Von Schnezagaigeler
Vermischtes, Stuttgart 21 . 15:23 Uhr
Kürzlich war ich in Ulm. Dort lebte ich früher mal, und ich war erstaunt, wie sich die Stadt gemacht hat. Während wir hier über Kulturmeilen und neue Stadtviertel diskutieren, hat sich Ulm klammheimlich verwandelt: Längst steht dort eine schicke Bibliothek des 21. Jahrhunderts, ganz aus Glas, und zur Abwechslung mal kein Würfel (sondern Pyramide). Die passt sich wunderbar in den alten Marktplatz, der mit dem historischem Rathaus und vielen Kneipen ein lauschiges und belebtes Altstadtzentrum bildet, seit die Ulmer ihre Innenstadt umgebaut haben: Der vierspurige Highway, der die Stadt durchschnitt, wurde zurückgebaut.
Nach historischen Stadtplänen stehen dort nun (moderne) Häuser und die Fußgänger haben das Sagen. Die Autos müssen halten, wenn man die Straße überquert, Ampeln gibt es erst gar nicht. Und keine Parkplätze: Die hat man konsequent unter die Erde gelegt. Damit ist die Brücke von Münster und Fußgängerzone zur Altstadt wieder hergestellt. Das schafft - zusammen mit der nahen Donau und Uferpromenade zum Radfahren und Im-Gras-Liegen echte Lebensqualität. Mieten sind auch günstiger. Und das Beste: Man muss bei Umzug nicht mal seinen Job in Stuttgart aufgeben, denn mit Stuttgart 21 dauert das Pendeln ja nur noch schlappe 28 Minuten.
#1 Tine . 03.08.07 . 15:22 Uhr
Na ja, ob die Pyramide in so eine Stadt gehört und passt kann man streiten. Besonders hat mich die Stadtansicht von der Neu-Ulmer Seite aus geschockt.
Aber insgesamt stimmt es, Ulm hat sich sehr gemacht.
#2 Michael Kunert . 10.08.07 . 15:21 Uhr
Das waren für Ulm schwere und lange Prozesse, gerade die Neue Straße aber auch das Stadthaus waren (und sind) sehr umstritten. Die Stadt Ulm hat sich hier auffallend um Bürgerbeteiligung und Öffentlichkleitsarbeit bemüht.
Ulm hat von diesen Maßnahmen zweifellos profitiert, hat durch “prominente Architektur” sein Renomme aufpolieren können und durch den Gewinn an öffentlichem Raum, der zudem sehr hochwertig gestaltet wurde, einen echten Mehrwert erreicht. Die beiden Gebäude Stadthaus und vor allem Bibliothek zeigen aber, dass Star-Architektur zwar Prestige schaffen, aber dennoch fragwürdig aussehen kann und nicht immer städtebaulich befriedigen muss. Da darf man in Stuttgart (21) gespannt sein, insbesondere auch in der Frage, ob die Stadt Stuttgart ihre “Zurückhaltung” in echter, ernstgemeinter Beteiligungsarbeit in der Planung überwinden kann.
#3 Schnezagaigeler . 11.08.07 . 14:06 Uhr
Interessant, dass hier bereits zwei Kommentare die Ulmer Pyramide negativ bewerten. Ich fand sie, muss ich ganz ehrlich gestehen, spontan ziemlich gut und mir gefällt auch, wie sie sich ins Stadtbild einfügt und dem alten Marktplatz ein modernes Element hinzufügt. Aber das ist natürlich Geschmacksache.
Danke Michael für die Hintergrundinfos.