Von zmeu
Vermischtes, VVS, Stuttgart 21 . 10:22 Uhr
… mit dir einfach nicht ans Ziel.
Von einem “Märtyrer” zu sprechen, ist sicher zu hoch gegriffen. Aber, so tragisch das auch ist, die Person, die heute Morgen am Hbf vor die S-Bahn gesprungen ist, hat zwei Dinge gezeigt: Das Stuttgarter Nahverkehrssystem verträgt keine Störungen. Und Stuttgart 21 wird das noch steigern.
Die S-Bahnen konnten nicht mehr in den Tiefbahnhof einfahren, sondern fuhren entweder nur bis Feuerbach/Kornwestheim/Bad Cannstatt oder mussten nach “Stuttgart Hbf (oben)” umgeleitet werden. Sofern dann mal eine Lücke gefunden und eines der 16 Gleise frei war. “Der Bahnhof ist total überlastet”, waren die Worte des Zugführers.
Liebe Freunde von Stuttgart 21, frage ich da, wie wollt ihr das mit 8 Gleisen machen? Ach, ich vergaß, da wird die S-Bahn ja wegen der neuen, schnellen Streckenführung gar nicht hinkommen. Die bleibt dann einfach in den Außenbezirken stehen oder wird ganz eingestellt. Vielleicht mit dem Hinweis an die Fahrgäste, doch bitte nächstes Mal den ICE für die Fahrt zur Arbeit, Uni oder Schule zu benutzen.
Die Stadt, und auch ihr Bahnhof sollte für die Menschen da sein. Für die Menschen, die in dieser Stadt leben. Wenn wegen einer Störung zehntausende noch länger als heute festsitzen*, damit man schneller von Paris nach Budapest kommt, haben das die Verkehrsplaner nicht verstanden.
* meine Strecke: Nordbahnhof -> Universität. Sonst 17 Minuten, heute 80.
#1 Josh von Staudach . 16.07.09 . 13:36 Uhr
Korrekt.
#2 Josh von Staudach . 16.07.09 . 13:47 Uhr
… übrigens gibts bei der Stuttgarter Zeitung momentan eine Online-Leserumfrage zum Thema Stuttgart 21 - da könnt ihr ja so oder so eure Meinung kundtun …
#3 thomas . 16.07.09 . 15:22 Uhr
So schauts aus - wenn man das gscheit machen würd, wärs ar ncih schlecht.
Aber wenns bei dem Mickerding bleibt, dann sollten sich die Politiker, die damit ihr Denkmal setzen wollen, genau überlegen; sie werden als diejenigen in die Geschichte eingehen, die Milliarden vergraben haben, und doch nix rechts bauen haben lassen.
Dann baut man lieber was nutzloses, dann aber richtig nutzlos (für die Zeit), sowas wie Neuschwanstein.
#4 oldman . 16.07.09 . 17:06 Uhr
Der Übergang der mehr als 16 Gleise aus dem jetzigen
Hauptbahnhof hinaus ins Fernstreckennetz wäre der
geeignete Ort, sich (möglichst als Gruppe) von einem
ICE/TGV oder sonstiger Bauschuttlore zerfitzeln zu lassen.
Was schmeisst sich diese Person auch vor eine S-Bahn?
Da sitzen doch Menschen drin, die ihr Ziel erreichen müssen.
Was Ihr Beitrag mit S21 zu tun hat, erschliesst sich mir nicht.
(Auf 8 Gleisen “gelenktes” Durchfahren verspricht einen
höheren Verkehrsdurchsatz als auf 16 Gleisen vor und
zurück zu verkehren!)
Oldman ist S21 Gegner!
Ich bin allerdings schon lange für einen Ausbau der B10
zwischen Esslingen und Gaisburg auf 12 Richtungs-Fahrstreifen.
Die ewigen unfallbedingten Verzögerungen (manchmal
mit Verletzten und Toten) sind doch Stress pur.
Und dann leitet die ohnehin unfähige Polizei den Verkehr
einfach ab über Hedelfingen.
Die wissen doch genau, dass das zum nächsten Stau führt.
Ironie: Ende
(Machen Sie es doch wie KNITZ, der fährt täglich mit
dem Radl von Münster nach Möhringen)
#5 zmeu . 16.07.09 . 17:50 Uhr
Was schmeisst sich diese Person auch vor eine S-Bahn? Da sitzen doch Menschen drin, die ihr Ziel erreichen müssen.
Sie interpretieren hier einen Vorwurf rein, der zumindest meiner Ansicht nicht entspricht.
Was Ihr Beitrag mit S21 zu tun hat, erschliesst sich mir nicht.
Dann will ich das nochmal erklären.
