Von Andreas Wenzel
Leben, Befindlichkeiten, Exil . 18:22 Uhr
Ich bin kein Stuttgarter, oder doch? Immerhin hat mich die Arbeit vor über einem Jahr nach Stuttgart geführt und mir gefällt es immer noch. Meine Nischen habe ich inzwischen gefunden oder weiss zumindest, wo ich sie suchen kann. Nähere Kontakte pflege ich dennoch bisher nur mit ein paar Kollegen aus der Arbeit (die stammen z.T. auch aus der Region) und meinen WG-Mitbewohnern (die nicht). Ein paar Kontaktaufnahmen oder Zufallskontakte zu “Einheimischen” waren bisher eher mit Enttäuschungen verbunden, aber das führe ich nicht auf den Charakter von Stuttgart als Stadt oder dem Ländle als Region zurück, sondern auf den der Leute selber. Wenn überhaupt, weil jeder kann ja mal unleidlich weil gestresst und vergesslich weil sozial müde sein. Vielleicht liegt es aber auch an meiner Einstellung, dass ich die Stadt, in die es mich verschlägt, relativ erfolgreich versuche nicht nicht-zu-mögen, sondern mir halt das beste für mich rauszusuchen. So langsam ertappe ich mich jedoch dabei, eine gewisse Unlust zu verspüren, wenn es darum geht Neues oder neue Leute kennenzulernen. Befinde ich mich in dem von Ethnologen, Soziologen und anderen Kulturschwätzern (zu denen ich mich selber auch zählen muss) oft-bemühten Kulturschock? Auf welcher Stelle an dem U befinde ich mich gerade? Ist das U Quatsch? Oder bin ich mit diesem Beitrag und meiner Anmeldung beim Stuttgart-Blog sowie anderen kulturellen Aktivitäten hier vor Ort auf dem Weg die notwendigen kulturellen Anpassungs-Leistungen anzugehen?
Gibt es andere hier auf diesem Blog, die mit ähnlichen Befindlichkeiten durchs Leben mäandern? Ist das Stuttgart-Blog-Schreiben eine erfolgversprechende Technik, bei der Stadtaneignung weiterzukommen? Kann mir jemand berichten, dass es ihm/ihr geholfen hat? Und wie ist es mit Ex-Stuttgartern, die sich im Exil mit Stuttgart-Blog-Beiträgen ihrer Stuttgarter Identität vergewissern, um auch ihre Exil-Identität annehmen zu können?
#1 Exilostfriese . 10.11.08 . 10:24 Uhr
Wenn ich so ab und zu mal zurückschaue, dann fällt mir doch sehr stark auf, dass die meisten Kontakte nicht mit echten Einheimischen sind.
Aber manchmal denke ich auch, dass es hier fast gar keine echten Einheimischen gibt. Diese geben vielleicht sogar vor woanders her zu sein. ;)
#2 ardent . 10.11.08 . 14:35 Uhr
Während meiner Zeit in München habe ich immer sehr gerne im Stuttgart-blog gelesen. Hat geholfen, die Stimmung der Stadt in Erinnerung zu behalten.
Seit ich zurück bin, befinde ich mich in einer Art umgekehrtem Kulturschock. Aber bald kommt auch wieder die Anpassung.
Was Du zu Kontaktaufnahmen geschrieben hast finde ich interessant. Man muss schon selbst auf 10 Leute zugehen, um vielleicht einen kennen zu lernen. Aber das hat nichts mit Stuttgart zu tun.
#3 Wegschaffel . 10.11.08 . 22:43 Uhr
Was erwarten Sie? Willkommen-Partys? Empfänge? Einladungen von Hinzle und Kunzle? Nichts liegt an den anderen. Alles liegt an Ihnen. Kommen Sie an. Willkommen, Herr W.
#4 Liamara . 16.11.08 . 20:11 Uhr
Ich jedenfalls fände es gut, wenn ich keine Mails bekomme an “Blogger in Stuttgart und Umgebung” (oder so ähnlich, sorry, weiß den genauen Wortlaut nicht mehr), wenn es zwischen meinen Blogs und dem in der Mail beworbenen Thema absolut keinen Zusammenhang gibt. Oder war das, weil ich hier mal was über Essen geschrieben habe oder wie? Ist jedenfalls nicht die geeignete Kontaktaufnahme.
#5 Linn . 09.12.08 . 17:10 Uhr
Lieber Andreas,
gib dir und der Stadt etwas Zeit, dann wirst du auch Urschwaben kennenlernen und feststellen, dass du sie nie wieder los wirst, wenn du sie erst einmal “geknackt” hast. Ohne Schwaben im Freundeskreis ist das Leben in Stuttgart wie Linsen ohne Spätzle, trostlos, öd und leer. Geh sporteln, dann geht’s schneller mit der Kontaktaufnahme!
toi toi toi
Linn.