Von Gunvald
Fundsachen . 23:27 Uhr

Es ist schon eine Weile her, dass ich auf einem Sonntagsspaziergang im Stuttgarter Westen auf dieses Plakat gestoßen bin. Es erinnerte mich an die Zeit als Bader, Meinhof und Co. steckbrieflich gesucht wurden und derartige Plakate in den Postfilialen ausgehängt waren. Die waren aber vorsorglich mit Telefonnummern versehen, die man sich tunlichst gleich notierte, damit man sie zur Hand hatte, wenn man unterwegs unversehens einem Terroristen begegnete. In meiner Erinnerung, sie mag nach all den Jahren täuschen, stand da eine andere Rufnummer als die der Polizei. Ebenso meine ich mich an Warnungen auf diesen Plakaten zu erinnern, die besagten, dass die Gesuchten möglicherweise bewaffnet sind und Gebrauch von der Schusswaffe machen. Vielleicht verwechsele ich das jetzt aber auch mit Aktenzeichen XY.
Dieses Plakat hingegen, begnügt sich nun damit, dem englischkundigen Stadtbürger mitzuteilen, wer die zweiundzwanzig meistgesuchten Terroristen sind. Einzig einen Namen gibt es zu jedem Bildchen, damit ich einen Bösewicht auch höflich ansprechen kann, sollte ich ihm zum Beispiel an der Kasse einer Tankstelle begegnen und ihn bitten wollen, mich zur Polizei begleiten. Über die Gefahren (z. B. Selbstsprengung), die mit einer solchen Begegnung einher gehen, wird kein Wort verloren. Vielleicht richtet sich das Plakat aber auch gar nicht an Einheimische, sondern an Besucher aus dem internationalen Ausland? Soll es eventuell demonstrieren, dass selbst wir hier im Ländle, sogar in einer Nebenstraße, wissen, was Sache ist? Oder werden gar die Terroristen selbst angesprochen? Willkommen in unserer Stadt, wir wissen schon, wer ihr seid?
#1 Herr S . 30.01.06 . 08:48 Uhr
Das Gute an den alten RAF-Plakaten war auch, dass der jeweilige Dienststellenleiter mit rotem Filzer und Lineal saubere und triumphierende Diagonalkreuze über das jeweilige Portrait malen durfte, wenn einer geschnappt bzw. erschossen wurde. Bei dem offenkundig wild plakatierten Exemplar frage ich mich, wer für diesen Updatevorgang zuständig ist. So besteht die Gefahr, dass wir fieberhaft nach Männern suchen, die sich längst erledigt haben.
Ein andereres Problem betrifft eher die Alltagskultur. »Du siehsch aus wie en Terrorischd«, hieß es früher gern, wenn einer langhaarig und/oder unrasiert daherkam. Das funktioniert mit diesen Leuten natürlich nicht, wer sieht schon so aus wie die?
#2 Kesselblick . 30.01.06 . 10:35 Uhr
Das funktioniert doch schon wieder genauso. OK, diesmal keine langen Haare, sondern Islambart und Kopftuch. Siehe Einbürgerungstest…
#3 Herr S . 30.01.06 . 12:09 Uhr
Okay, da haben Sie natürlich irgendwie recht. Die waren aber schon verdächtig, als noch keiner wusste, was ein Terrorist eigentlich ist.
#4 Kesselblick . 30.01.06 . 12:29 Uhr
Stimmt. Diese Angst vor dem Fremden scheint irgendwie in den Genen zu liegen… Unseren Türken-Kumpels sind da übrigens keinen Deut besser dran. Die pflegen son unhübschen Araber-Hass. Das geht soweit, dass Töchter, die sich mit Arabern einlassen, von der Familie verstoßen werden. Habe ich schon erlebt…