Von circulus
Leben, Politik . 16:42 Uhr
Ohne mich jetzt in die Diskussion über das Pro und Contra von linken Gegendemonstrationen einmischen zu wollen … meine Freundin und ich hatten unsere ganz persönlichen Erlebnisse mit der Polizei. Am Samstag (28.01.06 gegen 14 Uhr) fuhren wir Richtung Marienplatz um beim Drogeriemarkt einzukaufen. In der Hohenstaufenstraße war vor uns plötzlich eine Gruppe von ca. 60-80 linken Demonstranten, die (ruhig und friedlich) die Straße hinunter schlappten. Wir parkten das Auto in der nächsten freien Lücke und liefen weiter Richtung Marienplatz, wo uns eine Polizeisperre stoppte. Die Sperre formierte sich aus ca. 10 Polizisten. Sie trugen Helme in der einen Hand (nicht auf dem Kopf) und Schlagstöcke aus Holz in der anderen. Die Köpfe schienen jedoch aus aus Holz zu sein, denn zunächst konnte (bzw. wollte) man uns nicht erklären, warum die Sperre bestand und warum wir nicht zum Drogeriemarkt durch durften. Die Demonstranten liefen erst gar nicht bis vor zur Sperre, wir waren also nicht in deren Gesellschaft dort angelangt. Insofern waren wir durchaus als ganz normale Passanten zu identifizieren. Nach etwas Wortwechsel ließ man uns schließlich auch durch. Wir kauften ein und kamen zurück auf den Marienplatz, tummelten uns dort noch ein bißchen und beobachteten das Treiben. Aus dieser Beobachtung und Gesprächen mit anderen Passanten schlossen wir, dass die Sperren Richtung Hohenstaufen- und Tübingerstraße die Linken davon abhalten sollten, zum Marienplatz vorzustossen. Eine weitere Sperre in der Böblinger Straße (die wir nicht sehen konnten) sollte wohl die Rechten daran hindern.
An der Ecke Tübingerstraße befindet sich ein Optikergeschäft. Ich wollte schauen ob dieses noch offen hatte, weil meine Freundin Kontaktlinsenflüssigkeit brauchte. In diese Richtung durfte ich ja durch die Sperre durch, ging also direkt an einer (relativ jungen) Polizistin vorbei ein paar Schritte weiter zum Eingang des Ladens, der aber verschlossen war. Keine 30 Sekunden später wollte ich an derselben Polizistin vorbei zurück zu meiner Freundin, die mich aber daran hinderte. Hier dürfe man nicht durch. Ich wollte einfach weiter laufen, sie packte mich aber und schubbste mich zurück. Ich sagte zunächst, sie solle mich loslassen und erklärte ihr mein Vorgehen - und dass ich vor 1 Minute an ihr vorbei zum Ladeneingang ging. Sie rief aber nach Verstärkung und ein weiterer Polizist schubbste mich in Richtung Tübingerstraße. Diesen verwickelte ich dann in eine Reihe von Fragen, die er nicht zu meiner Zufriedenheit beantworten konnte. Z.B. ‘Warum darf ich hier nicht durch?’ - ‘Weil wir hier absperren!’ - ‘Warum sperren Sie hier ab?’ - ‘Darüber bin ich keine Rechenschaft schuldig.’ - ‘Wer ist denn darüber Rechenschaft schuldig?’ - ‘Das sag ich Ihnen nicht.’ … und so in der Art. Meine Freundin (die sich ja weiterhin auf dem Marienplatz befand) kam hinzu und erklärte ihrerseits den Zusammenhang. Ein dritter Polizist (offenbar höheren Dienstgrades) kam hinzu und bezeugte, dass ich schon vorher auf dem Marienplatz war und nun also auch bleiben durfte. In dem Gerangel war aber nun leider meine Freundin hinter die imaginäre Sperrlinie in Höhe der vorhin erwähnten Polizistin gelangt, die sie nun nicht zu mir auf den Marienplatz zurück ließ. Ein echtes Kasperletheater! Aber wir hatten ja nichts dringendes vor und warteten also. Verwickelten weitere Polizisten in Gespräche. Keiner dieser erklärte aber etwas in der Art, dass sie das zusammenstoßen der Linken mit den Rechten verhindern wollten. Sie beriefen sich immer nur auf die Ausübung ihrer Autorität und das Ausführen von Befehlen. Die Polizistin wörtlich: ‘Wenn mein Chef mir sagt ich solle hier stehen und niemand durchlassen, dann mach ich das’. So weit so gut. Ich fragte: ‘Und wenn ihr Chef sagt, Sie sollen von der Brücke springen, machen Sie das auch?’ (Gelächter bei den Linken). ‘Nein, das ist ja was anderes.’ Womit sie ja nicht ganz unrecht hatte. Jedenfalls wurden etliche andere Passanten auch am Weiterlaufen gehindert. Was eigentlich fast alle ohne Protest hinnahmen!
