Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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23 02.06

Stuttgarter Junxx

Von Herr S
Leben, Sport . 19:50 Uhr

Ich erinnere mich, dass ich vor Jahren mal mit einem Freund in San Franciscos Castro District unterwegs war, der an dem Tag das seltene Glück hatte, irgendwo in der Stadt einen »Kicker« zu bekommen — als echter Fußball-Fan brannte er natürlich darauf, das Heft wenigstens mal durchzublättern. Meinen Vorschlag, wir könnten zu diesem Behufe ja einfach ein Café aufsuchen, wies er entsetzt von sich und erläuterte auf mein verwundertes Nachfragen, dass es völlig undenkbar wäre, sich in einem Schwulenlokal als Fußballfan zu outen (für Ortsunkundige: im Castro District gibt’s keine anderen). Ebenso undenkbar wäre auch der umgekehrte Fall, dass sich ein Fußballer oder Fußballfan als Schwuler zu erkennen gäbe, fügte er noch hinzu.

Das Problem war mir zuvor mangels hinreichendem Interesse zwar unbekannt, ich musste aber einräumen, im Leben noch nie von einem schwulen Fußballer gehört zu haben. In gewisser Weise ist es ja verständlich: wie würde das denn wirken, wenn nach einem Tor die halbe Mannschaft balgend aufeinander herumliegt, und es wären offizielle Schwule drunter? Gar nicht zu reden vom gemeinsamen Duschen. Und wenn man sich dazu noch die breite Masse der Fans vorstellt, die sich gelinde gesagt nicht eben durch ein übertriebenes Maß an Toleranz auszeichnen, erscheint die Kombination in der Tat ein wenig heikel.

Trotzdem ist es zweifellos großer Quatsch. Vermutlich gibt es unter Fußballern wie Fans denselben Prozentsatz an Schwulen (und Lesben) wie überall sonst, der (offen schwule) St.-Pauli-Präsident Conny Littmann meint sogar, die Bundesliga wäre voller Homos, auch wenn die DFB-Illusionisten das Thema nicht mal mit spitzen Fingern anfassen wollen.

Längst überfällig war also die Initiative von unten: die Stuttgarter Junxx sind der »1. offizielle schwul-lesbische VfB Stuttgart Fanclub« und haben sich vorgenommen, die Legende von der letzten schwulenfreien Bastion ins Reich der Ammenmärchen zu verbannen, wo sie hingehört. Aussagekräftig ist auch das ARD-Interview mit dem Junxx-Vorstand Christian Deker, der ein paar Eindrücke aus dem Alltag schwuler Stadionbesucher schildert. Ich darf jedenfalls viel Erfolg wünschen, man muss nämlich nicht schwul sein, um die Dumpfbackigkeit eines großen Teils der Fußballwelt einfach nur peinlich zu finden. Ein harter Weg wird’s aber werden, Junxx, machen wir uns nichts vor.

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