Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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11 02.09

Stuttgart verliert die HipHop Open

Von Julian
Kultur . 20:21 Uhr

Die Veranstalter des HipHop Open, eines der größten Musikfestivals Deutschlands, haben unlängst bekannt gegeben das Festival nicht mehr in Stuttgart stattfinden zu lassen. Es sind nicht etwa wirtschaftliche Probleme, oder das Reitstadion in dem das Festival bisher immer stattgefunden hat, die Stuttgart nun um ein kulturelles Großereignis ärmer machen. Es ist schlicht und einfach die Polizei. Natürlich ist es üblich, dass es Kontrollen bei Großveranstaltungen gibt. Auch das HipHop Open ist kein rechtsfreier Raum, logisch. Gegen Kontrollen ist also per se nichts einzuwenden. Nun gab es in den letzten Jahren allerdings immer heftigere Probleme mit den Stuttgarter Gesetzeshütern. Welche Vorfälle es genau gab, darüber schweigt man sich aus. Zumindest ist in den gängigen Medien darüber nichts zu erfahren. Man kann sich aber wohl denken, dass schon einiges passiert sein muss, dass so ein Schritt seitens der Veranstalter gegangen wird. Auch wenn meine letzten Besuche beim HipHop Open mittlerweile sehr lange her sind, und mich die Musik nicht mehr wirklich interessiert, es hat immer sehr viel Spass gemacht und ich kann mich auch an keine größeren Probleme erinnern.
Auf MTV.de ist diesbezüglich eine Stellungnahme veröffentlicht worden:

Festivalleiter Johannes Graf Strachwitz: “Das ist uns alles nicht leicht gefallen. Mit schwerem Herzen haben wir uns gegen unsere Heimatstadt und für unser Publikum entschieden. Es wäre jetzt falsch zu sagen, dass es nur an der Polizei lag, aber die Künstler sollen sich wohl fühlen bei uns und unser Publikum soll sich wohl fühlen, weil nur dann haben wir ein gutes Festival und das macht uns die Polizei kaputt. Da werden willkürlich Leute kontrolliert und schikaniert. Ich meine, bis auf die Sido/Azad-Sache gab es da noch nie eine Schlägerei. Das ist wirklich alles super friedlich und entspannt und trotzdem finden da übertriebene Kontrollen statt. Das finden wir schade und deshalb gehen wir weg.”

(Quelle: MTV.de)

Die Stadt Stuttgart stellt sich mit damit wieder einmal ein Armutszeugnis aus. Man kann sich auch absichtlich uninteressanter machen, als man es sowieso schon ist. Damit stirbt nun wirklich der letzte Rest von dem, das Stuttgart einmal zu einer der deutschen Hauptstädte des HipHop gemacht hat. Die HipHop Open werden wohl nun in einer anderen Stadt eine neue Heimat finden.

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14 Kommentare zu Stuttgart verliert die HipHop Open

#1 Peter . 11.02.09 . 21:21 Uhr

Also nichts gegen Strachi, aber ich glaube eher daran, dass das eine billige Ausrede ist. Letztes Jahr sollen laut Medien irgendwas zwischen 12.000 und 15.000 Zuschauer dort gewesen sein. Aus zuverlässigen Quellen weiß ich aber, dass es höchstens 6.000 - 8.000 gewesen sein sollen.

Das Festivalgelände sah dementsprechend leer aus. Und schon aus dem Grund sollte man überlegen ein passenderes Gelände zu finden.

Jetzt kann man es auf die Polizei schieben, dass es immer weniger Gäste gibt. Vielleicht ists auch einfach das sinkende Interesse für HipHop. Ich tippe eher auf Letzteres. Polizeikontrollen sind jetzt nichts außergewöhnliches, schon gar nicht bei Festivals bei denen man damit rechnen kann, dass Gäste im Drogenbesitz sind. Ähnliche Kontrollen finden ja auch auf dem Summerjam, dem Chiemsee Raggae Summer, Sonne, Mond und Sterne, usw. statt.

Und ich glaube dass die Anzahl der Polizeikontrollen abnehmen würde, wenn sie nicht so häufig fündig werden würden. Aber na ja, das sind alles Vermutungen.

Fakt ist: Wäre das Lineup besser, würden auch mehr Leute kommen. Und Leute die nichts zu befürchten haben, haben auch kein Problem mit Polizeikontrollen. Mich stört das ja auch nicht sonderlich ein paar Minuten von der Polizei durchsucht zu werden wenn ich danach tolle Musik hören kann.

#2 b1g . 12.02.09 . 09:20 Uhr

Es lag also nur an den polizeilichen Kontrollen?

Achso. Ja Klar.