Erstens: Der Durchsatz mag im Normalfall höher sein. Zack, Passagiere raus, zack, Passagiere rein und weg. Aber fahren Sie ab und zu S-Bahn? Am besten morgens, 2.5-Minuten-Takt, gemeinsam mit hunderten Studenten, Pendlern, Reisenden auf dem Weg zum Flughafen mit Koffern und allem drum und dran? Dazu noch Verwirrung, weil die S-Bahn wegen gesperrtem Tunnel nicht dahin fährt, wo sie hin soll - und es ist aus mit dem hohen Verkehrsdurchsatz.
Zweitens: Wohin mit den S-Bahnen, die nicht in den S-Bahn-Tunnel kommen? Man könnte sie im Kreis fahren lassen durch das neue Tunnelrondell (Hbf -> Untertürkheim -> Cannstatt ->Hbf) oder durch den eingleisigen Fildertunnel zum Flughafen schicken. Optimal ist was anderes.
#6 oldman . 16.07.09 . 18:11 Uhr
S-Bahn Fahrer?
Jaaaahrelang S6 nach Stgt. Stadtmitte und zurück.
2 X wg. Suizid, 2 x wg. Unwetterschäden Langzeitverzögerung.
Noch jaaaaaaahrelänger mit PKW.
Langzeitverzögerungen ungezählt. Deshalb S-Bahn gewählt.
Der öPNV ist so zuverlässig wie alles in den Händen von
Menschen und Zufällen.
Die Topografie Stuttgarts läßt eben mal keine, wie auch immer
gestalteten, Ausweichstrecken zu.
Oder schweben Ihnen Entlastungstunnel vor?
Von Feuerbach unter’m Killesberg hindurch nach Vaihingen?
Ich spende 5 Euronen. Das hülfe Ihnen auch nicht. Sie steigen
ja erst am Nordbahnhof zu, bzw. stiegen nicht zu, weil keine
S-Bahn vorbei kommt.
#7 zmeu . 18.07.09 . 12:01 Uhr
An der (Un-)zuverlässigkeit will ich gar nicht rütteln. Sondern die, nennen wir es mal: Verschlimmbesserung anprangern, die mit Stuttgart 21 passiert. Einen Haufen Geld verbuddeln, dafür aber in Kauf nehmen, dass wesentliche Aufgaben schlechter funktionieren. Die S-Bahn-Tunnel längs durchs Stuttgarter Tal, die lang vor meiner Zeit gegraben wurden, waren damals sicher auch in der Kritik - doch sie haben nicht dafür gesorgt, dass etwas schlechter funktioniert.
Apropos Entlastungstunnel: Ideen gibts da viele, und mögen sie noch so abstrus sein. Schick wäre sowas schon. Oder, da wir ja die breiten Stadtautobahnen haben, würde man mit einer Schwebebahn obendrüber, nach Wuppertaler Vorbild, eine neue Attraktion schaffen. Die Weinsteige hoch in der Schwebebahn - und die Zacke könnte abstinken. Gepaart mit einem Siemens-Thyssen-Krupp-Konjunkturpaket, indem wir den Transrapid hochsausen lassen - noch besser. Oder, nochmal Transrapid, wir steigen ganz nach Stoiber-Manier quasi direkt am Bahnhof ins Flugzeug ein, und sind in 10 Minuten ääääh 3 Minuten am Bahnhof äääh Flughafen. Selbstverständlich durch den Fildertunnel II, das Gruppenticket 20% unter dem Taxipreis. Wenn das selbsttragend finanziert wird & dafür S21 stirbt, geb ich meine Unterschrift. Und fahr vielleicht mal mit - ich könnte Sie ja auf mein Gruppenticket einladen.
#8 oldman . 21.07.09 . 21:30 Uhr
Nun, ich hoffe Stuttgart 21 wird nicht verwirklicht, so wie andere technische Errungenschaften zu Beginn des letzten Jahrhunderts sich auch nicht haben durchsetzen lassen.
Bildmaterial aus Reades Digest, Sammelausgabe v. 1916.
#9 Frank . 23.07.09 . 04:27 Uhr
Die S-Bahn-Tunnel längs durchs Stuttgarter Tal, die lang vor meiner Zeit gegraben wurden, waren damals sicher auch in der Kritik - doch sie haben nicht dafür gesorgt, dass etwas schlechter funktioniert.
Das gilt für S21 genau so. Selbst mit 8 Gleisen würde das Projekt immernoch eine höhere Kapazität als der heutige Bahnhof darstellen. Daran ist der heutige Bahnhof an sich gar nicht schuld, sondern das schlechte Gleisvorfeld mit den Trassenausschlüssen. Aber auch wenn man diese behebt (was an sich allein über 1 Mrd. Euro in den konservativen Schätzungen kostet), bleibt die Zufahrt in einen Durchfahrtsbahnhof schneller.
