Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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28 12.09

Paul geht baden (aber nicht zum Fußball). Teil 26/3. Eines führt zum anderen. (Der Pokal hat eigene Gesetze oder Bier ist kein Alkohol)

Von Paul-geht-baden
Vermischtes . 16:00 Uhr

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Wenn mehr als 50.000 (nach meinem Eindruck mehr als Dreiviertel davon Männer, und unter denen die Älteren deutlich in der Minderheit) ins Stadion gehen, sind eine Menge Leute unterwegs. Man bekommt das aber, wenn man Teil der strömenden Massen ist, wie ich es, meine zweite Flasche Bier in der Hand, die wieder nicht leer werden wollte, an diesem Abend an der Seite von Max war, gar nicht richtig mit. Welche Menschheit hier zusammenkam, wurde erst augenfällig, als wir, ziemlich zügigen Schrittes — wie alle anderen auch: man bummelt offenbar nicht herum auf dem Weg zum Spiel — die lange Gerade der von Straßenlaternen in eine Art Halblicht getauchten Mercedesstraße hinter uns gelassen hatten (von links, wo sich die Ödfläche des ehemaligen Güterbahnhofs ausbreitet, und von rechts, wo der leere Wasenplatz an die Straße grenzt, drängte großvolumig die kalte schwarze Nacht heran) und vor dem Stadion ankamen. Hier, auf dem Platz vor dem Haupteingang, der großflächig strahlend hell erleuchtet war, ballten und stauten sich die Menschenströme und boten ein phantastisches, wild bewegtes Bild. Ich konnte nicht auf Anhieb erkennen, wo in dem Wirbel und Gewusel, in dem alle durcheinander liefen, als hätten sie plötzlich die Orientierung verloren, mein Platz sein sollte, aber dann wusste auch mein Cicerone Massimiliano (und mit ihm ich) nicht mehr, wohin wir uns wenden mussten. Ein wunderbarer Moment (vergleichbar vielleicht dem Erlebnis, wenn man auf einem Motörhead-Konzert, physisch und psychisch überwältigt vom Lärm und der Begeisterung, die man von zu Hause mitgebracht hat, bemerkt, dass man nicht mehr weiß, wie man heißt und wo man wohnt und, statt Angst, eine Explosion von Glück empfindet), und flashartig fantasierte ich, dass ich Max in der wogenden Menge verlieren, in den Katakomben der Arena (falls es welche gab) herumirren und ihn erst in der Halbzeit wiederfinden und mir das verpasste Spiel in prägnanter Kürze und konzentrierter Farbigkeit nacherzählen lassen würde. Nur ein Sekundentraum. Denn sofort hatten wir einen Ordner gefunden, der uns, total entspannt, freundlich und ohne viele Worte zu machen, erklärte, wohin wir mussten. Zurück nämlich. Was bedeutete: heraus aus dem von Absperrgittern gebildeten Trichter, in den wir schon ein gutes Stück hineingelaufen waren, und fast ums halbe Stadion herum in die Untertürkheimer Kurve. (Jetzt, da ich dies schreibe, fast ein Jahr nach dem Ereignis, gibt es sie nicht mehr. Sie war das erste Opfer des Stadionumbaus, der noch nicht abgeschlossen ist. Wer das, was ich hier berichte, nachrecherchieren will oder auch nur die Schauplätze aufsuchen möchte, um sich ein besseres Bild machen zu können, stößt in diesem Punkt an Grenzen. Etwas ist Vergangenheit geworden, und damit unzugänglich. Aber das ist man ja gewohnt in Stuttgart, wo der Zahn der Zeit die Gegenwart und ihre Erscheinungsformen schneller — sagen wir: wegnagt als andernorts, nicht wahr?)

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