Von Gunvald
Freizeit . 17:20 Uhr
Wie an vielen Punkten der Stadt, die höher gelegen sind und einen famosen Blick über Stuttgarts Dächer gewähren, wird man auch auf der Karlshöhe fast jedes Mal unweigerlich Zeuge eines Streitgesprächs, dass sich mit der Erkennung und Zuordnung der erkannten Gebäude beschäftigt. So auch kürzlich: da wollte sich eine Gruppe von sechs Spaziergängern nicht darüber einig werden, ob der Breuninger nun links oder rechts vom Rathaus liegt. Bemerkenswert war die sportliche Kleidung der Spaziergänger: Atmungsaktive Hemden, darüber eine Multifunktionsweste, bequeme Hosen und rustikales Schuhwerk. Und dann natürlich das »Must-have« des modernen städtischen Spaziergängers, die Nordic-Walking-Stöcke.
Seitdem uns Lifestyle-Magazine jegliche Bewegung außerhalb der vier Wände als Sport verkaufen, ist es unumgänglich, ein passendes Outfit selbst für die trivialste Form der Fortbewegung zu haben, auch – nein, gerade mitten in der Stadt, sonst sieht es ja keiner. Leider wurde das Einkaufen bislang sträflich vernachlässigt. Da zieht einfach jeder an, was er will. Dabei kann der samstägliche Stadtbummel mit Kaufabsicht den Städter ganz schön fordern. Nehmen wir nur einmal die Königstraße: da muss man sich behände durch einen Pulk Gleichgesinnter bewegen, dann bleibt plötzlich einer unvermittelt stehen und schon haben wir einen Aufprallunfall. Hinzu kommen die vielen Plastiktüten, die man mit sich herumtragen muss. Das schreit geradezu nach einer professionellen Einkaufs-Ausrüstung mit Blinker, Bremslicht und umschnallbarer Gepäckablage. Auch ein Helm wäre nicht von der Hand zu weisen — jedenfalls für mitgeführte Kinder, die sich außerhalb des Blickfelds eines Erwachsenen bewegen, sollte er Pflicht sein. Natürlich muss auch an plötzlich einsetzende Regenfälle gedacht werden. Farbenfrohe, leichte Folien sollten den Einkäufer und seine Neuerwerbungen ausreichend schützen, am besten per Fernbedienung ausfahrbar wie Cabriodächer. Vom Bahnhofsturm aus betrachtet ergäbe das sicherlich ein schönes Bild. Ein buntes Funkeln, fast wie in der Vorweihnachtszeit. Die Debatten der Ausflügler dort oben erhielten zugleich eine völlig neue Dimension; es ließe sich vortrefflich darüber streiten, wer bei einem Aufprall nicht rechtzeitig das Bremslicht oder den Blinker gesetzt hat.