Und wenn die HipHop Open z.B. nach Mannheim ziehen, kontrolliert die baden-würt. Ladespolizei dort sicherlich weniger streng, als sie es in Stuttgart macht. Oder in Bayern oder in Thüringen oder sonstwo.. Ja klar..

#3 Der MfG . 12.02.09 . 10:45 Uhr

ja genau … das was ich von Besuchern gehört hab was da an Gras und was weiß ich hineingeschmuggelt wird und verteilt wird … ich bin ganz der Meinung von PETER und B1G

#4 Bilbo . 12.02.09 . 12:12 Uhr

Ich finds sehr schade, dass die HHOpen wegziehen. Der Grund dafür ist mir egal - aber wenn das nicht mehr in Stuttgart stattfindet, werde ich wohl auch nicht mehr hingehen.

#5 Plasier . 12.02.09 . 16:31 Uhr

@Julian

…ihre Naivität ist erschreckend…

#6 Julian . 12.02.09 . 17:20 Uhr

So? Was ist denn daran naiv bitte? Ich bin mir durchaus bewusst, dass auf Festivals auch diverse Drogen konsumiert werden. Wenn man sich die Zielgruppe anschaut, dann ist eigentlich auch klar um welche Droge es sich vornehmlich handelt: Cannabis. Sicher, hier haben polizeiliche Kontrollen natürlich ihre Berechtigung. Das steht komplett außer Frage. Aber wenn solche Kontrollen derart ausarten, dass sich die Veranstalter ernsthaft Gedanken darüber machen den Ort des Festivals zu ändern, dann läuft da etwas gewaltig schief.

#7 Ruessel . 12.02.09 . 17:38 Uhr

Natürlich läuft das was schief … nämlich vorallem im Denken und in der Planung des Veranstalters.

Eine öffentliche Konzertveranstaltung, bei der der Veranstalter bzw. dessen Sicherheitsdienst wissentlich Straftaten/Ordnungswidrigkeiten wie Verstösse gegen das BtmG und das Jugendschutzgesetz dulden, gehört grundsätzlich gar nicht genehmigt.
So würde man auch der Verharmlosung der Drogenproblematik keine Plattform bieten und der Polizeieinsatz, der den Steuerzahler im Übrigen einen Haufen Geld (Überstunden, Wochenendzuschläge) kostet, wäre gar nicht erforderlich.

Man muss sich doch nicht einbilden, dass der Veranstalter andere Interessen hat als seine eigenen finanziellen und wenn die Polizeikontrollen neben ihrer repressiven und präventiven Wirkung quasi als “Kollateralschaden” den Abgang mit sich bringt, dann tut mir das nur für die HipHop-Fans leid.

#8 Flakfritz . 12.02.09 . 18:39 Uhr

Ruhig, Julian, ruhig.

Die Polizei ist eine Landesbehörde, wen wie und wann die kontrollieren liegt zumindest derzeit noch nicht im Einflussbereich der Stadt Stuttgart, schon gar nicht sind es “Stuttgarter Gesetzeshüter”. Es gibt zwar städtische Vollzugsbeamte, das ist dann aber keine Polizei und ob die jemanden kontrollieren dürfen ist mir nicht bekannt.

Was mich verwundert, ist die Tatsache, dass eigentlich niemand sagen will, was konkret der Stein des Anstosses ist.
Das alles hört sich an wie gefühlte Temperatur.

Du schreibst, dass die Kontrollen “derart ausarten”. Was passiert denn da? Wird einem da mit vorgehaltener Uzi die Kleidung vom Leib gerissen?
Der Veranstalter behauptet ja, dass die Kontrollen willkürlich erfolgen, warum nennt er keine Beispiele? Stichproben erscheinen Aussenstehenden oft willkürlich.

Und nur weil es friedlich zugeht soll die Polizei nicht auf Drogen untersuchen? Zeichnet sich hier beim Veranstalter Realitätsverlust ab?

Wie würdest du denn 16.000 (oder von mir aus auch 8.000) hoppende Hipper (oder anderstrum?) kontrollieren?

Und dass Stuttgart den Status als Hauptstadt des HipHop verliert, nunm weisst du wieviel Städte schon Haupstadt von Deutschland oder dessen Vorläufer waren? Das hat jetzt zwar nichts mehr mit dem Thema zu tun aber der Wandel ist das einzig Beständige.

