Von qx
Vermischtes, Leben, Essen und Trinken . 16:07 Uhr

“Ich bin dann mal im Kuhstall”, ist für den urban lebenden Menschen eine eher ungewöhnliche Ortsangabe. Nicht so im Stuttgarter Osten, von dem eingeweihte sagen, er sei der neue Westen.
Man kennt sie aus Berlin oder Köln, die Tankstellen ohne Zapfsäule. Die Espresso-Bar mit Gemischtwarensortiment, an der man noch kurz den Zigaretten-, Zeitschriften- oder Biervorrat auffrischen kann.
Selbstverständlich auch im Angebot: Leckerer Kaffee Togo oder Tostay, wobei man beim Tostay auch in den Genuss des kostenlosen WLANkabels kommt.
Erstaunlich bei meinem ersten Besuch im Kuhstall war die Erkenntnis, dass nicht nur trendbewusste Hipster, auf diese neue Form des slow shopping zu stehen scheinen sondern der persönliche Einkauf im Kiosk des Vertrauens bei allen Generationen hoch im Kurs zu stehen scheint. Eintreten und wohlfühlen, beschreibt am Besten meinen ersten Eindruck. Hier trifft man von jungen Müttern und Backgammon spielenden Opas, über den - Bier zum Vesper - trinkenden Bauarbeiter, die verschiedensten Leute. Bei Tante Emma 2.0 macht der Einkauf wieder Spaß und den Rest hol ich beim Discounter.
Kuhstall, Stuttgart-Ost an der Haltestelle Libanonstraße. photo: qx
#1 Wegschaffel . 10.10.07 . 17:39 Uhr
Klingt nach Kölschem “Büdchen“. Vielleicht können Sie noch nachreichen, wann und wie lange der Stall geöffnet hat. Nicht dass ich jetzt extra beim Rewe Bier und Kippen vergess’ und dann feststellen muss, dass die Kühe doch schon Feierabend haben.
#2 qx . 10.10.07 . 17:45 Uhr
Klar doch. Mo-Sa von 6-22h.
[edit 14.10.07 8.08: Mo-Fr 6-22h und Sa 7-20h. Bin gestern selbst fast vor verschlossener Tür gestanden...]Es gibt sogar Kölsch im Direktimport. Einer der Besitzer, gewissermassen “Onkel Frank” kommt aus der Kölner Gegend.
#3 Michael Kunert . 11.10.07 . 11:42 Uhr
Hoffen wir, dass sich das hält, ist es doch einerseits ein Gegentrend zum Ladensterben (mit nachfolgendem Leerstand oder bestenfalls Handy-Läden /Pizza-Services) und andererseits wirklich ein Baustein für einen “neuen” Westen (oder etwas noch besseres).
Also sind wir aufgerufen, auch hinzugehen!
#4 Wegschaffel . 11.10.07 . 14:00 Uhr
Wenn Sie die Leute in den
neuen Westen
schicken Herr Kunert wird das nix. Der Kuhstall liegt in S-Ost. Ihre Skepsis teile ich aber. Die entsprechenden Pendants in Köln haben eine lange Tradition. Dass sich der Büdchen-Zauber auch hier entfalten kann halte ich für eher unwahrscheinlich. Leider.
#5 Alex . 11.10.07 . 15:23 Uhr
Komisch das mit dem Neuen Westen, hab ich zu meiner Freundin auch kürzlich gesagt, als ich ihr ein Wohnungsangebot anpreisen wollte - Soll ich die Wohnung dort dann vielleicht doch kaufen - ist ein Schnäppchen - und wenn´s dann auch noch mitten im neuen Westen ist - kann man ja eigentlich nix falsch machen - Neuer Westen - so wie in
“Ich sehe blühende Landschaften im Osten Deutschlands.”
?
#6 Michael Kunert . 12.10.07 . 14:05 Uhr
Da könnte man eine Grundsatzdiskussion üner Stadtteilidentität, kulturelle Verankerung usw. eröffnen. Der Osten hat seinen unbestrittenen eigenen Charakter, durchaus mit Charme (wen mann es mag): interkulturell, Arbeitermilieu, Bürgerlichkeit, kleinstädtisch, in Gablenberg sogar regelrecht dörflich… Wenn es gelänge, das zunehmend mit urbaner Qualität zu durchmischen (plakativ ausgedrückt: Galerien, Theater, “coolere Kneipen”, “Junges” Leben) könnte ein Stadtteil neuer Qualität enstehen, der den m.E. ohnehin überschätzten Westen übertrumpft (wobei es darum gar nicht geht). Stuttgart ist leider eine Stadt, der ein wirklich flächenhaftes urban-lebendiges Quartier abgeht. So was gibt es hier nur punktuell, nicht flächenhaft (Ausnahme vielleicht Heusteigviertel und Marienplatz). Aber das ist eine andere Geschichte…
#7 guschtl . 15.11.07 . 10:46 Uhr
Warum in die Stadt , wenn es der Osten hat ?
Um den Schmalzmarkt herum, gibt es auch für junge Leute nette Bars. Beispiel die “Alte Schule” - im Sommer mit Biergarten - im Winter mit Sofas im Raucherzelt und Öfelchen.
#8 Frank Kuhn . 25.02.08 . 08:11 Uhr
So, nun meldet sich der onkel frank zu wort.
ich selbst, der betreiber dieses stalles, bin vor 2 jahren nach ost gezogen. insofern ein eigenimport von köln. als ich dann mal so nachts in gewohnter kölscher manier durch den osten zuckelte, viel mir auf, ekin büdchen, kein kölsch, keine kommunikation. wat is dat dann, dachte ich mir und machte halt den kuhstall auf.
über rege beteiligung seitens meiner kunden bin ich stets happy. sogar nen düsseldorfer lass ich rein, wenn et kölsch trinkt :-)
alles in allem kann ich nach nem halben jahr sagen, im osten muss noch ordentlich was passieren, wenn wir uns hier zu hause fühlen wollen. für besprechungen jeglicher art findet ihr mich bis auf dienstags und sonntags immer beim kühe melken im stall …. es grüßt der onkel frank vom Kuhstall