Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
16 03.12

Salon K

Von Wegschaffel
Vermischtes, Leben, Fundsachen . 12:53 Uhr

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Wer kennt den Salon K oder kann Angaben zu seinem aktuellen oder früheren Zweck machen. Es ist kein Friseursalon. Im Schaufenster stehen Yuccapalmen. Ein Billardkugel, die schwarze 8, liegt wie zufällig daneben.

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15 03.12

Auf den Dächern von Stuttgart

Von Paul-geht-baden
Vermischtes . 17:43 Uhr

Danneckerstraße

Ich weiß nicht recht, ob ich sehe, was ich sehe, aber mir fällt dazu - obwohl der Mann ja nicht nur einen Hut aufhat, sondern auch sonst bekleidet ist - ein Witz ein, den ich neulich in einem amerikanischen Film gehört habe:
Was sagt der Elefant zum nackten Mann?
Kannst du durch das Ding wirklich atmen?

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06 03.12

Beuys und Warhol und das Lucas-Cranach-Rätsel in der Staatsgalerie

Von Paul-geht-baden
Vermischtes . 17:01 Uhr

Seit einiger Zeit besuche ich in schöner Unregelmäßigkeit die Staatsgalerie und sehe mir dabei - immer nur zwei, drei Säle pro Besuch - die ausgestellten Schätze der Sammlung an (die “Sammlung” ist die immerwährende Ausstellung im Unterschied zur “Ausstellung” bzw. “Aktuellen Ausstellung”, die nur auf Zeit in der Staatsgalerie zu sehen ist). Durch eine glückliche Fügung habe ich mit Saal 42 begonnen, dem letzten in der fortlaufenden Nummerierung, und so arbeite ich mich jetzt gewissermaßen rückwärts aus dem Mittelalter in die Neuzeit und Gegenwart. Die Zeitfolge wird aber in der Abfolge der Säle (und auch in der Hängung innerhalb der Säle) immer wieder absichtsvoll, wie ich annehme, durchbrochen. So hängt in einem der Säle neben Werken aus dem 13. oder 14. Jahrhundert unvermittelt ein Bild von Paul Klee. Und zwischen Mittelalter und früher Neuzeit findet man sich plötzlich in einem Joseph-Beuys-Saal (Nr. 38), der von großräumigen Installationen dominiert wird. Für gewöhnlich passiere ich diesen Ecksaal fliegenden Schrittes, am letzten Mittwoch jedoch, gleich nach der Bauplatzbesichtigung, die hier so großes Interesse gefunden hat, (und vor der Epiphanie, wenn der Ausdruck denn erlaubt ist, auf dem Schlossplatz) machte ich, als ich Nr. 38 fast schon durchmessen hatte, auf dem Absatz kehrt, weil ich aus den Augenwinkeln bemerkt hatte, dass im Beuys-Saal auch ein Warhol hängt. Nicht, dass mir Warhol wesentlich lieber wäre als Beuys, aber ein paar Tage vorher hatte ich (auf Arte) einen fast vier Stunden langen (tollen!) Film über Andy Warhol gesehen (verteilt auf zwei Abende), in dem auch die “Disasters and Catastrophes”-Serie, zu der das Staatsgalerie-Bild gehört, ausführlich behandelt wurde. Nicht mein Fall zwar (nicht kunstvoll genug), aber man sieht ein Bild doch mit anderen Augen an, wenn man weiß, wie es entstanden ist, wie es hergestellt wurde: aufmerksamer, geduldiger, auch verwunderter… (wer weiß, vielleicht werde ich mir auch die Beuys’schen Installationen eines Tages mit solchem Blick ansehen…). Aber all dies, liebe Freunde der schönen Künste und der leichten Unterhaltung, all dies nur nebenbei, am Rande des Wegs; denn auf diesem strebte ich ja Anderem zu, zuerst einem Bild mit dem Titel “Maria mit dem Kind und dem Johannesknaben” von Lucas Cranach d. Ä. aus dem Jahr 1535, das unser Foto zeigt.Lucas Cranach
Mir ging es diesmal nicht um das Bild, um die Malerei, sondern um die kleine Tafel daneben. Ich rechne eigentlich immer damit, dass ich mich täusche, dass die Erinnerung mich trügt und alles in Wirklichkeit ganz anders ist, als ich mir einbilde. Aber auf dem Täfelchen stand immer noch derselbe Text wie beim letzten Besuch, ein Text den ich nicht verstehe: “Das Thema des ursprünglich auf Holz gemalten, erst 1875 auf Leinwand übertragenen Bildes hat Cranach mit geringen Modifikationen wiederholt aufgegriffen.” Meine Frage ist: Wie überträgt man ein Bild, das auf Holz gemalt wurde, 340 Jahre später auf Leinwand? Hat jemand eine Erklärung?