#9 Ralph . 13.02.09 . 16:56 Uhr

Egal, wer schuld dran ist dass das Hiphop Open wegzieht oder ob das nun ein Mega-Event war - Stuttgart muss a bissel achtgeben,dass es nicht in den betulichen Altherrenverein zurückverfällt, der es früher einmal war. Man ruht sich auf den Loorbeeren des “Stuttgart ist viel schöner als Berlin” - Feelings aus WM-Zeiten aus, tut aber wenig dafür, dass Stuttgart auch für junge Leute interessant bleibt. Der Berliner Platz ist nun ein sauberer, aber toter Vorzeigeplatz - da gab’s früher im Sommer Freilichtkino. Die Wagenhallen konnten ihren Mietvertrag mit Ach und Krach um 2 Jahre verlängern, dann aber kommen die S21 Bagger. Der Schlossplatz wird wieder zur Spaß-Bannmeile - zu viele Konzerte, sagt man. Selbst die Eisbahn muss weg. Stattdessen baut man lieber einen S21-Info-Pavillon. Da passt es schon rein, dass man Hiphop-Gäste wie Drogenkuriere behandelt und die Leute durch Polizeikontrollen vergrault.

#10 pomadski . 14.02.09 . 16:25 Uhr

Also umehrlich zu sein war der meiste HipHop aus Stuttgart ohnehin schei*e!

Ich weine den Spinnern von 0711 keinen Doppelreim nach. Afrob konnte nicht rappen. Die Massiven waren fantastisch, aber jetzt machen sie Werbung für Hofbräu. Und Freundeskreis… War ein Meanstream-Popprojekt.

Ich finde es toll, dass Stuttgart endlich gänzlich von HipHop befreit wird. So haben neue spannenden Strömungen aus dem kessel mehr Platz in Szenen und in der Öffentlichkeit.

Also. HipHop bitte geh! Zumal es wirklich nicht an der Polizei gelegen haben kann. Das sind definitiv vorgeschobene Gründe. Solche Sprüche dienen einer guten Kommunikation mit den “HipHop-Fans”. Hat bei dir Julian, ja auch toll geklappt.

#11 thomas . 14.02.09 . 18:17 Uhr

@RUESSEL:
Ich bin ja beileibe kein Fan der “Verdrehthaarigen”.
Ihr reaktionäres Stammtischgelaber hier jedoch macht mir mal wieder klar, warum man manchen Schwaben nur schwer lieben kann. Knasterpfeifen haben sie alle geraucht früher, aber Cannabis, das ist ja gefährlich!

Ihrer Argumentation folgend verlange ich, den Wasen zu verbieten. Menschen saufen sich um den Verstand, schlägern, stechen mit Messern, Minderjährige und Jugendliche müssen von eigens geschulten Poliziten und Streetworkern zur Vernunft gebracht werden, Strom wird sinnlos in Glühbirnen verbraten und Luft wie Pommes mit bösen krebserregenden Substanzen angereichert.

In diesem Sinne bestellen wir uns jetzt beide noch schnell konjunkturfördernd einen batteriegetriebenen Rolli, einen Treppenlift, und werfen einen letzten verstohlenen Blick auf die nackte Dame aus der Sauna-Werbung, bis wir dann zufrieden abtreten mit der Grußformel

nach Diktat verschieden

T.

#12 Ruessel . 18.02.09 . 00:25 Uhr

Tja Thomas, da wohl davon ausgegangen werden muss, dass sie nach dem Diktat nicht wirklich verschieden sind, darf ich Ihnen mitteilen, dass das Wort “reaktionär” aus Ihrer Feder ja schier einer Lobeshymne gleich kommt.

Ihre unerhörten Annäherungsversuche an die Schwaben lassen mich hoffen, dass sie Ihr Glück dort finden, wo man Ihre progressiven Weltanschauung zu schätzen weiß.

Und jetzt muss ich weg … mein Zivi ruft …

#13 SHH-Leser . 10.08.09 . 23:22 Uhr

Also wie man »Hip-Hop« (war früher eine heilbare Krankheit und hieß Stottern) als Kultur bezeichnen kann ist mir ein Rätsel. So gesehen kann Stuttgart nur froh sein, das (häufig) kiffende Pack los zu sein. Vielleicht ist dann mal wieder mehr Geld für die Förderung der kl. Theater u.ä. da.

#14 Angela Clasen . 24.08.09 . 20:17 Uhr

Könnte es nicht auch so sein, daß sich Anwohner über die laute
Musik(?)wenn man Hip-Hop so bezeichnen kann, beschwerten?

Von mir aus braucht so etwas nicht stattzufinden!!!! Da würde
ich auch glatt die Polizei rufen, wenn’s mir zu laut wird, da
habe ich vollstes Verständnis im Gegensatz zu denen, die solche Konzerte besuchen. Die Anwohner sind sicher froh über
die Ruhe und die Schonung der Ohren!

Der Lärmschutz wird immer wichtiger!

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