Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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27 07.09

SPON disst Oetti

Von Wegschaffel
Politik . 16:58 Uhr

“Herr Ministerpräsident, wie fühlt man sich als Verlierer?”
Mit dieser Frage starten die Spiegelredakteure ihr aktuelles Sommer-Interview mit unserem MPle. Dieser Fragestil zieht sich durch das ganze Interview. Oettinger kontert die teilweise unverschämten Fragen mit “Sehr witzig”, oder “Ihre Ironie können Sie sich sparen”. Erstaunlich, dass das Interview in dieser doch sehr unüblichen Klangfarbe freigegeben wurde. Oder ist der PR-Stab von MPÖ durch Kurzarbeit dezimiert und hat das Interview irrtümlich durchrutschen lassen? Würde den Spiegel-Rüpeln Recht geben, die gleich nach der Eingangsfrage konstatieren “Uns kommen Sie vor wie der Pannen-Ministerpräsident Nummer eins.”

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6 Kommentare zu SPON disst Oetti

#1 Frau Doktor . 27.07.09 . 17:46 Uhr

Auch die PR-Menschen von Oettinger können gegen so etwas nichts ausrichten - der Spiegel arbeitet grundsätzlich ohne Freigabe. Was meines Erachtens auch richtig ist. Schließlich sind Spiegel und SPON keine hauptamtlichen Propagande-Medien der herrschenden Klasse, sondern suchen sich den Speichel, den sie lecken, immernoch selbst aus. Deswegen findet man im Stern auch ganz wenig Interviews mit Größen aus dem schauspielenden und -stellenden Gewerbe. Da muss man nämlich vorher einen Vertrag unterschreiben, dass nur mit Freigabe des Interviewten oder dessen PR-Person überhaupt veröffentlicht werden darf. Und das hat mit Journalismus nur noch wenig zu tun. So weit ich weiß, wird das bei FAZ, FR und Süddeutsche ähnlich gehandhabt - zumindest theroetisch. Als Politiker kann man sowas natürlich unterlaufen, in dem man Titel für unliebsame Berichterstattung abstraft und aus dem Zirkel der exklusiv informierten ausschließt. Helmut Kohl muss da ganz groß drin gewesen sein. Heute würde das aber ziemlich nach hinten losgehen.

Eher erstaunt bin ich darüber, wie hart inhaltlich die beiden Journalisten hier einen Ministerpräsidenten angehen - und wie wenig konziliant im Ton. Die Frage nach dem Lover seiner Bald-Ex und dessen Rausschmiss bei Porsche - das geht garnicht. Üblicherweise halten die deutschen Medien sich immer noch an die Regel, nix aus dem Privatleben eines Politiker / einer Politikerin zu berichten. Außer jemand versucht ihn zur Strecke zu bringen. Sorgen muss sich die PR von Oettinger darüber machen, dass er in dem ganzen Interview nie über banale Sprechblasen hinauskommt und immer in der Defensive bleibt. Koch und Wulff schaffen es meist, in solchen Situationen die Kontrolle zu behalten. Und das wäre auch hier nicht so schwer gewesen: Na klar trifft BaWü die Krise besonders hart, aber mit unserer führenden Position bei erneuerbaren Energien, Bio-Tech und in der Entwicklung alternativer Antriebe, die wir als Regierung übrigens stark fördern, sehe ich unser Land gut aufgestellt, vom sich abzeichnenden Aufschwung ganz besonders zu profitieren. Auf die Fragen nach dem Privatleben wäre es natürlich angebracht zu sagen:”Ich würde es begrüssen, wenn Sie das Privatleben meiner Frau und meines Sohne akzeptieren würden.” / “Sie werden es sicher verstehen, dass ich das Privatleben meiner Familie nicht zum Gegenstand der öffentlichen Diskussion machen werde.” Stattdessen nutzen René Pfister und Simone Kaiser das Klassenbester-Syndrom unseres MPs gnadenlos aus. Das zeigt, dass er in der politischen Arena als sehr schwach wahrgenommen wird. Ohne gutes Bundestagswahl-Ergebnis wird das sehr schwer für Herrn Oettinger bei seinen eigenen Parteifreunden. Ich vermute, die CDU-Kommunalwahl-Dusche bekommt er auch schon aufs Brot geschmiert. Glück für ihn, dass den Mappus noch viel weniger Leute leiden können.

