Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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09 09.10

Paul geht baden. Teil 27: Viral ist Trumpf

Von Paul-geht-baden
Vermischtes . 01:06 Uhr

Oh, sind das aufregende Zeiten für unseren im Verborgenen wirkenden kleinen Verein (den „Verein“ bitte nicht wörtlich nehmen, wir sind, ganz seriös, eine Dienst- und Kostenstelle), überhaupt für das virale Stadtmarketing: Ganz Deutschland blickt auf unsere Stadt und ihre Bewohner (und auch in Großbritannien berichtet man über die heißblütigen Schwaben: „smack in the kisser“ heißt auf guardian.co.uk die schmissige Überschrift zum Video, das die schnelle Gerade des Polizisten ins Gesicht der beherzten Parkschützerin zeigt; nebenbei bemerkt: der Bedauernswerten dürfte die hier und da – ja, auch hier – erfolgte Rubrizierung unter „ältere Frau“ mehr wehgetan haben als der Jab, wie wir Boxer sagen; ich möchte deshalb kurz daran erinnern, dass Rücksichtnahme und Anteilnahme auch dem Opfer gegenüber nicht ganz unangebracht sind, meine heißblütigen Freunde - auch alte Krähen dürfen sich angesprochen fühlen), ja, die Welt blickt auf Stuttgart und reibt sich verwundert die Augen. Totaler Imagewandel im Laufe weniger Wochen. Plötzlich wird Stuttgart als das wahrgenommen, was es immer schon war: hip, cool, krass (wir verkaufen ja keine Windeier, falls Sie verstehen, was ich meine). Wie Sie, meine verehrten treuen Leser wissen, neige ich im Ausdruck mitunter zum Überschwang, meine romantische Ader, aber in diesem Falle kann ich auch in aller Nüchternheit nicht anders, als zu sagen: Es ist ein Triumph. Und glauben Sie mir, ich würde nur zu gerne in allen Einzelheiten erzählen, wie wir’s gemacht haben, aber das verbietet sich, wie Sie sicher verstehen werden, die Konkurrenz schläft ja nicht. (Nur soviel darf ich wohl sagen: Paul, unser Mann auf der Straße, spielte natürlich eine wichtige Rolle – obwohl er inzwischen Oberhaupt einer kleinen Familie ist und nicht mehr nur Stuttgart gegenüber in der Pflicht steht. Richtig: keine Pauletten und Epauletten mehr, und das Badengehen muss er sich abknapsen, so gut es eben geht.) Nein, was mir Sorgen macht, ist, wie wir unseren OB, den Herrn Schuster, Herrn Drexler und all die anderen (auf Herrn Grube hatten und haben wir keinen Einfluss), die bisher so großartig mitgespielt und selbstlos die Rollen der verbohrten Politiker übernommen haben, die ein größenwahnsinniges Prestigeprojekt mit Scheinargumenten verteidigen, wie wir die, glaubwürdig, und ohne sie zu beschädigen, aus der Nummer wieder rauskriegen. Unser Versäumnis, wir haben, ehrlich gesagt, nicht damit gerechnet, dass wir so erfolgreich sein würden. Aber es spricht für die Herren Schuster, Drexler et al., dass sie sich ohne Rückfahrkarte zur Verfügung gestellt haben. Aber eines muss klar sein: Um Stuttgarts neues Sahne-Image langfristig zu sichern, muss S 21, zu dessen Gegnern die genannten Herren natürlich in Wirklichkeit auch selbst gehören, abgesagt werden, ohne Wenn und Aber, der Tunnelplan muss krachend scheitern. Sonst war alles für die Katz.

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2 Kommentare zu Paul geht baden. Teil 27: Viral ist Trumpf

#1 Exilostfriese . 09.09.10 . 10:45 Uhr

Das hab ich mir ja gleich gedacht, dass das ganze nur ein billiger Marketing-Gag ist. Das Stuttgart das nötig hat, nur um in die Nachrichten zu kommen, so ein Fakeprojekt zu starten, sagt dann schon anders. Na hoffentlich merken das nicht so viele. Wir brauchen hier unbedingt mehr Reingeschmeckte.

#2 Paul-geht-baden . 09.09.10 . 12:52 Uhr

Täuschen wir uns, oder ist Ihre — sagen wir: Interpretation genauso platt wie das Land, aus dem Sie stammen? Und der Ausdruck ‘Neigschmeckte’ ist für Zugezogene offiziell bis 2020 gesperrt (muss sich erholen von der ewigen Anwanzerei).

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