Von chéggy
Vermischtes, Kultur . 13:57 Uhr
Es flimmert überall ein bisschen. Manchmal ist es interessant zu sehen, wie die Mienen der Besucher kippen, wenn sie in die Ausstellung kommen.
Pong. Im Hintergrund hört man Geklapper, wie von einer Tischtennismeisterschaft in der Gummizelle. Dazwischen irgendwo ein Piepen.
Die Ausstellung „pong.mythos“ in der Galerie Künsterbund beschäftigt sich nicht mit Dix oder Bill – sie beschäftigt sich mit Pong. Ebenfalls nur eine Silbe, deren Populatität aber deutlich über den Tellerand der Künstlergemeinschaft hinausgeht.
Pong. Tennis im Minimalformat, kam 1972 als einer der ersten digitalen Zeittotschläger heraus, noch bevor Pacman, Minesweeper oder Tetris auch nur ein paar schmutzige Gedanken waren.
Pong. Im ersten Saal stehen Oldtimer der Computerindustrie. Große Kisten, Stahlungetüme in verschiedenen Farben, bestehend aus kaum mehr als einem Bildschirm und zwei Drehknöpfen. Keine Tastatur. Mäuse gab es auch noch nicht. Die ersten Spielhallenautomaten von Atari. Die Drehknöpfe dienen zu nicht mehr als zur Steuerung von Pong. Zwei Schläger, bestehend aus ein Paar Pixeln, weiss auf schwarzem Hintergrund. Purismus pur.
Pong. Pong 3D, Pong mit Kamera, Pong-Squash, Pong-Soccer. Pong ist ist Synonym für eine Generation von Zockern, die Farben auf Bildschirmen mit Nachbildern verbanden und deren Solariumbräune nicht aus Mallorca importiert sondern an langen Nächten vor dem strahlenden Röhrenschirm antrainiert wurde.
Pong. Pong in allen Variationen. Pong abstrahiert. Postmodernes Pong. Ein Ball irrt verloren über ein schwarzes Feld. Frei von der Bedrängnis durch Schläger, aber ruhelos in seinem Dasein. Ist das Kunst?
Pong. Ein Bildschirm mit flimmernden grünene Zeichen. Matrix, spult das Hirn ungefragt ab, hier soll die Matrix dargestellt werden, grüne Zeichen die die Welt beherrschen. Weit gefehlt. Was da flimmert ist Deep Throat in ASCII-Code. Ein paar Meter Abstand und der Bildschirm enthüllt den weltberühmten Porno zusammengesetzt aus den Symbolen der ASCII-Zeichentabelle. Warum das ganze? Weil Deep Throat 1972 im selben Jahr zum ersten Mal in einem kleinen Londoner Kino aufgeführt wurde, als der erste Atari mit Pong in einer Spielhalle aufgestellt wurde.
Pong. Pain Maschine. Ein Automat, der den Verlierer bestraft. Verlierer werden immer bestraft. Diesmal mit warmen Fön, einem Hieb durch eine Gummipeitsche oder einem kleinen Stromschlag. Wer zuerst die Hand wegzieht hat verloren.
Pong. Auf dem Fahrrad. Wem zuerst die Puste ausgeht, der vierliert. Pong mit Gemüse. Zuccini als Schläger, ein Lichtpunkt als Ball. Eine Kamera verzeichnet die Bewegungen. Big Brother Pong.
Pong. Borg. Wer zuerst verliert wird assimiliert. Ein Würfel aus roten Dioden ist das Spielfeld, die gegenüberliegenden Seiten des Würfels das Ende desselben. Eine Leuchtende Diode ist der Ball.
Pong. Ohne Spielfeld, nach Gehör. Das Klappern eines Tischtennisballs ist die Richtschnur, nach der man den unsichtbaren Schläger hält.
Ping macht es allerdings nie. Die Marke “Ping Pong” war bereits bei der Erfindung des Spiels lizenziert.
Infos zur Ausstellung:
pong.mythos
Ausstellung in der Gallerie des württembergischen Kunstvereins
Öffnungszeiten
Di, Do - So: 11:00 - 18:00 Uhr
Mi: 11:00 - 20:00 Uhr
Eintritt: 5/3 €
Web: www.pong-mythos.net
#1 Simon . 01.04.06 . 10:25 Uhr
Danke für den Hinweis - das sind ja uralte Zeiten, die da am Leben erhalten werden …