Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
14 06.09

Seine Exzellenz?

Von Dr.D.
Vermischtes, Kultur, Leben, Politik, Befindlichkeiten . 02:34 Uhr

Vor einigen Jahren mussten die vielfach ausgezeichneten Geologen dran glauben und die einzigartige Landesgeschichte. Nun möchte der Rektor der Stuttgarter Universität, Wolfram Ressel, die Geisteswissenschaften radikal zusammenstreichen. Vor drei Jahren hatte das noch ganz anders geklungen: „Der designierte Rektor sprach sich dafür aus, die Universität Stuttgart als Volluniversität mit ihren Schwerpunkten in den Ingenieur- und Naturwissenschaften, aber auch die Geistes- und Sozial- und Wirtschaftswissenschaften als selbständige Fakultäten zu erhalten.“ So stand es damals in den Uni-Protokollen zu lesen.

Zur Erinnerung: Die heutige Stuttgarter Universität nennt sich so seit den 1960er Jahren, als sich die vormalige Technische Hochschule durch Einrichtung „geisteswissenschaftlicher“ Disziplinen eine breitere Grundlage gab. Die Technische Hochschule nannte sich zu früheren Zeiten Polytechnikum, und es gab auch früher schon mehr als die rein technische Ausbildung, nämlich zum Beispiel Vorlesungen Friedrich Theodor Vischers zur Ästhetik oder, ab 1866, einen der ersten Kunstgeschichts-Lehrstühle in Deutschland. In letzter Instanz geht die Universität, ebenso wie die Kunstakademie, zurück auf die von Herzog Carl Eugen gegründete Hohe Carlsschule, die sich 1781 bereits Universität nannte und aus der die führenden Persönlichkeiten stammten, die im 19. Jahrhundert die Modernisierung des Landes einleiteten. Allerdings machte Ludwig Eugen, der Nachfolger Carl Eugens, 1794 die Carlsschule wieder dicht.

Rektor Ressel scheint Ludwig Eugen folgen zu wollen. Seine Exzellenz der Rektor, ein an der Bundeswehr-Hochschule promovierter Straßenplaner, handelt wie einer, der eine Autobahn durch ein Wohngebiet plant. Seine Exzellenz besteht darin, Planungsvorgaben umzusetzen, und zu den Vorgaben gehört in diesem Fall die so genannte Exzellenzinitiative, ein mühsam von Bildungspolitikern von Bund und Ländern ausgehandelter Kompromiss, der eigentlich dazu dienen sollte, „die Qualität des Wissenschaftsstandorts“ Deutschland „in der Breite“ zu verbessern. Die Realität sieht anders aus, jedenfalls in Ressels Konzept. Davon, die Qualität „in der Breite“ zu verbessern, kann keine Rede sein, denn was in den vergangenen Jahrzehnten in den Geisteswissenschaften, unter vergleichsweise bescheidenem Aufwand, an Kompetenz und Bibliotheksbeständen gewachsen ist, will er einfach preisgeben. Dies ist nur der vorläufige Gipfelpunkt einer bereits Jahrzehnte andauernden Misere, die aus jungen Erwachsenen, die zum selbständigen Denken und Handeln angeleitet werden sollten, längst pawlowsche Hunde gemacht hat, nur noch darauf gedrillt, bürokratischen Anforderungen zu genügen.

Wenn Bildungspolitiker ihre Köpfe zusammenstecken und Reformen ersinnen, hilft kein Wegducken. Manchmal stellt sich die Frage, ob man nicht eher von bildungsfernen Schichten sprechen müsste, denn das Verständnis dafür, was eine Universität im echten Sinne des Wortes ausmacht, scheint nur in den wenigsten Fällen vorhanden. Zur Erinnerung: Mit dem Wort Bildung bezeichnete das Bürgertum im 19. Jahrhundert, ausgehend unter anderem von den Ideen Friedrich Schillers, nicht etwa wie viele heutige Politiker eine im Eiltempo vollzogene „Ausbildung“ zu einem praktischen Beruf, sondern eine umfassende Heranbildung zu einer Persönlichkeit auf philosophischer Grundlage, wofür es laut Wilhelm von Humboldt keinen besseren Kompass gab, als ungehindert den eigenen Interessen zu folgen. „Reform“ war wiederum das Stichwort, unter dem Willy Brandt versuchte, aus der Bildung für eine privilegierte Elite ein Angebot für alle Bevölkerungsschichten zu machen.

