Von kesselblick
Kultur, Politik . 16:33 Uhr

Am Montag hat Peter Christ, Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung, offensichtlich für alle überraschend seinen Rücktritt erklärt. Schon zum Ende des Monats, also übermorgen, wird er den Stuttgarter Verlag verlassen.
Das war also die Ära Christ beim unvermeidbaren Lokalblättle. Ein Segen, dass die vorbei ist, denn jetzt bringt ein/e neue/r Chefred/in den ziemlich verschlafenen Laden hoffentlich auf Trapp. Noch hat man zwar eine komfortable Auflage von 150.000 Exemplaren, aber der Markt für traditionelle Blätter schrumpft.
Allerdings hat sich der Verlag durch geschicktes Aufkaufen von Anteilen an der Konkurrenz eben diese bisher vom Hals gehalten. Ein Drittel des Süddeutschen Verlages hat man sich zu diesem Zweck einverleibt, als es dort Probleme gab. Eine Stuttgarter Ausgabe der Süddeutschen Zeitung wird es deshalb niemals geben. Faktisch lebt man daher in Stuttgart unter den Bedingungen eines erzkonservativen, unkaputtbaren Nachrichtenmonopols.
Das hat Konsequenzen. Man bekommt Schlagzeilen zu lesen wie “Homoehe jetzt erlaubt”, kriegt im Lokalteil die immergleichen Charity-Nasen zu sehen und leidet an einem grottenschlechten Internet-Angebot. Es bleibt zu hoffen, dass das alles bald ein Ende hat und sich dieses Blatt, dieser Medienkonzern, grundlegend ändert. Sonst könnte es bald ganz düster aussehen…
Foto: Peter Christ bei einer Preisverleihung
#1 Franklin . 29.11.06 . 17:44 Uhr
Danke für die Info. Wer wird Nachfolger?
#2 Frau Doktor . 29.11.06 . 18:06 Uhr
Erstmal sein Stellvertreter, Joachim Worthmann (eigentlich ein schöner Name für einen Journalisten), aber das klingt in der Presse-Meldung doch sehr interimistisch. Was da wohl vorgefallen ist? Das klingt total von jetzt auf gleich. Und wer haut hier wen in den Sack?
Noch eine Frage an die Kenner der Stuttgarter Presse-Szene: Der Stuttgarter Zeitungsverlag hat aber nichts mit Holtzbrinck zu tun? Oder doch?
#3 Liamara . 29.11.06 . 19:51 Uhr
Frau Doktor: Nö, hat er nicht, hat uns letztens erst eine Redakteurin gesagt.
#4 Wegschaffel . 29.11.06 . 21:17 Uhr
Heissa Herr K. Da langen Sie aber ziemlich un-christlich hin. Man muss die StZ nicht immer lieben, aber so richtig echt grottenschlecht ist sie nicht, mein ich. Nochmal drüber schlafen? Hm?
#5 Liamara . 29.11.06 . 21:18 Uhr
Ich sag ja immer, wer noch nie im Ruhrgebiet gewohnt hat und die dortigen Tageszeitungen kennt, der sollte über die STZ nicht schimpfen. ;)
#6 kesselblick . 29.11.06 . 21:33 Uhr
Herr W., darüber schlafe ich leider schlecht. Nein, es gibt dort schon eine Art von Qualitätsjournalismus, aber als quasi DAS überregionale-Presse-Flagschiff für den Südwesten, da ist mir das dann doch zu dünne. Und mit Sicherheit am konservativsten von allen vergleichbaren Blättern.
#7 Wegschaffel . 29.11.06 . 21:53 Uhr
OK. So kann ich darüber mal nachschlafen. Ich les die ja jeden morgen seit ziemlich lang; vielleicht mach ich das andere Auge jetzt auch mal auf.
#8 Balvicar . 30.11.06 . 15:37 Uhr
Man, Du hast ja so recht - das Internet-Angebot ist wirklich unter aller S… . Gerade als Exil-Schwabe, wenn man sich mal informieren möchte - leider unmöglich.
#9 Sebideluxe . 04.12.06 . 14:17 Uhr
StZ geht im Vergleich zu den Nachrichten ja noch, aber das es wegen ihnen keine Stuttgarter Ausgabe der SZ gibt, und diese deswegen sehr Bajuphil und Münchenzentriert auftritt, ist eine Schande. Die SZ ist meiner Meinung nach mit Abstand die beste Tageszeitung in Deutschland.