Von nick
Stuttgart 21 . 10:14 Uhr
Das ist der Name einer Aktion, die heute von Stuttgarter Prominenten ins Leben gerufen wurde. Mit dabei: Edzard Reuter, Vincent Klink, Joe Bauer, Timo Brunke und viele weitere. In einer halbseitigen Anzeige in den Stuttgarter Tageszeitungen wurde heute ein Text veröffentlicht, in dem mitunter zu lesen ist:
Der Streit um das Neubauprojekt „Stuttgart 21“ und die scheinbar unausweichlich eskalierende Konfrontation zwischen Gegnern und Befürwortern des Milliardenprojektes haben in jüngster Zeit bedenkliche Dimensionen angenommen. […] Geht die Eskalation auf diese Weise weiter, wird es nur Verlierer geben.
Die Unterzeichner, zu denen sowohl Gegner als auch Befürworter von Stuttgart 21 gehören, fordern ein sofortiges Moratorium für alle Baumaßnahmen und einen baldigen Bürgerentscheid. Partei für eine Seite wird nicht ergriffen.
Nur ein Volksentscheid bringt die Wahrheit an den Tag, die jeder akzeptieren wird. In guter demokratischer Tradition.
Wer den gesamten Text lesen und den Appell unterstützen möchte, kann das hier tun: Stuttgarter Appell
#1 Nordman . 09.08.10 . 11:55 Uhr
Da die Macher von S21 eine Ablehnung befürchten werden sie keine Volksabstimmung zulassen.
Wenn wöllte man den auch Abstimmen lassen, alle Stuttgarter, alle in der Region Stuttgart, alle Baden Württemberger?
Ich würde mich über eine Volksabstimmung freuen, weil eben dann beide Seiten wüssten was das Volk will, aber wo würde den Stuttgart hinkommen wenn wir das Volk fragen würden. Dabei wäre es möglicherweise eine ganz elegante Lösung aus dem Projekt raus zu kommen. “Wir sind Demokraten, wir achten den Willen der Bürger…”. So was soll sich ja gerade vor Wahlen gut machen.
NM
#2 markus rupprecht . 09.08.10 . 21:39 Uhr
liebe anstifter,
habe irgendwie den link zu euerem appell erhalten, den ich so nicht stehen lassen will. warum seht ihr eine “unausweichlich eskalierende konfrontation”, wo sind hier “bedenkliche dimensionen”?? wenn wir eines aus wackersdorf gelernt haben, dann dies: laßt uns nicht in gute, vernünftige und böse, chaotische s21-gegner bzw. k21-befürworter aufspalten. das ist doch genau das was verantwortliche s21-befürworter herbeisehnen, daß nämlich die ersten scheiben klirren und widerstand konkret wird. dann hat endlich auch die sensationslüstige und sommerlochgeplagte medienlandschaft was zu berichten. schon jetzt kommen die gründe der gegner kaum in die öffentlichkeit - man hat den eindruck es handele sich um schwäbisch sparsame denkmalschützer - doch darum geht es doch gar nicht, siehe k21-broschüre!
euer hinweis auf die gute demokratische tradition ist bei einem volksentscheid mit max. 50% wahlbeteiligung und der tatsache daß viele betroffene gar nicht mit abstimmen dürften sehr verlogen - das ist die demokratie der eliten, dabei bleiben dann die hände sauber! im gegenteil, angenommen ein volksentscheid würde das s21-projekt “mehrheitlich” befürworten, würde sich der widerstand radikalisieren, weil durch den volksentscheid kein einziger grund für dieses projekt wahrer werden würde. legal ist halt nicht legitim!
die genehmigungsverfahren, das durchpeitsche von s21, die geplanten baumaßnahmen - all das ist nicht anders zu bezeichnen als “gewaltig”. und genauso muß auch der widerstand sein: mit kraft, fantasie, ausdauer, geduld, klarheit - eben auch “gewaltig”.
wir haben - nach wackersdorf, nach der startbahn - erneut die chance, klar zu machen, daß dieses system, auf kosten vieler die interessen weniger durchzusetzen (sei es lokal oder global) in die sackgasse führt.
laßt uns diese logik durchbrechen!
ja zu k21 - nein zu s21 - nein zum volksentscheid - keine scheindemokratie!
trotz aller meinungsverschiedenheiten: den gegnern unter euch weiter frohes widerstehen - never give up!
grüße aus der pendler-provinz,
mr
#3 Cassius . 14.08.10 . 17:49 Uhr
MR: Demokratischer als ein Volksentscheid wird’s nicht… Und wie bei allen Wahlen ist das Ergebnis ausschlaggebend, nicht die Wahlbeteiligung.
Ich selber bin weder Befürworter noch Gegner, aber besonders letzteres nicht - denn was ich von der Gegnerschaft mitbekommen habe, ist mir einfach zu stumpf.
#4 Christoph Müller . 15.08.10 . 21:40 Uhr
Die Stimme der Vernunft? Eher eine billige Nummer!
