Von kesselblick
Politik . 17:39 Uhr
Wir hier in Deutschland und speziell im “Ländle” gelten ja als Ordnungsfanatiker und staatsfürchtige Zeitgenossen. Regeln werden eingehalten, auch wenn sie noch so unsinnig sind.
Ich habe das im gewissen Rahmen schon immer für Quatsch gehalten.
Gut, wir sind nicht in Indien, wo Chaos ausbricht, wenn man rote Ampeln beachtet. Mit dieser Einschätzung gab ein hier lebender indischer Ingenieur neulich seiner Verwunderung Ausdruck, dass das in Deutschland offensichtlich anders gehandhabt wird.
Im Alltag kann man trotzdem immer wieder Indizien dafür beobachten, dass wir alle im Grunde Anarchisten sind. So zum Beispiel bei mir um die Ecke, wo man nicht rechts abbiegen darf. Die Quote, die es doch macht, liegt bei geschätzten 20 Prozent.
Auch gegen die Stein gewordene Vorstellungswelt von Stadtplanern und Landschaftsarchitekten gibt es tägliche Portionen von Widerstand. Hier ein Beispielfoto.

Die geplanten Wege sind offensichtlich umständlich und gehorchen vielleicht noch ästhetischen Kategorien, aber passen nicht zu den alltäglichen Erfordernissen der Bewohner. Die scheren sich einen Scheißdreck um die vermeintliche Schönheit und kürzen konsequent ab. Sie trampeln sich ihre Pfade durch die Planquadrate. Es gibt also noch Hoffnung…
#1 Alex . 23.03.07 . 18:39 Uhr
Irgendwo hab ich kürzlich mal gelesen, dass, als der Campus in (glaube ich) Stanford neu angelegt wurde, viele Monate über den Verlauf der Wege diskutiert wurde. Man hat dann einfach keine Wege hingemacht und später die entstandenen Trampelpfade ausgebaut…
#2 kesselblick . 23.03.07 . 19:33 Uhr
Ich selber glaube auch, sowas von einer US-Uni gelesen zu haben. Vielleicht hat es mir aber auch nur einer erzählt, der es auch nur gehört hat. Handelt es sich eventuell um eine urbane Legende? Wenn dem so wäre allerdings auch aufschlussreich…
#3 Alex . 23.03.07 . 20:12 Uhr
Tja, gelesen und gefressen… Nachdem ich jetzt mal eine kleine Recherche dazu gestartet habe sieht es wohl tatsächlich nach einer urbanen Legende aus. Einfach mal nach “Oregon Experiment” suchen. Ich dachte es im Zusammenhang mit Usability-Zeug gelesen zu haben, aber ganz offensichtlich ist das auch ein Thema bei Leuten, die sich mit Communitys auseinandersetzen.
#4 qx . 24.03.07 . 09:32 Uhr
Dazu fallen mir spontan zwei andere Artikel ein:
Wegeplaner aufgemerkt, hier könnt Ihr was lernen (jos)
und
Konsumentenorientierung, die schwedische Art
#5 typedown . 24.03.07 . 11:58 Uhr
Das “Oregon Experiment” gab es wirklich. Es gibt dazu ein sehr spannendes Buch von Christopher Alexander: “The Oregon Experiment.” Oxford University Press, New York 1988, ISBN 0195018249. Auch seine Veröffentlichungen zum Thema “Pattern Language” haben nicht nur Architekten beeinflußt. Eine kleine Einführung gibt es hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Muster...
#6 Maddin . 26.03.07 . 09:30 Uhr
Ich hab dazu auch mal was im Fernsehen gesehen. Eigentlich ging es um folgendes: altes Haus einer Uni wird verlegt (also das komplette Haus wird über dem Keller abgesägt und dann 200m weggekarrt). In dem Beitrag ging es also eigentlich auch eher darum die Leistung der “Umzugs”-Profis zu zeigen. Schon interessant, dass man ein altes Steinhaus auf Räder lagern kann und dann verschiebt.
Allerdings kam es dort dann zu folgendem Effekt: Das Haus stand auf seinem neuen Fundament bevor die Wege da waren. Im Frühling konnte man dann im Schnee ganz gut sehen wo lang die Wege führen sollten. An die Stellen wurden die dann auch gelegt.
Da man die Wege im Schnee im Beitrag aber nicht gesehen hat, sondern das nur als Anekdote berichtet wurde, kann ich den Wahrheitsgehalt nicht bestimmen.