Von Dr.D.
Stuttgart 21 . 11:49 Uhr
“Die Bahn muss jetzt den Rotstift ansetzen” titelt heute die Stuttgarter Zeitung. Bitte tun Sie das, Herr Grube, ersparen Sie sich, uns und nicht zuletzt den Besuchern der Landeshauptstadt den Weg in die Tiefe! Gönnen sie ihnen vielmehr auch in Zukunft den einzigartigen Blick auf das Talrund. Ein Tiefbahnhof mit acht Gleisen bringt nicht nur für Fahrgäste der Murrtalbahn und des oberen Neckartals (Esslingen, Plochingen …) nachhaltige Einschränkungen mit sich, es zementiert den Nah- und Regionalverkehr auf dem derzeitigen Stand. Gerade da liegen aber die Stärken der Bahn, nicht auf der Strecke Paris-Budapest, wo schon vor 100 Jahren der Orientexpress verkehrte und heute der Billigflieger viel schneller am Ziel ist.
Falls Sie noch ein paar Argumente brauchen, hier die Meinungen einiger Redakteure der Stuttgarter Zeitung:
Als “das ärgerlichste” Kulturerlebnis des Jahres 2009 bezeichnen am 30.12.:
Rupert Koppold:
“Wie sich beim Projekt Stuttgart 21 fast alles, was Kritiker schon seit langem bemängelt haben, als wahr herausstellt - und wie ein paar Verbohrte sich trotzdem ihren Tunnelblick bewahren.”
Roland Müller:
“Dass Halbwahrheiten und Lügen hoffähig geworden sind und der Stadt in jeglicher Hinsicht enormen Schaden zufügen werden. Kurz: S21.”
Amber Sayah:
“Die beschlossene Zerstörung des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Diese Stadt ist einfach unfähig, aus ihren Fehlern zu lernen.”
Götz Thieme:
“Dass Politiker Stuttgart für zehn Jahre Lärm und Staub aussetzen, Milliarden ausgeben und unangeknabbert scheinen von jedem Zweifel daran.”
“Mein Kulturmensch 2009″ ist dagegen für Jan Ulrich Welke:
“Der Bonatzerbe Peter Dübbers, der ein wertvolles Stück Baukultur retten und das Irrsinnsprojekt Stuttgart 21 noch in letzter Minute zu Fall bringen wird.”
70 Prozent der Stuttgarter, auch nach der jüngsten Umfrage der Stuttgarter Zeitung, hoffen darauf!
Sie hätten die Chance, Herr Grube, Kulturmensch 2010 und der beliebteste Bahnchef seit Beginn der Zeitrechnung zu werden, wenn Sie einfach das Gleisvorfeld instandsetzen, den Schlossgarten erhalten und den unausgegorenen Plänen von vor nunmehr 17 Jahren den Rang zuweisen, der ihnen gebührt: den eines interessanten Planspiels, das freilich bei näherer Betrachtung den Aufwand nicht rechtfertigt und viel zu viele negative Auswirkungen auf das Stadtbild, die demokratische Kultur dieser Stadt, ein Baudenkmal ersten Ranges, den Finanzhaushalt der Stadt und des Landes, die Sicherheit der Fahrgäste und den zukünftigen Ausbau des Nah- und Regionalverkehrs nach sich zöge.
#1 BadenBub . 16.08.10 . 16:42 Uhr
Wir Badener sind ja nur indirekt von dem Projekt betroffen, “leiden” aber spätestens dann darunter, wenn die geplante ICE - Trasse Rhein-Main / Rhein-Neckar oder Teile der Rheinschienentrasse von Karlsruhe bis Basel nicht weiter verfolgt werden oder um Jahre verschoben werden. Mein Vorschlag ist folgender, den Stuttgarter Landtag oder die Villa-Reizenstein auch “tiefer” zu legen und zwar so tief, dass wir von den “Blindgängern” darin keinen mehr sehen müssen.