Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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13 10.07

Paul geht baden. Teil 15/2: Staffellauf: Bindung des Herzens

Von Paul-geht-baden
Vermischtes . 01:38 Uhr

Für Chéggy
und alle Schwäbinnen und Schwaben in der Diaspora
„Die, die zu Hause bleiben“, sagt Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk, „sind irgendwie traurige Gestalten.“

Ach, die Heimat, die teure (was für Stuttgart ja in jedem Fall gilt, egal, wie man’s liest). Da lebt und strebt man Jahrzehnte an einem Ort (ohne Übereifer natürlich), unterhält Beziehungen zu Leuten aus allen Schichten und Berufen (o.k., sind nur drei, vier…), sieht jeden Morgen ins unbestechliche Lokalblatt (weil man wissen will, ob der Kapitän des Cricket-Teams zu Frau und Kind zurück gekehrt ist oder ob das adipöse Nagelstudio-Luder aus Endelbang den sympathischen Sportler unbegreiflicherweise noch immer in ihren Bann schlägt) und stellt irgendwann bestürzt fest, dass es in unmittelbarster Nähe, nur wenige Fuß- oder Radminuten entfernt, Dinge gibt, von denen man in all den Jahren vielseitiger Interessiert- und allseitiger Offenheit nie etwas gehört oder gesehen hat, die man sich, wenn man ehrlich ist, nicht einmal hat vorstellen können. Beispiel folgt in Kürze.

Was man sich ja auch nicht vorstellen kann, ist, dass jemand zwanzig Jahre lang keinen Sex hat (aber auch das gibt es in Ihrer Nachbarschaft, liebe Leser aus nah und fern). Gut, es gibt das Zölibat, aber das geschieht ja praktisch im religiösen — wie soll ich mich jetzt ausdrücken, ohne gleich wieder Gefühle zu verletzten? sind so sensibel, unsere Gläubigen — sagen wir: in religiöser Inbrunst. Mir kommt da jetzt, während ich hier im Automatikmodus vor mich hinschreibe, — ein Gedanke, wollte ich natürlich sagen… Warum finde ich eigentlich den indischen Sadhu, der dreißig Jahre lang den rechten Arm in die Luft reckt (so dass der zum Teil regelrecht verdorrt), um Gott gefällig zu sein, irgendwie sympathischer (kopfschüttelnd natürlich) als einen Zölibateur, der dreißig Jahre lang ein anderes Körperteil auf andere Art und Weise nicht benutzt, ebenfalls im Namen Gottes (Gott sei Dank streckt er es nicht auch in die Luft!)? Irgendwie vergleichbare Leistungen, meine ich…

Und wie passt — langsam kommt der Gablenberger Staffellauf wieder in Sicht: halt aus, mein letzter treuer Leser, halt aus, nur gemeinsam erreichen wir das Ziel, or else we both shall perish, wie der Dichter sagt — wie passt Freund Clemens, der mir persönlich sympathischer ist als irgendwer sonst, da hinein, der seit dem Tod seiner Frau Charlotte bei einem Flugzeugabsturz vor der amerikanischen Ostküste bei Boston vor — sind das jetzt 15 Jahre? oder 20? — wenn auch sonst nicht gerade mit überschäumender Lebensfreude, aber in heiterer Abstinenz sein Leben lebt? Warum finde ich den Diener des Herrn öde und Clemens romantisch? „Ich bin verheiratet“, sagt Clemens, wenn ihm jemand einschlägige Vorschläge macht. Mit einer Toten. Das geht offenbar.

Wird fortgesetzt

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