Vorab möchte ich folgendes sagen:
1. Ich bin kein Freund teurer Prestigeobjekte.
2. Ich bin prinzipiell ein Befürworter von Volksbegehren.
Nun zu diesem Appell:
In Zeiten der ausgetüftelten Meinungsforschung ist es vermutlich leicht kalkulierbar, welches Ergebnis im Augenblick eine Volksbefragung hervorbringen würde: Eine Ablehnung von Stuttgart 21. Das macht diese Initiative billig und nebenbei auch den Neutralitäts-Anspruch unglaubwürdig.
Meinem laienhaften Verständnis nach ist die Entscheidung für Stuttgart 21 mit Methoden der repräsentativen Demokratie zustande gekommen. Wer jetzt eine Volksbefragung fordert, vermittelt mir folgenden Geist: “Wir wenden so lange verschiedene Methoden der Demokratie an, bis das Ergebnis herauskommt, das ich haben will.” Nach meinem Geschmack ist das nicht.
Wenn etwas zu dem beschworenen demokratischen Konsens führt, dann - meiner Meinung nach - die Akzeptanz bis hin zum evtl. Mittragen von Entscheidungen, die man selber so nicht getroffen hätte.
Was die Aufforderung zur Weiterleitung per Email angeht: Diskutiert so etwas bitte in Foren, aber lasst den Schneeball-Effekt von Emails aus dem Spiel. Ein Beitrag zur Deeskalation ist das nicht und es nervt mindestens genauso wie die Plakat-Kampagnen der anderen Seite.
#5 Sven . 29.08.10 . 14:46 Uhr
Stuttgart 21 begünstigt vor allem (zukünftige) jüngere Generationen. Das Argument der - insbesondere Älteren - “alles viel zu teuer!” wünsche ich mir auch in der Debatte um die Rentengarantie. Die kostet uns ein Vielfaches ohne auch nur ein Auto von der Strasse zu bringen. Schön wäre eine differenzierte Kritik und das Ausleuchten aller Punkte - statt sich über den Wegfall einer Handvoll Platanen im Austausch gegen mehrere Hektar neue Grünflächen aufzuregen.
#6 Mann . 03.09.10 . 17:46 Uhr
Der nächste Termin für eine Volksabstimmung, an der kein Stuttgart 21-Befürworter rütteln und den Protestierenden Manipulation vorwerfen kann, ist die Landtagswahl am 27. März 2011.
Alle GegnerInnen von Stuttgart 21 gehen in ganz Baden-Württemberg zur Wahl - ganz wichtig: ALLE - und geben einen ungültig gemachten Stimmzettel mit der Bemerkung KEIN STUTTGART 21 ab. Die ungültigen Stimmen werden gezählt und geben Auskunft über die Anzahl der BürgerInnen in BW, die Stuttgart 21 ablehnen. Dieser Protest kommt natürlich sehr spät, aber er wird bei entsprechender Beteiligung seine Wirkung nicht verfehlen.
#7 Mann . 03.09.10 . 17:58 Uhr
Der nächste Termin für eine Volksabstimmung, an der kein Befürworter von Stuttgart 21 rütteln und den Protestierenden Manipulation vorwerfen kann, ist die Landtagswahl in BW am 27. März 2011. Alle GegnerInnen von Stuttgart 21 gehen in ganz Baden-Württemberg zur Wahl - ganz wichtig : ALLE - und geben einen - mit der Bemerkung KEIN STUTTGART 21 - ungültig gemachten Stimmzettel ab. Die ungültigen Stimmen werden amtlich gezählt und geben Auskunft über die Anzahl der BürgerInnen in BW, die Stuttgart 21 ablehnen. Dieser Protest kommt natürlich sehr spät, aber er wird bei entsprechender Beteiligung seine Wirkung nicht verfehlen.
#8 Nordrandbewohner . 03.09.10 . 19:00 Uhr
@Mann
ALLE - und geben einen - mit der Bemerkung KEIN STUTTGART 21 - ungültig gemachten Stimmzettel ab.
Dies würde lediglich dazu führen, der größten S21 Beführworterpartei die absolute Mehrheit im Landtag zu bescheren. Ist dies wirklich das, was S21 Entscheidungen verändern würde?
Man kann seine Wahlentscheidung natürlich ausschließlich an S21 orientieren, dann macht es aber mehr Sinn eine Partei zu wählen, die S21 ablehnt.
#9 isnochys . 04.09.10 . 02:56 Uhr
Stimmzettel ungültig machen ist wohl die blödeste aktion im s21 umfeld, die mir untergekommen ist.
Was passiert?
S21 befürworterparteien bekommen die mehrheit.
Hurra, tolle Leistung!
Da war wirklich ein Spatzenhirn bei der arbeit!
Das ist vermutlich einer der bezahlten Schreiberlinge.
Ich hoffe, ihr habt die IP und sperrt diese.