Von Frau Doktor
Kultur . 01:22 Uhr
… können aber leider nicht vernünftig drüber sprechen . Damit ist diesmal nicht die von mir schon mehrfach kritisierte falsche Bescheidenheit der Stuttgarter gemeint, sondern die merkwürdige Diskussion im letzten Kunstklub.
Das Line up war eigentlich ganz beeindruckend: Anlässlich der Ausstellung zum Lebenswerk von Anton Stankowski sprachen Karl Duschek, der zusammen mit Stankowski das Designbüro Stankowski und Duschek geführt hat und Kurator der Ausstellung ist, Marcus Wichmann, Professor für Kommunikations-Design an der Kunst-Akademie Stuttgart, Stefan Kern, Bildhauer und Lehrer an der ESAD, Straßburg, und Jörg Stürzebecher, Publizist und Beiträger zum Katalog, zum Thema “Kunst und Design – eine Einheit?” Als Moderator war Michael Krajewski, ein Journalist, engagiert. Damit man auch wusste, worum es eigentlich geht, führten Karl Duschek und Jörg Stürzebecher vorher durch die Ausstellung.
Der Publikumsandrang war entsprechend, so dass auch die recht großen Räumlichkeiten des Vortragssaales der Staatsgalerie ordentlich gefüllt waren. “Toll”, dachte ich mir, “das Prinzip Kunstklub wieder mal erfolgreich in Aktion.” Nachdem die Diskussion aber ihre ersten zehn Minuten hinter sich hatte, war ich schon nicht mehr so überzeugt davon. Und nach weiteren zehn Minuten war klar: Das wird heute nix anständiges mehr.
Anstelle einer erhellenden Diskussion zum Thema, die auch Nicht-Abonnenten des Design-Reports und anderer Fachzeitschriften zugänglich gewesen wäre, erging sich ein Großteil der Herren, einschließlich des Moderators, im Name Dropping und prunkte mit Design-historischem Wissen, dessen Relevanz für das Thema für den interessierten Laien gänzlich im Ungefähren blieb. Kam mal doch einmal in die Gefahr, sich tatsächlich auf das Thema zu konzentrieren, – was meistens Herrn Wichmann und Herrn Kern zu verdanken war –, schaffte es der Moderator mit seltsam unpassenden Fragen, die Diskussion ganz schnell wieder ins allgemeine BlaBla abdriften zu lassen.
Jetzt wissen wir zwar, dass die Herren Duschek und Stürzebecher nichts von Herrn Staeck halten, weil der nämlich als Künstler gelte, Stankowski aber nicht. Oder dass Herr Kern sich eigentlich nicht in der Nachfolge von Donald Judd sieht, auch wenn Herr Krajewski das jetzt gern anders hätte, aber auch keine Argumente für den Zusammenhang bringt. Und Klischees wie das, dass Qualität natürlich das zentrale Kriterium für Kunst und Design sei.
Die wirklich spannenden Fragen wurden nur angerissen. Zum Beispiel die nach den Änderungen, die sich im Verhältnis zwischen Kunden/Auftraggebern und Designern/Gestaltern während der letzten 50 Jahren ergeben haben. Wo findet man heute Klimaanlagenhersteller, die sich für ihren Werbeauftritt auf die avantgardistischen Vorschläge eines jungen Gestalters einlassen? Oder was bedeutet der Triumphzug von Fotoshop, InDesign und all den anderen Gestaltungsprogrammen für die Qualität zeitgenössischen Designs? Wenn keiner mehr zeichnet, bevor er an den Rechner geht, heißt das nicht zwangsläufig, dass hauptsächlich vorhandenes Material recycelt wird?
Warum mich das so ärgert? Weil der Kunstklub dafür gedacht ist, Fragen zu stellen, die für ein jüngeres Publikum relevant sind, – und nicht dafür, dass Herren, die schon immer Bescheid gewusst haben, jetzt auch mal in der Staatsgalerie ihr Revier bepinkeln dürfen. Dass Fragen stellen unerwünscht war, machte Herr Krajewski schon gleich am Anfang klar: “Wir machen dann mal eine kurz Pause, in denen das Publikum Verständnisfragen stellen kann.” Danke! Ich denke lieber selbst.