#2 zmeu . 27.07.09 . 18:28 Uhr

Wirklich fies, wie der Herr MP da auseinandergenommen wird. Aber seine Aussagen sind da auch ne gute Steilvorlage; Oettinger zeigt mal wieder, dass er von vielen Dingen wenig Ahnung hat, z.B.

Unser Wahlprogramm zeigt, dass wir […] im Gegensatz zur SPD nichts zurückdrehen wollen.

äääähm, hallo? Atomausstieg? Zurückdrehen? Neee, mit der CDU doch nicht…

Und er würde uns gern ein Gänseblümchen als Blumenstrauß verkaufen, von ihm auch bezeichnet als

Erfolge,

wie das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm und “unsere” Eliteuniversitäten, die kein Mensch braucht.

Da bleibt mir nur noch zu sagen:

Herr Ministerpräsident, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

#3 Cassius . 29.07.09 . 00:36 Uhr

Jemand, der so etwas veröffentlicht, schadet sich meiner Meinung nach selber mehr als dem “Gegner”, in diesem Fall Herrn Öttinger. Als Nichtschwabe bin ich ihm gegenüber übrigens grundsätzlich neutral eingestellt, allerdings wird er mir mit jedem Mal, das auf ihm herumgehackt wird, sympathischer.

Spiegel Online-Artikel haben leider nicht die entsprechende Länge, aber einen solchen Ton bzw. eine so hohe absolute Anzahl an direkten Angriffen auf eine Person sollte man sich nur erlauben, wenn man den Betroffenen auch argumentativ an die Wand spielen kann - und da hapert’s im Interview, denn ausführlich nachgelegt wird nicht. Man geht lieber zur nächsten Provokation über. Ich hoffe, dass man sich auf diese Art nicht als guter Journalist profiliert.

Bewundernswert finde ich den Mut (?), der dazu gehört, ein solches Verhalten an den Tag zu legen wie die Autoren.

#4 Frank . 29.07.09 . 11:48 Uhr

Man mag ja von Oettinger halten was man will. Die Art und Weise wie hier die Redakteure Oettinger angehen ist aber völlig daneben. Einen kritischen Dialog vereiteln die Journalisten gleich selbst, indem sie von Anfang an die Gesprächsatmosphäre vergiften. Nein, so etwas hat Oettinger auch wieder nicht verdient.

#5 Paul-geht-baden . 29.07.09 . 13:03 Uhr

___Cassius. Uns geht es ähnlich wie Ihnen. Wenn praktisch alle sich einig zu sein scheinen, dass jemand ein Blödmann ist, dann fühlen wir für denjenigen untergründig eine Art Sympathie. Das ist aus unserer Sicht keine Opposition um der Opposition willen, sondern ein Reflex gegen automatisches Denken. Kann zwar auch in die Irre führen; so haben wir es z.B. 2003 aus verwandten Erwägungen für möglich gehalten, dass George W. Bush gegen eine ganze Welt von Leuten, die es besser wussten, am Ende Recht behält - was sich als falsch erwiesen hat; aber im Ganzen ist Offenheit eben doch das bessere Konzept. Und souveränes und/oder smartes Auftreten wird sowieso stark überschätzt.

#6 Jürgen Lück . 30.07.09 . 15:56 Uhr

Ich fand das Interview gut und lustig. Klar waren die Fragen sehr kritisch - aber da muss Oettinger durch. Wird ja gut dafür bezahlt, dass er auch solche Hürden meistert.

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