Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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23 03.10

Paul geht baden (aber nicht zum Fußball). Teil 26/4: Eines führt zum anderen. (Der Pokal hat eigene Gesetze oder Bier ist kein Alkohol)

Von Paul-geht-baden
Vermischtes . 00:13 Uhr

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Jetzt hatte ich sie vor mir, die Treppe, die - ziemlich steil – hinauf- und hineinführte ins Innere des Stadions. „Warte mal, Birol“, sagte Max. „Nehmen wir noch ein Bier mit?“ Was für eine Frage. Natürlich nahmen wir noch ein Bier mit, jetzt nicht in der Glasflasche, sondern im Pappbecher. Aber vorher noch mal „um’s Eck“, d.h. aufs Klo, bequem neben unserem Aufgang gelegen. Das Problem war, dass man sich vorher freimachen musste, partiell wenigstens. Oben herum trug ich, wenn ich mich richtig erinnere, sieben Schichten übereinander (die Kälte, Sie erinnern sich?; es war Januar), unten herum, glaube ich, vier, und so dauerte es eine Weile, ehe ich – sagen wir: loslegen konnte. Max erzählte mir später, dass er dummerweise als Unterkleidung, wenn ich ihn richtig verstanden habe, eine Art Body angezogen hatte und vor der Rinne stehend zunächst das Hemd aufknöpfen musste usw.
Mit gespannter Aufmerksamkeit stieg ich, als das erledigt war, Max folgend, die Treppe hinauf, ich wollte den Moment nicht verpassen, in dem sich das Stadionoval vor mir öffnen würde. Eine Stufe und noch eine, und dann lag es vor mir. Es war überwältigend. Riesig, die Schüssel um das grüne Rasenviereck, die Ränge schon gut gefüllt, voller Leben, und alles in ein Licht, das Flutlicht, getaucht, das die Arena in etwas verwandelte, das mehr der Welt der Fantasie als der Wirklichkeit anzugehören schien. „Ich könnte heulen vor Glück“, sagte ich zu Max, nachdem wir uns bis fast ans Ende der Reihe zu unseren Plätzen durchgefädelt und unsere Becher unter den Sitzen abgestellt hatten. Ich weiß nicht, ob Max darauf etwas, und falls ja, was, erwidert hat; ich weiß auch nicht mehr, worüber wir bis zum Beginn des Spiels geredet haben; denn ich war, während ich weiter automatisch Bier in mich hineinschüttete, voll und ganz damit beschäftigt, — nennen wir es: anzukommen in der anderen Welt, die mich und meine sieben Sinne jetzt umfing.
Wo war ich also? Unsere Plätze befanden sich in der Kurve schräg hinterm Tor und, was die Höhe angeht, etwas unterhalb der Mitte, wenn ich mich richtig erinnere. Weiter rechts, ausgangs der Kurve, wie es so schön heißt, machte sich der Block der mitgereisten Bayern-Anhänger bemerkbar. Von der gegenüber liegenden Seite des Platzes, aus der Cannstatter Kurve, antworteten ihnen die VfB-Fans. Aber ich verstand weder, was die einen, noch was die anderen skandierten. Um uns gemischtes Publikum, auch mehrere Paare. Direkt vor uns etwa ein Paar, um die Fünfzig schätzungsweise, das Münchener Farben trug und, wenn es etwas zu jubeln gab, auch ungeniert für die Bayern jubelte (und nicht verprügelt wurde). Einmal während des Spiels gab es plötzlich Bewegung auf der Treppe und es hieß, glaube ich, das es irgendwo „losgehe“, worauf einige junge Männer in unserer Nähe sofort sehr interessiert die Hälse reckten und eine proaktive, wie der Bayern-Trainer vielleicht gesagt hätte, Bereitschaft zeigten, sich einzubringen, aber dann passierte doch nichts, und im Ganzen gingen die Leute genauso freundlich miteinander um wie Konzert- oder Theaterbesucher, eher großzügiger sogar, würde ich sagen. Erst nach einer ganzen Weile bemerkte ich, dass ich die Torlinie „unseres“ Tores (und die unteren Enden der Pfosten) nicht sehen konnte, weil eine Werbebande sie verdeckte. Komisch war, dass ich nicht das Gefühl hatte, draußen, d.h. im Freien zu sein. Man konnte zwar den Nachthimmel über dem Stadion sehen, aber es kam mir trotzdem vor, als säße ich in einer riesigen Halle.
Wird fortgesetzt

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