Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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04 03.08

Paul geht (nicht) baden. Teil 18/4: Mumbai. Asymmetrisch

Von Paul-geht-baden
Vermischtes . 17:54 Uhr

Immer noch Montag, der 4. Februar 2008, immer noch Mumbai. Vier Tage zuvor, am Donnerstag, den 31.1., dem ‘Schmotzige Dunschtig’, hat die Stuttgarter Delegation indischen Boden betreten, nachdem sie zuvor durch den indischen Luftraum gerauscht ist (bitte, beachten Sie das sublime Spiel der für Terminplanung und Protokoll zuständigen Zahlenmystiker: hinreißend zart und diskret [„very, very delicately“, wie ein Kommentator im Mumbai Express schrieb] erinnern sie, allein durch den gewählten Besuchstermin, an das historische Datum der Unterzeichnung des „Town Twinning“-Abkommens, den 11.3., und evozieren damit auf die unaufdringlichste Weise, die sich denken lässt, fast schon heimlich, die glückliche Zusammenarbeit der beiden eineiigen Zwillingsstädte in den vierzig zurückliegenden Jahren — zweimal die Eins, einmal die Drei, elegant in eine neue Ordnung gebracht; nicht sklavische Wiederholung, sondern fantasievolle Variation — an solchen Sachen merkt man, dass sich hier zwei Städte [so modern und dynamisch sie sind] mit sehr alter Kultur begegnen; zum Gegenbesuch kommt die Delegation der Mumbaikars, wie sich die Einwohner von Mumbai nennen, übrigens nicht am 3.11. oder am 13.1. nächsten Jahres, wie man jetzt vielleicht glauben könnte, sondern im Juli 2008 — man muss eine schöne Idee ja nicht zu Tode reiten). Auf dem Programm der Reisegruppe, die ohne eingebettete Journalisten unterwegs ist, steht —: das Wohl Stuttgarts (nebenbei, als Information für alle, die sich ein multiperspektivisches Bild verschaffen möchten: die Gemeinderatsmitglieder, die mit von der Partie waren, unter ihnen zwei Jugendräte, feilen alle noch emsig an detaillierten Schilderungen ihres persönlichen Einsatzes vor Ort; gut Ding will eben Weile habe). Es ist klar, dass unser Lieblingsheld-des-Alltags, der einnehmend euthymische Paul, nicht weit sein kann, wenn Stuttgart sich von seiner besten Seite zeigen möchte. Aber wer Paul und seine Arbeit kennt, dem wird auch klar sein, dass er nicht an ‘Terminen’ teilnimmt, nicht mit goldenen Worten und funkelnden Argumenten für den Standort Stuttgart eintritt, und sich auch nicht bei „Stuttgart Meets Mumbai“ blicken lässt, einer Art Edelausgabe des Stuttgarter Weindorf, bei der mit Maultaschen und Spätzle und ein paar Tausend Flaschen Wein aus der Region Überzeugungsarbeit geleistet wird („ein Höhepunkt der Reise“, heißt es — kann man sagen: vielsagend? —in der Verlautbarung aus dem Rathaus). Eigentlich war für die daheim gebliebenen Stuttgarter eine Übertragung von dieser Veranstaltung im Hilton Towers Hotel per Webcam geplant, was sich dann aber wegen des einen Tag vor Reisebeginn im Mittelmeer vor Alexandria durchtrennten Backbone-Kabels, — Sie haben’s sicher gelesen —, beim besten Willen nicht realisieren ließ (auch die versierten Computer-Inder haben das nicht hingekriegt). Nein, Paul geht, wie immer, einen anderen Weg. Während die Stuttgarter Delegationsmitglieder also Mumbais Entscheidungsträger bearbeiten, widmet sich Paul, der mit seiner ‘street credibility’ in einem Vortragssaal oder Konferenzzimmer fehl am Platz wäre, den Leuten, die man in Mumbai auf der Straße trifft; also sehr, sehr vielen Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung. Da in Zuschriften, Anrufen und Videos (manchmal auch in Flaschenpostbotschaften, die wir aus dem Neckar, aber auch aus den stehenden Gewässern der Stadt fischen) immer wieder danach gefragt wird, wie man sich Pauls Einflussnahme eigentlich vorzustellen habe (wobei oft der Wunsch, die Tätigkeit auch selbst auszuüben, den lebendigen Hintergrund der Frage bildet; falls die Arbeit denn gut bezahlt werde), ob er etwa ein T-Shirt oder eine Jacke mit der Aufschrift ‘Stuttgart’ bzw. ‘Stutt’ auf der rechten und ‘gart’ auf der linken Brustseite spazieren trägt, will ich die Gelegenheit zu einer Antwort entschlossen beim Schopf packen und ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Nein, mit schriftlichen Botschaften arbeitet Paul nicht. Nichts an ihm verrät, dass er in irgendeiner Beziehung zu Stuttgart steht; es sei denn, man nähme die indischen Klamotten, die er hier in Mumbai gerade trägt, Dhoti, Kurta und Weste, als Fastnachtskostüm (ist ja immer noch Rosenmontag in Stuttgart). Die Menschen, die das Objekt der im weitesten Sinne werblichen Maßnahme sind, sollen gar nicht merken, für wen oder was sie eingenommen werden; denn gerade dadurch überzeugt man, erstens, mehr Leute, zweitens, stärker, nachhaltiger (weil die üblichen Abwehrreflexe, die den Erfolg mindern, gar nicht erst ausgelöst werden). Die gewissermaßen anonyme Saat geht bei diesem ‘asymmetrischen’ Vorgehen, wie das neue Zauberwort im Stadtmarketing heißt, erst später auf, wenn Sie verstehen, was ich meine.
Wird fortgesetzt. In der nächsten Folge — versprochen! —: Paul am Arabischen Meer

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1 Kommentar zu Paul geht (nicht) baden. Teil 18/4: Mumbai. Asymmetrisch

#1 Wegschaffel . 05.03.08 . 16:37 Uhr

versprochen! —: Paul am Arabischen Meer

Dann kann er ja endlich wieder seiner Natur folgen und: baden. Das tut er wie ich eben bemerkt habe nämlich seit Mitte Februar nicht mehr. Warum eigentlich nicht?

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