Inzwischen hat sich das Fähnchen gedreht: Studienpläne sind durchreglementiert, nach sechs Semestern erhalten Studierende einen Schmalspur-Abschluss, der ihnen nichts nützt. Eigenständiges Denken und Arbeiten können sie auf diese Weise nur sehr beschränkt lernen. „Reform“ bezeichnet nicht mehr eine Entwicklung zu einer breiten Bildung, im Sinne eines breiten Bevölkerungsanteils, der daran teilhat, und im Sinne einer breiten Grundlage des Wissens und Urteilens, sondern im Gegenteil die Zuspitzung auf eine kleine Elite, die Fachkompetenzen anhäuft und sich dabei im weltweiten Konkurrenzkampf einem Verdrängungswettbewerb aussetzt. Wer aus einer sozial eher schwächeren Schicht kommt, hat zu dieser Elite inzwischen noch viel weniger Zugang als vor 1968. Was Schiller und Humboldt als Bildung bezeichneten, ist institutionell allenfalls ganz Wenigen, nach einem rigiden Ausleseprozess zugänglich: denen etwa, die nach Bachelor- und Master-Abschlüssen noch in der Lage sind, eine außergewöhnliche Doktorarbeit anzuhängen und dadurch in spezialisierte Postdoc-Programme hereinrutschen.

Mit anderen Worten, und diese Unterscheidung ist wichtig: Bildungspolitiker verstehen unter Bildung in der Regel nur technisches Wissen, denn nur bei diesem lässt sich tatsächlich ermessen, wer im Wettbewerb um den neuesten Forschungsstand die Nase vorn hat. In der Luft- und Raumfahrttechnik, der Informatik, dem Maschinenbau, der Pharmakologie, der Genforschung lässt sich bei entsprechendem Einsatz von Kapital ein Forschungsbetrieb in Gang setzen, der tatsächlich neue technische Entwicklungen hervorbringt. Dies trifft überall zu, wo technische Entwicklungen eine Rolle spielen, also etwa auch in der Architektur, bei den Baumaterialien, nicht jedoch auf dem Gebiet der Ästhetik oder der Stadtplanung, die zweifellos ebenso sehr dazu gehören: der Funktionalismus hat sich als Irrlehre erwiesen, weil Bauen kein rein technischer Prozess ist, sondern immer auf Grundlagen beruht, die einer Reflexion bedürfen.

Dies gilt ebenso sehr, bildlich gesprochen, für die Architektur des Bildungswesens, wo sich allerdings der Funktionalismus immer mehr durchsetzt. Architektur besteht aber nicht nur aus 500-Meter-Hochhäusern. Es gibt sehr viele, oft weniger spektakuläre Bauaufgaben, und immer mehr spielt das Bauen im Bestand eine Rolle: ein maßvolles Anknüpfen an die oft schon Jahrhunderte alten baulichen Voraussetzungen, um diese für eine heutige Nutzung zu erschließen. Es sind oft kleine Aufgaben, die breite Kenntnisse erfordern, nicht so sehr bauingenieurtechnische Spitzenleistungen. Solches Bauen im Bestand ist eher die Aufgabe der so genannten Geisteswissenschaften: der Sprach- und Literaturwissenschaften, der Kunstgeschichte, der Philosophie, der Geschichtswissenschaft.

Geisteswissenschaft als Grundlagenforschung hat in Stuttgart eine spezielle Tradition, die sich von Friedrich Theodor Vischer über Max Bense, die Geschichte der Naturwissenschaften und Technik bis hin zum Internationalen Zentrum für Kultur- und Technikforschung erstreckt. Studierende ingenieurwissenschaftlicher Fächer mussten in den vergangenen Jahren auch geisteswissenschaftliche Vorlesungen belegen, um auf diese Weise ihre Bildungsgrundlage zu verbreitern. Universitäre Humanwissenschaften – Humanités, wie es in Frankreich besser heißt – sind aber mehr als ein Volkshochschulkurs in Linguistik oder Philosophie. Wo an einem Institut nur ein einziger Professor lehrt, besteht die Gefahr einer Monokultur. Geisteswissenschaft besteht im Austausch, der Diskussion auch über Fachgrenzen hinweg, insofern schadet die Reduktion des Fächerkanons fraglos dem Standort der Universität: Für die Studierenden reduziert sich die Zahl möglicher Fächerkombinationen, für die Lehrenden die Möglichkeit des Austauschs und der Kooperation mit Kollegen, die in Zeiten der zunehmenden Interdisziplinarität aller Forschungsansätze immer wichtiger wird.