Aber das ist gar nicht der Grund wieso ich S21 so gut finde. Stuttgart bebaut immer mehr grünflächen und recycled viel zu wenig brach liegendes Gelände. Das gute an S21 ist, dass genau dieser Entwicklung entgegengewirkt wird. Für mich ist wichtig, dass ein Haufen bisher mit Eisenbahngleisen bebauter Flächen für einen sinnvollere Bebauung verwendet werden können. Aus einem Teil davon wird sogar Parkfläche. In jeder anderen Stadt hätten die Grünen das als ein großes Flächenrecycling Programm verkauft. Vielleicht kommt, dass ja auch noch in Stuttgart. So richtig dagegen sind die ja auch nicht mehr….
Gruß, Frank
#10 zmeu . 23.07.09 . 11:43 Uhr
Das gilt für S21 genau so.
Nicht ganz. Denn zwischen “ein Teil des Ganzen funktioniert besser” und “kein Teil des Ganzen funktioniert schlechter” kann ein meilenweiter Unterschied liegen.
Insgesamt scheint man unter den Planern Herrn Pareto entweder nicht zu kennen oder schlicht zu ignorieren (Pareto-Optimum und Pareto-Prinzip) und versucht stattdessen, mit sehr viel Geld (1 vs. 3 Mrd. Euro) manches einen Tick besser zu machen. Warum nur einen Tick?
# Weil die verkürzten Fahrtzeiten und der Kapazitätsgewinn durch S21 quasi unerheblich sind. Damals, als die Idee entstand, hat wohl niemand an den Erfolg von Doppelkopf-Zügen geglaubt. Zudem ist auch die Kapazität der Ein- und Ausfahrten eines Durchgangsbahnhofs durch den Sicherheitsabstand der Züge begrenzt.
# Freiwerdende Gleisflächen können bebaut werden - natürlich, in 15 Jahren und dann mit - sinnvollerer?? - Bebauung. Da der Flächenverkauf das Projekt refinanzieren soll, wird ganz bestimmt darauf geachtet, dass er möglichst viel Geld in die Kasse spült. Und wer glaubt an das Märchen, solvente Investoren würden deshalb günstigen Wohnraum schaffen?
# Eine grünere Stadt - ja, die gibts vielleicht. Nachdem der zentralste Teil unseres Schlossgartens 15 Jahre das neue Herz der Superbaustelle und damit unbenutzbar war. Die Stadt könnte auch - billiger, schneller, unkomplizierter - das Areal rund um die neue Bibliothek kaufen (oder gehört das sowieso der Stadt?) und einen nicht gerade kleine Parkerweiterung mitten in die Stadt pflanzen. Aber auf die Idee kommt keiner. Vielleicht, weil es niemandem ums Grün geht.
So richtig dagegen sind die ja auch nicht mehr…
Da verwechseln Sie jetzt aber was mit der unentschiedenen SPD ;)
#11 Josh von Staudach . 23.07.09 . 13:17 Uhr
@9 Wen haben wir denn da? Frank weiß ganz viel über Brachflächen:
Stuttgart bebaut immer mehr grünflächen und recycled viel zu wenig brach liegendes Gelände. Das gute an S21 ist, dass genau dieser Entwicklung entgegengewirkt wird.
Wir haben hinter dem Bahnhof nun seit Jahren eine Brache, die schon längst hätte genutzt werden können. Es gab unzählige Ideen für Interims-Nutzungen. Aber das ist nicht gewünscht. Statt dessen wartet man auf die Luftschlösser der vermeintlichen Investoren, die nun (nicht nur bedingt durch die Krise) der Reihe nach ausfallen. Was übrig bleibt ist eine Bibliothek 21, die womöglich als Solitär auf einem Schutthügel mitten in der Brache thront!
Frank weiter:
Für mich ist wichtig, dass ein Haufen bisher mit Eisenbahngleisen bebauter Flächen für einen sinnvollere Bebauung verwendet werden können. Aus einem Teil davon wird sogar Parkfläche.
Es gibt da den feinen Unterschied, dass Gleisanlagen ökologisch betrachtet keine versiegelten Flächen sind! Schön sind sie nicht, aber der Natur und dem Klima allemal zuträglicher als hektarweite Großblockbebauung. Denn, wie man weiß, sollen von den 100 Hektar Gesamtfläche nur ca. 20% zu Park werden. Eine ziemlich miese Ökobilanz, rechnet man dazu noch den Verbrauch an Energie und den CO2-Ausstoss für die jahrzehntelangen Baustellen mit ein.
Also nicht einfach Nachplappern, was die Initiatoren uns auftischen, sondern Hirn einschalten und mal selber etwas weiter denken. Danke.