Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
27 05.08

Täglicher Anti-Fußgänger-Terror (oder ist das normal)

Von Exilostfriese
Befindlichkeiten . 13:02 Uhr

Moin moin!!
Heute habe ich mich mal wieder gefragt, warum ein Fußgänger nie eine “grüne Welle” hat.
Also nicht so eine, bei der er durch die halbe Stadt latschen kann und überall grün bekommt, sondern eine, wo hintereinander zwei Ampeln für eine Strassenüberquerung kommen.
Zum Beispiel zum Überqueren der Hauptstätterstrasse direkt neben der Haltestelle Charlottenplatz. Hier gab es auch mal eine Fußgängerbrücke. Nochmals besten Dank, dass man dafür jetzt zwei Ampeln überqueren muß. Vorsicht das war Ironie. Naja, mal wieter im Text: Dort kann ich nahezu jeden morgen beobachten, wie die andere Seite Ewigkeiten grün zeigt, aber just kurz nachdem meine Seite grün bekommt, auf rot springt. Will da jemand Fußgänger absichtlich quälen??
Oder der Übergang zum Haus der Wirtschaft an der Theodor-Heuss. Warum muß man in der Mitte nochmals anfordern, dass man die Strasse überqueren will?? Womit rechnet so ein Planer?? Dass da jemand in der Mitte für längere Zeit übernachten will, sich in Luft auflöst oder sich etwa ein Großteil dann doch zur Umkehr entscheidet? Für mich ist das eine glatte Aufforderung bei rot die Strasse zu überqueren. Man kann dieses auch tagtäglich beobachten.
Wundert sich da überhaupt noch jemand, dass Fußgängerampeln kaum ernst genommen werden?
Auf der Theodor-Heuss kommen ja nun auch ein paar mehr Fußgängerampeln. Warum auch immer die nicht einfach synchron gehen, verstehe ich ebenfalls bei bestem Willen nicht. Man kommt an die Ampel als Fußgänger und sieht die Autos 100m entfernt an der anderen Ampel stehen, eigentlich kann man gefahrlos die Strasse passieren, aber das ist ja verboten. Wer korrekt ist drückt die Ampel, und wartet somit da sinnlos. In der Mitte darf er dafür dann gleich ja nochmal warten zur Belohnung.
Warum die nicht einfach mal synchron umschalten (oder leicht zeitversetzt, dass die Autos dazwischen noch durchfahren können). So könnten auch die Autos eine einigermassen grüne Welle geniessen, was für die Feinstaubbelastung auch nicht so schlecht wäre..

Watt’n Mumpitz

Kommentieren . Trackback-URL

15 Kommentare zu Täglicher Anti-Fußgänger-Terror (oder ist das normal)

#1 Dradts . 27.05.08 . 13:16 Uhr

Sehe ich auch so. An manchen Stellen ist die Ampelregelung ganz gut, aber oft steht man unsinnig irgendwo mitten auf einer Straße herum und wartet auf die zweite oder dritte Ampel.

#2 Westbalkon . 27.05.08 . 14:23 Uhr

Willkommen in der Autostadt Stuttgart! Und: Schon mal die Radwege ausprobiert????

#3 Exilostfriese . 27.05.08 . 14:34 Uhr

Radwege?? Das ist mal ein Thema, da schreibe ich eher ein Buch drüber..
Aber schön ist, dass inzwischen relativ viele Einbahnstrassen für Radfahrer in die “falsche” Richtung freigegeben worden sind.
Und die Polizei hier ist auch eher mal tolerant gegenüber Radfahrern. Wie ich anfangs zusammengezuckt bin, wenn ich Polizisten gesehen habe beim Radwege nicht benutzen.
Wobei, komm mal nach Ostfriesland. Da gibt es zwar relativ viele Radwege, aber auch teilweise echt üble. Mit dem Rennrad ist das manchmal kein Geschenk. Und Ostfriesen sind mal auch ordentlich sturr. Da bin ich schon auf Strassen angehupt worden, auf denen alle zehn Minuten mal ein Auto zu sehen war. Gucken kannst Du da Kilometer weit, und zum Überholen ist da ne Menge Platz, aber ein Radfahrer muß ja den Radweg benutzen, auch wenn die Wurzeln der Bäume diesen zur Rüttelpiste verunstaltet haben.

#4 Flakfritz . 27.05.08 . 15:25 Uhr

Hallo Exilostfriese, willkommen in der Welt der wohlüberlegten Entscheidungen.

