Von KateStuttgart
Kultur, Leben, Freizeit . 22:40 Uhr
Kann man sich wirklich ändern? Ist das Leben vom Schicksal vorherbestimmt? Warum kann ich nicht raus aus meiner Haut? Kann ich nicht nochmal von Anfang an beginnen?
Mit diesen Fragen beginnt das Theaterstück ‘Replay’ des Jugendclubs des Staatsschauspiels, was im Moment im Depot in Stuttgart-Ost zu sehen ist. Die zwölf Figuren des Stücks, alle wie die Schauspieler junge Erwachsene, entscheiden sich: “Ja, du kannst nochmal zurück.” und sie lassen die Zeit rückwärts laufen.
So versucht die Neue an der Bushaltestelle sich noch einmal cooler und lockerer den zwei Gleichaltrigen vorzustellen. Der Typ, dem sein Kaff zum Hals raus hängt, versucht die eingefahrenen Umgangsformen mit seinem nervenden Kumpel von neben an zu überwinden. Das etwas zurückhaltende Mädchen mit der künstlerischen Ader will eine Mutter die mehr ihre Neigungen teilt, als eine Karriere als Richterin von ihr zu erwarten. Der schüchterne Junge an der Bar, will es schaffen sich endlich durchzusetzen, am besten schon in der Grundschule.
Viele Wünsche die auch erfüllt werden, doch nie so richtig wie sich die Figuren das vorgestellt hatten. Einmal hat man einfach nur Pech, einmal kann man einfach nicht aus seiner Haut und ein anderes Mal fühlt man sich im neuen Leben auch nicht wohl. Also doch alles Schicksal, oder doch Zufall?
Eine klare Antwort gibt es nicht und auch das Theaterstück sie nicht. Doch die ganz unterschiedlichen Charaktere kommentieren immer das was geschieht und zeigen somit auch unterschiedliche ‘Lösungsansätze auf, auch wenn sie sich am Ende eingestehen: Die ideale Lösung ist das Replay nicht.
Ein Theaterstück, was die unterschiedlichen Facetten der immer so gern vereinheitlichten ‘Jugend’ wiedergibt, das ganz nah an der Wirklichkeit seine Situationen und Dialoge anknüpft und damit überzeugt, aber auch zum Nachdenken und zur Selbstreflexion animiert.
Die Schauspielerinnen und Schauspieler überzeugen. Obwohl mich bei Einigen sehr interessiert hätte, wie viel ihrer eigenen Persönlichkeit in die Rolle ein geflossen ist.
Von einem Bühnenbild kann man nicht wirklich sprechen, gibt es doch nur eine Art Tribüne, eine ‘Bank’ und einen Kleiderständer auf dort. Dies ist aber völlig ausreichend. Auch die Lichtdramaturgie ist dem Stück angemessen: springt doch das Spotlight erst von handelnder Gruppe zu Gruppen, bis dann alle Figuren gemeinsam agieren. Auch das Blitzlicht als Mittel der ‘Rückspultaste’ ist eindeutig. Die teilweise eingespielte Musik ist zu den Situationen meist passend, aber nicht so bekannt, dass sie das Stück überlagern würde.
Das Publikum war jedenfalls begeistert und es gab tosenden Applaus. Ich kann mich nur anschließen: ein wunderbares Stück Jugendtheater, für jedermann. Infos und die nächsten Termine findet ihr hier.