Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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05 02.09

Surfen auf der Abwrackwelle

Von Schnezagaigeler
Vermischtes . 22:46 Uhr

Um ein Haar hätte ich mir ein neues Auto gekauft. Einen Kangoo. Wegen der Abwrackprämie. Für die bin ich prädestiniert: Mein Alter hat 22 Jahre auf dem Buckel und die Wasserpumpe leckt. Eine Anzeige in der Zeitung lotste mich in den Verkaufsraum eines Autohändlers - den ersten, den ich in  meinem Leben betrat.

Ja, das Auto aus der Anzeige sei tatsächlich für den dort angegebenen Preis zu haben. Ja, das Autohaus übernehme die Abwicklung des Altfahrzeugs. Nein, keine versteckten Kosten. Und: Man müsse schnell zugreifen, die Anzeige gelte nur diese Woche. Allerdings sei der Wagen aus der Anzeige nicht mehr auf Lager (der sei sofort weg gewesen)  und werde erst im April wieder geliefert; ob’s im April noch eine Abwrackprämie gebe, könne man natürlich nicht garantieren. Aber es käme die Woche ein anderes, etwas teureres Modell rein…

Meine Hutschnur schwoll an. Alles nur ein Lockangebot?
Bewahre! Die Anzeige sei ja schon drei Tage alt. Ich könne nicht erwarten, dass man für die staatliche Prämie garantiere (Die Prämie, mit der man in der Anzeige winkte und die ja überhaupt erst der Grund gewesen war, warum ich hier saß). Außerdem: das machten alle so.

Kurz: Wir kamen auf keinen grünen Zweig. Im Gegenteil. Am Ende wollte man mir nicht einmal mehr das Angebot für den teureren Wagen ausdrucken. Die Wasserpumpe wird wohl noch eine Weile durchhalten müssen.

Übrigens: Heute war wieder eine Anzeige in der Zeitung. Mit eben jenem Modell, das erst im April geliefert wird.

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9 Kommentare zu Surfen auf der Abwrackwelle

#1 strikeQ . 06.02.09 . 09:31 Uhr

Muss man dazu noch was sagen? Ganz ehrlich, die versuchen es doch auch mit allen Mitteln. Und auch die kochen nur mit Wasser. Welches Autohaus war es denn? Sicher eines in Stuttgart? ;-)

tztztztz…. Die Autohändler…

#2 Flakfritz . 06.02.09 . 10:57 Uhr

Lange Lieferzeiten trotz Überkapazität und Absatzproblemen bei den Autobauern? Bei Opel soll man derzeit angeblich 9 Monate auf das Auto warten, dass lt. Pressesprecher seit Monaten auf der Halde steht.

#3 Exilostfriese . 06.02.09 . 11:00 Uhr

Tja, mit der Abwrackprämie scheinen die keine Absatzprobleme mehr zu haben. Ansonsten sollten sich die Händler einfach nicht zu sehr wundern, wenn das Neuwagengeschäft lahmt.

Also so richtig wohl habe ich mich noch nie in einem Autohaus gefühlt. Oft wurde ich ersteinmal komplett ignoriert. Da fühlt man sich gleich mal als Störfaktor. “Hallo, ist da jemand?” Aber vielleicht gehört das dazu, damit der Kunde bloß nicht wagt den Preis zu drücken. Der muß sich wie ein Bittsteller vorkommen.

Apropos Abwrackprämie: Das meiste davon bleibt bei den Händlern. Die sind nun nicht mehr gezwungen mit dem Preis so sehr entgegen zu kommen. Für den Kunden finde ich die Prämie ziemlich uninteressant. Man ist gezwungen einen Neuwagen zu kaufen, der einen entsprechend hohen Wertverlust hat und verschrottet ein Auto, was eventuell auch noch ein paar Scheine auf dem Gebrauchtmarkt bringen würde.

#4 Jack Hanson . 06.02.09 . 11:43 Uhr

Diese ganze Abwrackprämie ist ein Witz, ich frage mich wie man auf so eine Idee kommt, und der Politiker der auf diese Idee kam sollte sofort rausgeworfen werden…
Wir haben uns diese Woche einen 11 Monate alten Dodge gekauft, von einem Händler der Autos aus den USA importiert.
Unseren alten Fiat wollten wir verschrotten, jedoch konnte uns niemand zuverlässig sagen ob wir die Prämie bekommen würden. Und die Vorschriften in dem Antrag sind so vage, so daß der bearbeitende Sachbearbeiter nach Lust und Laune den Daumen heben oder senken kann. Also haben wir bei Freunden rumgefragt ob jemand die Kiste brauchen kann, und haben ihn nun an den meistbietenden verkauft. Zwar weniger als 2.500,-, aber cash auf die Hand, und das ist was wir wollten

#5 Flakfritz . 06.02.09 . 12:53 Uhr

aber cash auf die Hand, und das ist was wir wollten

auri sacra fames!

#6 Herr S . 06.02.09 . 13:54 Uhr

Wenn ich Sie richtig interpretiere, Mr. Hanson, dann wäre die Abwrackprämie kein Witz gewesen, wenn man Ihnen die zwofünf cash und ohne viel Federlesens in die Hand gedrückt hätte. Wenn ich mich richtig interpretiere, sehe ich das Ganze glaube ich eher anders herum.

#7 thomas . 06.02.09 . 16:55 Uhr

Frueher Rosstandler, heute…

Lass die Wasserpumpe richten in einer freien Werkstatt, fertig. Das ist dann nachhaltig gewirtschaftet.

Die Schwaben soagen doch immer: es alt erhaelt es neu!

#8 Jack Hanson . 06.02.09 . 22:22 Uhr

auri sacra fames!

Na der Kommentar ist ja mal passend… wenn ich die Wahl habe zwischen 1800,- €, die ich bar auf die Hand, für ne alte Kiste, bekomme, und 2.500 €, die ich vielleicht bekomme, NACHDEM die Kiste verschrottet wurde, dann ist es wohl nicht verwerflich das Bare zu nehmen. Desweiteren, wenn in mir dieser “verfluchte Hunger nach Gold” wäre, dann hätte ich doch wohl die 2.500 genommen, bzw. drauf spekuliert, oder?

Und Herr S. , nein, meine Meinung bezügl. der Prämie hängt nicht davon ab ob ich davon profitiert habe oder nicht, mir ist nämlich die jetzige Lösung wesentlich lieber, als dem Staat dafür dankbar sein zu müssen, daß er so eine unsinnige Idee umgesetzt hat

#9 Flakfritz . 09.02.09 . 15:19 Uhr

wenn ich die Wahl habe zwischen 1800,- €, die ich bar auf die Hand, für ne alte Kiste, bekomme, und 2.500 €, die ich vielleicht bekomme

…würde jeder Wirtschaftswissenschaftler eher meinem Zitat zustimmen.

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