.03.07 . 08:29 Uhr

Also mich stört sie nicht, die Musik.

#5 aphex3k . 07.03.07 . 10:05 Uhr

Lieblingsmusik auf den Handy hören

Das ist ja mal noch perverser und belästigender als das Ubahn-gedudel.

#6 Wegschaffel . 07.03.07 . 10:08 Uhr

Eine Art “Musik-Zaun” gegen ungebetene Gäste?? Auf das Argumentationskonzert der Verkehrsbetriebe wäre ich gespannt. Fragen Sie doch mal an bei denen und lassen Sie uns die Antwort mithörenlesen.

#7 kavaliersschmerz . 07.03.07 . 15:09 Uhr

Ich bin so frei und erkläre, was es mit der Musik auf sich hat:
München hat’s - zum Bsp. am Odeonspolatz - also braucht es Stuttgart auch. So einfach ist das.

Ich mag klass. Musik, sofern in akzeptabler Qualität dargeboten. Viel origineller fand ich aber die “gesungenen Ubahn-Haltestellen” im “Mein kleiner grüner Kaktus-Stil” vor ein paar Monaten! Das hat mir sehr gut gefallen und kam einem nicht so hingerotzt vor.

#8 12 . 07.03.07 . 18:45 Uhr

Ich bin Ende 20 und gehe auch gerne und freiwillig in klassische Konzerte.
Mich stört die Musik nicht, die Obdachlosen stören mich nicht und ich falls sich das irgendwann ändert, werde ich einfach das Fahrrad nehmen.

#9 Henning . 07.03.07 . 22:21 Uhr

@Kavaliersschmerz
A cappella meinst du. Die Haltestellenlieder gab’s aber nicht nur vor ein paar Monaten. Hab jetzt ne Weile keine gehört, fahr aber auch kaum U-Bahn (meist Bus oder zu Fuß). Aber vor ein paar Jahren gab es die zumindest am Berliner Platz auch schon.

#10 liamara . 07.03.07 . 23:03 Uhr

Mich macht das auch aggressiv, ich hätte aber nie vermutet dass es an der Soundqualität liegt…

#11 Haltestellenlieder . 08.03.07 . 16:23 Uhr

Die Haltestellenlieder gibt’s zum Nachhören hier:
http://haltestellenlieder.de/

#12 socki . 08.03.07 . 23:02 Uhr

Ich merke grade, daß ich abends schon ewig nicht mehr Stadtbahn gefahren bin. Die Idee mit den Haltestellenliedern finde ich klasse, die mit der klassischen Musik als Obdachlosenscheuche nicht so. Wenn jemand am hellichsten Tage am Straßenrand ratzen kann, dann stört ihn diese Musik auch nicht.

#13 Steffen . 10.03.07 . 00:43 Uhr

Ich bin zwar kein Fan klassischer Musik, aber wirklich schlimm finde ich das ganze nicht. Ok, die Qualität ist ein bisschen dürftig, aber mal ehrlich - es gibt Unmengen von viel nervtötenderen Sachen im Umfeld des U-Bahn-Verkehrs.
Da wären z.B. unsere supercoolen Zeitgenossen, die Haltestellen, Züge und alles was sich sonst noch so anbietet in ungleich schlechterer Qualität mit grauenvoller Musik (falls man das so nennen will) aus ihren Mobiltelefonen beschallen. Ganz toll finde ich auch all die Menschen, die Haltestellen für einen riesengroßen Mülleimer halten. Und nicht zu vergessen sind selbstverständlich die Helden unserer Gesellschaft, die mit ihrer Bierduft-Aura die Züge einnehmen und lautstark ihre geistreichen Theorien und Weltanschauungen verkünden. Auch sehr beliebt machen sich Gruppen, die sich zum Ausklang eines gemeinsamen Abends von gegenüberliegenden Bahnsteigen, den jeweiligen Inhalt der Anzeigetafel zuschreien.
Da lobe ich mir die Erfindung der Kopfhörer und der MP3-Player - manchmal ist es einfach besser für den Blutdruck, wenn man Dinge verdrängt.