Warum das mit der Ampel so ist? Ganz einfach. Im Stuttgarter Rathaus sitzen ganz viele (bis hierher stimmts auf jeden Fall) clevere (naja) Schwaben (zumindest einige), die sich freuen wenn man sparen kann. So spart man sich inzwischen sogar ein “bin nicht zuständig”, indem man einfach in irgendeine Richtung zeigt und dabei unerquicklich brummt.

Gespart wird hier natürlich am grünen Licht!

Erstens, solange “die Schwarzen” im Rathaus sitzen, kann man zwar für jeden Unsinn grünes Licht geben (kost ja erst mal nix) aber gezeigt wird es nur, wenn es eben nicht mehr anders geht, da die grünen Glühbirnen eine um den Faktor 3,14 (man vergleiche mit der Zahl Pi!)geringere Lebensdauer aufweisen.
Und um eben genau dieses 3,14fache müssen die roten Glühbirnen länger brennen, damit die Straßenverwaltung immer gleich die komplette Fußgänger - Lichtsignalanlagenbeleuchtung auswechseln kann, man hätte ja sonst doppelt so hohe Personalkosten.

Wenn Du also zukünftig wieder mal mitten auf der Straße stehst, freu dich darüber, dass mit deinem Steuergeld vernünftig umgegangen wird. Übrigens, seit Einführung der Feinstaub - Pickerl ist das ja auch nicht mehr gesundheitsschädlich!

#5 circulus . 27.05.08 . 17:44 Uhr

Flakfritz, köstlich! Sitzt Du selbst öfter im Rathaus? Du scheinst das System außerordentlich gut durchschaut zu haben!

Ich kann unserem Exilostfriesen nur beipflichten - und Dradts fragen, WO er denn schon eine gute Ampelregelung erlebt hat? Die Ampelschaltungen in Stuttgart scheinen m.E. überhaupt keinem System zu folgen - außer vielleicht einem der Verhinderung (von was, weiß ich aber auch nicht).

Wenn ich ab und an mit Auto fahre, empfinde ich es genauso schlimm, wie als Fußgänger. Hoffnungsfroh sieht man von weitem eine grüne Ampel - aber 50 Meter bevor man sie erreicht, schaltet sie garantiert auf Gelb, sodass man statt Gas geben anhalten sollte. Als Resultat sind die meisten Fahrer genervt und geben umso mehr Gas, wenn es weiter geht - nur um nach 200 Metern gleich wieder auf die Bremse zu stehen. Irgendeine Lobby scheint das Thema Feinstaub falsch rum verstanden zu haben - und möchte das Maximum an Schadstoffen erreichen, nicht das Minimum. Diesem Ziel kommen wir ja schon ziemlich nahe!

Es könnte auch sein, dass die Stadtverwaltung den Autofahrern den ‘Spaß verderben’ will - um sie auf die Öffentlichen umzuleiten. Doch selbst die Straßenbahn sieht man oft unnötig stehen und warten. Bspw. am Anfang und Ende der Friedhofstraße, wo die nagelneue 15er Trasse eigentlich besser funktionieren sollte.

Als Radfahrer jedenfalls schere ich mich einen feuchten Kehrricht - pfeife auf Ampelfarben und rollere gemütlich durch die Gassen des Kessels. Mal sehen, wann ich deswegen das erste Mal angehalten oder verhaftet werde - ich geb dann Bescheid …

#6 Wegschaffel . 27.05.08 . 18:50 Uhr

Leut’, ich lüpfe hier mal ein wenig den Vorhang und lasse Euch ab sofort Eingeweihte wissen, dass das Problem mit den grün/roten Fussgängerampeln demnächst nach dem hier entwickelten und in geheimen untererdigen Fahrstrassen bereits evaluierten Stuttgarter Modell gelöst wird. Die nötige Ratsmehrheit wird aktuell gebastelt, viel fehlt ohnehin nicht. Noch ein paar informelle Gespräche im Delice und zwei, drei freundliche Drohbriefe und dann ist es endlich durch, das bundesweit erste totale Fussgängerverbot. Ausnahmeregeln mit entsprechenden rot/gelb/grünen Armbinden gibts für Marathonläufer i.T., pannierende Automobilisten und Zeitungsausträger unter 18.

#7 Der MfG . 27.05.08 . 21:54 Uhr

Definition einer Ampel:

Eine Ampel ist ein grünes Licht, das rot wird, wenn man näher kommt!