Universitas bezeichnet die Gesamtheit der Lehrenden und Lernenden, aber auch eine allumfassende Ausrichtung des Lehr- und Forschungsangebots. Eine Hochschule nach Ressels Masterplan dürfte sich nur noch, wie vor 1960, Technische Hochschule nennen.

Kommentieren . Trackback-URL

14 Kommentare zu Seine Exzellenz?

#1 Wegschaffel . 14.06.09 . 11:58 Uhr

Ja schade, Herr / Frau Dr. D. Jetzt wollte ich gerade meiner solidarischen Spontanaufregunng folgen und einen saftigen, wirtschaftskritisch-kulturpessimistischen Kommentar in Ihrem Sinne ablassen, als mir gerade noch rechtzeitig auffiel, dass ich Ihren Beitrag gar nicht verstanden habe. Will der Rektor die Geisteswissenschaften abschaffen? Warum? Wie? Kann er das überhaupt? Falls Sie Ihren Brass also nochmals für die nicht Eingeweihten konkretisieren möchten - Danke. Und: Willkommen! beim Stuttgart-Blog.

#2 muzz . 14.06.09 . 13:47 Uhr

Herr Ressels Plan sieht die Umwidmung von 3 Professuren aus dem Historischen Institut, 2 Professuren aus der Kunstgeschichte (also die komplette Kunstgeschichte), 5 Professuren aus den Literaturwissenschaften (also die komplette englisch- und französischsprachige Literatur), 6 Professuren aus den Wirtschaftswissenschaften, 5 Professuren aus den Ingenieurwissenschaften, 2 Professuren aus den Naturwissenschaften und 1 Professur Mathematik vor. Die Mittel dieser Professuren sollen für die Bereiche Modellierung und Simulationstechnologien, Neue Materialien, Komplexe Systeme und Kommunikation, Technologiekonzepte und Technologiebewertung, Energie und Umwelt, Mobilität, Integrierte Produkt- und Produktionsgestaltung sowie Gestaltung und Technologie nachhaltiger Lebensräume verwendet werden, an die sich die Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften anpassen sollen.

Das Ziel dieser Umstrukturierung ist ein erfolgreiches Abschneiden bei der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern.

Der Rektor kann diesen Plan nicht beschließen, soweit ich weiß, muss mindestens der Uni-Senat zustimmen.

Was Dr. D. angedeutet hat, ist der Abbau von Studienfächern. Ohne Institute für französisch- und englischsprachige Literatur können natürlich keine Französisch- bzw. Englischlehrer ausgebildet werden, und wieviele Studienplätze die reduzierte wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät noch anbieten kann, ist ebensowenig klar wie die Attraktivität dieser Studienplätze für Interessierte.

#3 Joe . 14.06.09 . 16:46 Uhr

Die Landesgeschichte existiert (noch!) - damals konnten die gröbsten Streichpläne auch durch den Protest der Studenten verhindert werden. Lustig ist der damalige Vorschlag des Rektors gewesen, die Landesgeschichte zu erhalten und ihr eine technikhistorischen Zuspitzung zu geben (= anderes Wort für Etikettenschwindel). Dieser Vorschlag steht jetzt wieder im Raum. Setzt sich der momentane Kurs durch, ist’s das dann aber endgültig mit der Volluni in Stuttgart. Ich wünsche den sich engagierenden Studentinnen und Studenten viel Durchhaltevermögen und am Ende Erfolg!

#4 Josh von Staudach . 14.06.09 . 22:32 Uhr

Mist, mir ist das Thema immer noch nicht ganz klar* — Ihnen nun, Herr W.? … Aber es ist allemal interessant, wenn sich hier ein paar Akademiker zu Wort melden; diesbezüglich auch von mir ein warmes Willkommen! … (*Hätt ich bloß studiert, dann würd ich es vielleicht besser durchblicken.)