Unser Fazit: 1. Der ‘normale’, unbescholtene Bürger will nichts mit den Linken aber auch nichts mit der Polizei zu tun haben, kuscht und trollt sich. 2. Die die Fragen haben, bekommen keine Antworten. 3. Die die Macht ausüben, tun dies weitgehend ohne Sinn und Verstand. 4. Eine rhetorische und eventuell sogar pädagogische Schulung der Polizisten erscheint angebracht. 5. Das Zusammentreffen der Linken mit den Rechten wurde nicht verhindert - es gab Verletzte. 6. Soweit der Polizeieinsatz über das normale Gehalt hinaus Geld gekostet hat, wurden Steuergelder verschwendet. Und wer weiß - womöglich sind wir nun gefilmt und als verdächtige Subjekte erfasst. Soweit zum freien Bürgertum in Stuttgart.
#1 Bürgerin . 22.02.06 . 18:10 Uhr
Meine Güte!
Da stellt sich aber Jemand an!
Ich persönlich habe nicht die Erwartung, dass ein Ordnungshüter im “Sondereinsatz” einem eine fundierte Auskunft über den Sinn und Zweck seines Tuns gibt.
Die Leute in grün stehen sicher gewaltig “unter Strom” und haben u. U. Angst, dass Situationen eskalieren und sie selber verletzt werden können und haben verständlicher Weise keinen Nerv für (blöde oder schlaue) Fragen.
Das fällt für meinen Geschmack in die Rubrik: “Behinderung der Polizei”. Du gibst ja selber zu, dass du “einige Polizisten in Gespräche verwickelt” hast… Find ich BLÖD! Mach das doch, wenn die Situation entspannt ist und gerade keine Sperrung o. ä. stattfindet, dann wirst Du feststellen, dass man auch Polizsten Menschen sind und man sich mit denen gut unterhalten kann!…
Zurück zur Demo: es ist nun einmal traurige Realität, dass dann und wann ein blutender Polizist am Boden liegt - weil er seinen (besch…. und undankbaren) Job gemacht hat. Nervosität und Einsilbigkeit sind da verständlich…
Bei solch brisanten Szenarien wie bei Demos (die ggf. doch noch in Gewalt münden könnten) oder dem Abzug der Fußballfans aus dem Stadion möchte ich auf die Polizei (egal wieviel IQ die haben) nicht verzichten… Steuergeld-Verwendung hin oder her…
Ich bin schon selber auf dem Nachhauseweg in die Fanmassen geraten und musste daher einen Umweg in Kauf nehmen… Na und?
Übrigens konnte ich beobachten, wie Autofahrer, die warten mussten, höflich von der Polizei über die Lage aufgeklärt wurden…
Zum Schluss was zu der Befürchtung: gefilmt und als verdächtiges Subjekt erfasst = unwahrscheinlich! Obwohl der Verdacht naheliegt, dass wertvolle Polizeikräfte durch gezielte Ablenkungsmanöver (Fragen/Gespräche…) von ihrer eigentlichen Aufgabe abgehalten werden sind…
ICH kann auch spekulieren!