#14 KateStuttgart . 10.03.07 . 03:28 Uhr

Lieblingsmusik auf den Handy hören

Das ist ja mal noch perverser und belästigender als das Ubahn-gedudel.

mit grauenvoller Musik (falls man das so nennen will) aus ihren Mobiltelefonen beschallen

Das mit der Musik aus dem Handy ist ja bei mir auch nur ne Notlösung, da ich keinen MP3-Player o.ä. besitze.

#15 KateStuttgart . 13.03.07 . 23:11 Uhr

Eine Art “Musik-Zaun” gegen ungebetene Gäste?? Auf das Argumentationskonzert der Verkehrsbetriebe wäre ich gespannt. Fragen Sie doch mal an bei denen und lassen Sie uns die Antwort mithörenlesen.

Hier die Antwort des SSB auf eine ähnlich wie der Blog formulierte Beschwerde:
[…]
vielen Dank für Ihre Anregung zur klassischen Musik an den U-Haltestellen. Es tut mir sehr leid, dass Ihnen unser neuer Service nicht zusagt. Gerne erläutere ich Ihnen den Hintergrund für die Musikbeschallung und gehe dann auf Ihren Verbesserungsvorschlag ein.

Unser Hauptziel ist es, mit der klassischen Musik eine unterhaltsamere Wartezeit und angenehme Atmosphäre auf den Bahnsteigen zu schaffen. Dazu haben wir zunächst einen achtmonatigen Testbetrieb und eine Befragung der Fahrgäste durchgeführt. Die Musik wurde während des Versuchs an drei Haltestellen direkt auf den Bahnsteigen abgespielt. Die Resonanz der Fahrgäste war sehr positiv und hat uns dazu veranlasst, die Beschallung seit 1. März 2007 an sechs U-Haltestellen anzubieten.

Gemäß den Befragungsergebnissen haben wir allerdings die Beschallungszeiten angepasst. Die besten Bewertungen wurden in den Abendstunden und am Wochenende erzielt. Außerdem wurde uns bestätigt, dass die Musik – vor allem abends – auch zu einem höheren Sicherheitsempfinden der Fahrgäste beiträgt. Aus diesem Grund wird die Musik werktags erst zu den ruhigeren Verkehrszeiten ab 19 Uhr gespielt.

Eine ausschließliche Beschallung der Zugangstunnel wäre nur mit größerem technischen Umrüstungsaufwand möglich. Die betroffenen Haltestellen sind in den Zugangsbereichen leider nicht durchgängig mit Lautsprechern ausgestattet. Bei einigen Haltestellen gibt es im Zugangsbereich keine Lautsprecher, so dass hier eine kostensintensive Nachrüstung erforderlich wäre. Bei den anderen Haltestellen, an denen bereits Lautsprecher in den Zugangsbereichen vorhanden sind, werden die Lautsprecher über eine Schleife gesteuert. Das heißt an diesen Haltestellen können die Lautsprecher nur gemeinsam, aber nicht einzeln angesteuert werden. Eine separate Ansteuerung wäre wiederum nur mit größerem technischen Aufwand umsetzbar.

Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, dass wir diesen Umrüstungsaufwand vermeiden möchten. Aufgrund der überwiegend positiven Resonanz und dem Beitrag zum Sicherheitsempfinden möchten wir die Hintergrundmusik auch weiterhin an den Bahnsteigen anbieten. Ihre kritische Meinung nehme ich aber gerne auf und werde sämtliche Kundenreaktionen aufmerksam beobachten. [..]

#16 Wegschaffel . 14.03.07 . 09:52 Uhr

Die Musik muss man zwar trotzdem nicht mögen, aber die Antwort ist sehr professionell. Also entweder auf “Durchzug” schalten, iPod zulegen oder die Anlage im Auto aufdrehen :-)

#17 Elfriede Holle . 06.02.08 . 11:43 Uhr

Liebe Stuttgarter,

es tut gut zu lesen, dass man nicht die einzige ist,
die unter dem Geplärre leidet und manchmal
regelrecht aggressiv wird.

Habe in München an den Betreiber geschrieben
und gebeten, wenigstens am Aschermittwoch auf
Tanzmusik zu verzichten.

Kam als Antwort: Umfragemehrheiten bla bla,
man würde die Belange der “Musikgegner” (ich
bin leidenschaftliche Musikliebhaberin) “respektieren”,
indem man am Karfreitag auf Beschallung verzichtet.

Gruß aus München, Elfriede

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