#8 Ralph . 28.05.08 . 09:47 Uhr

Alles falsch! Man hat hier an die alten Leute gedacht, die Stuttgart in Zukunft in absoluter Mehrheit bewohnen werden. Bis die über die erste Ampel drüber sind und verschnauft haben, ist die zweite Ampel wieder grün. Die wenigen jugen Leut, die’s in Stuttgart 2020 geben wird, fahren mit dem Cabrio, die Familien sind dank unerschwinglicher Wohnungspreise und Super-Anbindung durch S21 nach Nürtingen und sonstwohin ins Umland gezogen.

#9 Gita . 28.05.08 . 13:02 Uhr

Ich hab das Gefühl, immer dann wenn ich es eilig habe, springen die Ampeln besonders gerne auf rot; geht euch das auch so?

#10 Michael . 28.05.08 . 17:26 Uhr

Ich komme aus Münster. Der Fahrradfahrerstadt schlechthin. Hier zu Biken ist echt ein Krampf. Unglaublich, dass Autos bevorzugt werden. Sowas kannte ich nicht. In Münster ist alles immer nur für die Radfahrer optimiert und die Autos müssen zusehen. Ich finde der Autoverkehr läuft größtenteils schon ganz gut. Zudem wird in Stuttgart sehr schnell mittem Auto gefahren finde ich.

#11 Flakfritz . 30.05.08 . 09:48 Uhr

übrigens steht heute in der Stgt. Zeitung, dass Studenten der Uni Stuttgart die Zahl Pi (als Ausdruck des stummen Protestes gegenüber der Ampelschaltung, Stadtverwaltung, Bauhof, usw) mit tausend Nachkommastellen auf Stuttgarter Boden niederschreiben wollen.

Originell wäre es, wenn die Zahlen sinnlos verstreut im Stadtgebiet auftauchen, derjenige, der Sie zuerst in der richtigen Reihenfolge angelaufen hat bekommt einen Blumenstrauß!

#12 Michael . 30.05.08 . 18:48 Uhr

War das oben mit der 3,14 fachen Lebensdauer ernst gemeint?

#13 Wolfgang . 01.06.08 . 19:08 Uhr

Unglaublich, dass Autos bevorzugt werden.

Wo werden Autos bevorzugt? In Stuttgart? Das glaube ich nicht. Das ist absolut unmöglich.

Ich wohne in Pforzheim und habe in Stuttgart eine Übernachtungswohnung. Die direkte Entfernung sind ca. 70 km und die normale Fahrzeit sind 1,5 bis 2 Stunden, wobei bei 2h Fahrzeit mehr als eine davon auf den ersten 30 km in Stuttgart verbraten wird. Das ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 30 km/h. Unter “Bevorzugung” verstehe ich was anderes.

Ich würde das Problem insgesamt etwas anders beschreiben. Ich würde es so formulieren, dass das Verkehrsaufkommen in den letzten Jahren deutlich stärker gewachsen ist als die Infrastruktur. Dabei fürchte ich eher, dass das gar kein Behördenfilz ist. Natürlich man könnte das eine oder andere kleine Detail Verbessern. Aber eine Verkehrskatastrophe wird es bleiben und zwar für alle ganz gleich was man macht.

#14 Exilostfriese . 02.06.08 . 12:19 Uhr

Michael: Das hat auch ein wenig damit zu tun, dass Stuttgart nun mal nicht so flach ist. Ich komme ja ehemals aus dem Norden Nähe Wilhelmshaven. Dort ist Oldenburg wohl DIE Radfahrerstadt, auch wegen der vielen Studenten. Man wundert sich, wenn man mal wieder dort ist. So viele Radler sieht man hier nur im Biergarten. Boar, war der Kalauer flach ;)
So viele wie man dort in 30min sieht, sieht man hier kaum an einem Tag.
Aber wenn man wie hier halt bergauf ordentlich ins Schwitzen kommt, hält das schon mal einige davon ab mit dem Rad ins Geschäft zu fahren.

#15 Flakfritz . 03.06.08 . 10:36 Uhr

@Michael

Natürlich ist das Ernstgemeint!

Da rotes Licht langwelliger ist als grünes Licht wirkt die Strahlung lange nicht so agrresiv und destruktiv.

So ist z.B. die Tatsache, dass hellhäutige Menschen in praller Mittagssonne innerhalb weniger Minuten sehr leicht einen Sonnenbrand bekommen, einen romantischen Sonnenuntergang jedoch gefahrlos in voller Länge bewundern können, ja jedem bekannt.

Made by 6B