#5 Wegschaffel . 15.06.09 . 11:15 Uhr

___JvS: Ganz klar ist mir eh nicht viel, aber die Grundrichtung dieses Themas meine ich verstanden zu haben: Re-Allokation von öffentlichen Mitteln zur Verfolgung individueller Ziele. Wie damals mit den 5 Mark, die der Opa zur Aufsuchung des nächstgelegenen Friseurladens spendierte, der Bub aber lieber ein Bravo-Heftle, eine Fünferpackung Zigaretten und ein Pfund Fürst-Pückler-Eis beschaffte. Auf die lange Sicht hat der Opa sein Ziel schon erreicht (der Bub hat jetzt immer seeehr kurze Haare), aber ob sich das auf die obige akademische Problemstellung übertragen lässt, ist mir auch nicht ganz klar, s.o.

#6 Paul-geht-baden . 16.06.09 . 09:23 Uhr

Worum es hier geht? Um die Zurückweisung einer Universität nach dem “Prinzip der entfesselten Konkurrenz” oder, anders gesagt, “einer im Grunde geistfeindlichen, nach den Prinzipien von Wirtschaftsunternehmen geführten Universität” - wie Thomas Steinfeld gestern in der SZ schrieb, in anderem Zusammenhang. (Artikel “Piraten und Papier. Die schwedische Ax:son-Johnson-Stiftung lädt zur Debatte”)
___Wegschaffel.

Ganz klar ist mir eh nicht viel

Sehr schön gesagt. Wir schließen uns an.

#7 Frau Doktor . 16.06.09 . 09:39 Uhr

Direkt auf die Stuttgarter Universitätskabale geht Jürgen Kaube von der FAZ ein. Der schöne polemische Text steht hier.
Zum Beispiel über die Umwandlung der Landesgeschichte in Technigeschichte:

(….) sowie der Lehrstuhl für baden-württembergische Landesgeschichte, der in einen für regionale Technikgeschchte umgewandelt werden soll - die Historisierung der schwäbischen Autofabriken setzt offenbar schon ein -, (…)

#8 Josh von Staudach . 16.06.09 . 10:25 Uhr

Darf man nun auch in der FAZ ungestraft soviele Rechtschreib- und Grammatikfehler machen? Es geht echt bergab in diesem Lande: Nicht mal auf die ’seriösen’ Medien kann man noch vertrauen …

#9 Frau Doktor . 16.06.09 . 11:08 Uhr

Hihi, die Geschichte hat’s halt schwer. Was mir recht ist (Technigeschichte!), ist Herrn Kaube doch billig. Als ordentliche Wissenschaftlerin hätte ich natürlich so zitieren müssen:

…Technikgeschchte (sic!)…

#10 stefan . 19.06.09 . 09:33 Uhr

Warum werden Geisteswissenschaften immer so herorisch verteidigt? In meinem Bekanntenkreis befinden sich Dutzende von Kunstgeschichtlerinnen, die darüber klagen, keinen oder einen schlecht bezahlten Job zu haben (die meisten müssen heiraten, um ihren bildungsbürgerlichen Lebensstandard zu bewahren).

Bildung von uns Steuerzahlern bezahlt, sollte sich an modernen Kriterien orientieren, nicht am Bildungsideal des 19. Jahrhunderts (hallo: vor der Industrialisierung, da sah die Welt noch anders aus).

Ich selbst habe Philosophie, Geschichte und Politik studiert und dabei einiges gelernt - vieles aber auch nicht. Man durfte alles, alles war umsonst - aber vieles Zeitverschwendung (z.B. das große Latinum). Hätte ich nur die Hälfte der Zeit invistiert in ein technischen Studium, hätte ich heute einen gut bezahlten Job und könnte in meiner Freizeit immer noch Bücher über den Dreißigjährigen Krieg oder Romane aus dem 19. Jahrhundert lesen. So buckle ich mich krumm und auch der Hegelsche Weltgeist hilft mir dabei nichts.