#2 Peter . 26.03.06 . 12:33 Uhr
Meine Güte……
Die Polizei hat das einzig richtige gemacht, nämlich die Linken von den Rechten ferngehalten. Wären beide Gruppierungen aufeinander getroffen wäre die ganze Sache sicherlich eskaliert und dass nur, weil der Herr CIRCULUS mit seinem unqualifizierten
Kommentar unbedingt um diese Zeit Kontaktlinsen brauch und einkaufen gehen muss.
Einkaufen kann man in Stuttgart auch woanders und nicht umnbedingt mitten in einer Demo.
Solche Leute behindern nur unsere Polizei bei ihrem Einsatz indem solche Bürger dauernd dumme Fragen stellen.
Solch ein Einsatz kostet sicherlich viel Steuergelder ist aber absolut notwendig, denn solche Leute wie der Herr CIRICULUS sind die ersten die sich beschweren, wenn zzu wenig Polizei da ist und sie eins von einem linken oder rechten auf die Schnauze bekommen.
Und noch was zum Thema friedliche linke Demonstranten…..dass Flaschen, Eier und sogar Pferdemist in Richtung Polizeiabsperrung geflogen ist, dass hat ja keinen interessiert.
Wenn jemand bei solchen Demos Schwierigkeiten macht, dann sind das die Linken die sich mit der Polizei klopfen wollen und nicht die Rechten, die sich an die Spielregeln meistens halten……
#3 Henning . 30.05.06 . 22:46 Uhr
Ach du Scheiße! Ich les die Kommentare hier erst jetzt und dann sind sie auch noch unwidersprochen.
Zitat Bürgerin: “es ist nun einmal traurige Realität, dass dann und wann ein blutender Polizist am Boden liegt - weil er seinen (besch…. und undankbaren) Job gemacht hat. Nervosität und Einsilbigkeit sind da verständlich…”
Es ist genauso traurige Realität, dass dann und wann ein blutender Bürger am Boden liegt - weil er seine Grundrechte wahrgenommen und demonstriert hat, was aber zumindest nicht jeder Polizist so wirklich heroisch fand.
Ein Beispiel, wo die Polizei die Grenzen wohl mal wieder überschritten hat, findet sich hier. Dort hatte ich nicht geschrieben, was mir im Nachhinein zugetragen wurde, nämlich dass bei der Verfolgung der Demonstranten durch die Polizei auch Schlagstöcke eingesetzt wurden. Auch dies hat die in dem Beitrag genannte Rechtsanwältin beobachtet, soweit ich weiß. In diesem Video sieht man auch sehr gut, dass die Demonstranten nach einmaliger Aufforderung durch die Polizei die Kreuzung bereits verlassen (wäre erst nach der dritten nötig) und die Polizei sie dennoch verfolgt.
Natürlich gibt es auch Menschen, die bewusst Polizisten provozieren oder von sich aus angreifen. Aber in den Kommentaren hier sieht es ja so aus als gäbe es nur die bösen Bürger, die die Polizei attackieren oder ihr das Leben/den Beruf schwer machen. Auch das Gegenteil gibt es und zwar viel zu oft. Trotz Eid auf das Grundgesetz und sowas.
#4 Fodi . 30.10.07 . 19:18 Uhr
Ich geb Henning recht!
Scheiß auf die Staatsgewalt, die nerven eh nur und dann müssen die damit leben nen Stein abzukriegen!
ACAB
#5 MCBuhl . 30.10.07 . 22:28 Uhr
Ich glaube nicht, daß Gewalt eine Lösung für irgendwas ist!
Das heißt nicht, daß ich das Vorgehen der Bullen - äh Polizei!!! - in Ordnung finde: als Bürger habe ich das Recht auf korrekte Information. Im SA-Staat war es für eineN VertreterIn der Staatsmacht i.O. sich auf: “wenn mein Chef sagt…” zu berufen. In der Bundesrepublik nicht! Es gibt immerhin ein Befehlsverweigerungsrecht und “Bürger in Uniform”.