#11 Dr.D. . 19.06.09 . 22:24 Uhr

Tut mir leid, Stefan, wenn dir das Studium nichts gebracht hat, und ebenso für die Dutzende von Kunsthistorikerinnen, die nun keinen oder einen schlecht bezahlten Job haben. Ich persönlich kenne einige, die mittlerweile in Führungspositionen sitzen und zahllose andere, die auf die eine oder andere Weise gute und sinnvolle Arbeit leisten. Selbstverständlich muss man sich nicht am Bildungsideal des 19. Jahrhunderts orientieren. Aber welches wären denn die “modernen Kriterien”? Nur Geld verdienen? Ist das so einfach? Nur ein Technisches Studium hinlegen, und schon rollt der Rubel? Auch in Zeiten der Wirtschaftskrise?

Geschichte, mein lieber Stefan, ist nicht etwas, mit dem man Geld verdient, ebenso wenig Philosophie. In Ländern wie Frankreich oder den USA brauchen solche Debatten nicht geführt werden, da ist der Wert der “Humanities” unbestritten. Und Deutschland gilt dort als Musterland, allerdings nicht das heutige, sondern das des 19. Jahrhunderts. Das von Kant, Schiller, den Schlegel-Brüdern, Hegel usw. Nicht weil sie bedingungslos übernehmen, was die damals geschrieben haben. Sondern weil es die Grundlagen sind, von denen auch wir heute noch ausgehen müssen.

Was ist denn das für eine Existenz, in der es nur noch, ausschließlich um einen “gut bezahlten Job” geht?

#12 Josh von Staudach . 20.06.09 . 12:25 Uhr

Oh ja, Dr.D, was für eine Frage!

Was ist denn das für eine Existenz, in der es nur noch, ausschließlich um einen “gut bezahlten Job” geht?

Ich frage ausschweifend: Was ist das für eine Welt, die als oberste Maxime die Aufrechterhaltung des Konsums manifestiert?

Wenn Leute (wie Stefan) nicht über den Tellerrand rausschauen und keine Idee haben, was Sie mit ihrer Bildung anfangen sollen, dann sollen sie eben noch ein bißchen Geld verdienen, solange es noch was wert ist.

Glücklicherweise gibt es da noch ein paar Köpfe wie den Precht oder auch den Lobo, nicht ausschließlich Philosophen (im klassischen Sinne), aber auf jeden Fall moderne Freidenker!

#13 stefan . 23.06.09 . 10:39 Uhr

Hatte neulich ein Gespräch mit einer Personalchefin eines mittelständischen Unternehmens am Bodensee. Sie berichtete mir, dass sie auf Messen immer wieder von Geisteswissenschaften gesagt bekomme, sie seien geeignete Kandidaten, weil sie denken könnten. Die Personalchefin sagt darauf immer: dort hinten steht ein Betriebswissenschaftler mit Kenntnissen, die ich brauche, und der kann auch denken.

Und noch eins für die Menschen mit noch wenig Lebenserfahrung. Wenn man einen gut bezahlten Job anstrebt, heißt das nicht, dass man nur für den Job lebt und dass man mit Bildung nichts anfangen kann. Aber ich gehe doch davon aus, dass wer studiert, hinterher auch seinen Lebensunterhalt verdienen will. Oder sprechen wir hier nur von Söhnen und Töchtern aus reichen Hause, die Bildung als Selbstzweck sehen (warum muss dann dafür der Steuerzahler aufkommen?)

#14 Dr.D. . 23.06.09 . 12:02 Uhr

Nun, es gibt da offenbar verschiedene Meinungen, ich habe gerade das Gegenteil gehört. Aber ich würde nicht so weit gehen, Betriebswirtschaftlern jede Fähigkeit abzusprechen :) Vermutlich hängt das einfach damit zusammen, dass es verschiedene Arten von Fähigkeiten, aber auch von Tätigkeiten gibt.
Aber was ist das denn schon wieder für eine Argumentation? Wer auf seinem Gebiet, das er oder sie Jahre lang studiert hat, keine angemessene Bezahlung erhält, kann nur aus gutem Hause stammen? Natürlich will jeder seinen Lebensunterhalt verdienen. Aber ohne die entsprechende Wissenschaft gibt es auch keine Bildung. Das ist doch kein Konsumgut, wie eine Greatest-Hits-CD, die man zum Sonderangebot im Ramschladen erwerben und nach Feierabend genießen kann. Die Konsequenz wäre, die Sonntagsreden in die Tat umzusetzen und mehr für Bildung zu tun, damit alle, die daran arbeiten, anständig bezahlt werden!

Kommentar hinterlassen


Made by 6B