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01 03.12

Bauplatz (und Baustelle der Gefühle)

Von Paul-geht-baden
Vermischtes . 19:19 Uhr

Während der gesamten Auseinandersetzung um Stuttgart 21 (die noch nicht zu Ende ist, ich weiß), habe ich nicht einmal das betroffene Gelände besucht und in Augenschein genommen - obwohl ich manchmal daran gedacht habe; aber es ist eben nie dazu gekommen. Gestern nun, habe ich, angeregt durch einen Artikel in der Stuttgarter Zeitung, in deren Online-Ausgabe ich manchmal hineinsehe, um das Mit-der-Arbeit-Beginnen noch ein wenig hinauszuschieben, am Nachmittag einen kleinen Ausflug zum “Bauplatz” gemacht, dem gerodeten Stück Schlossgarten südlich des Hauptbahnhofs, um mir endlich einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Vielleicht hatten auch andere den genannten Artikel (in dem die schwierige Situation der Bauplatzanlieger geschildert wird: das Planetarium, ein Biergarten, …) zum Anlass genommen, sich in den Schlossgarten aufzumachen, vielleicht war’s der Frühling, der manchen zu einem Spaziergang herausgelockt hatte, und die meisten der Menschen, die ich sah, haben sicher nur auf einem Weg von hier nach da den Weg am Absperrzaun entlang beschritten -, jedenfalls waren eine Menge Leute unterwegs im Park. Und viele von ihnen - egal, was sie hergeführt hatte - blieben, wenn sie auf dem Ferdinand-Leitner-Steg, der die Schillerstraße überspannt, eine gewisse Höhe erreicht hatten, stehen, lehnten sich ans Geländer (oder auch nicht), machten Fotos oder sahen sich die Bescherung gleich an Ort und Stelle in Ruhe an: das Stück nackte braune Erde, das demnächst eine Baugrube werden soll. Zwei, drei Arbeiter mit gelben Helmen waren auf dem Gelände zu sehen, und auf der anderen Seite, am Südflügel, noch ein gutes Stück entfernt vom Bahnhofsturm, bewegte sich ab und zu einer der beiden Baggerkräne, mit denen dort die Wände eingerissen werden. Sonst tat sich nichts, lag die zukünftige Baustelle verlassen da; aber es war ja auch schon fünf Uhr nachmittags. Das Einzige, was an die Besetzung dieses Parkteils erinnert, an das Zeltlager, das hier über Monate bestanden hat, ist ein Baumhaus in einer Platane, das die Räumungskräfte nicht zerstört haben. Ich weiß natürlich nicht, wie es den anderen Leuten erging, die da innehielten und den Blick schweifen ließen, weiß nicht, was sie dachten, mit welchen Gefühlen sie das verwandelte Stück Schlossgarten betrachteten; ansehen konnte man es ihnen nicht; von mir aber kann ich sagen, dass ich - ja, tatsächlich - überrascht war, wie überschaubar das Ganze ist: Fußballfeldgröße etwa. Offenbar war das betroffene Areal in dem Innenbild, das ich mir davon gemacht hatte, wesentlich größer gewesen. Hatte die Tatsache, dass ich immer ein Gegner von S 21 gewesen bin, eine ausdehnende Wirkung auf meine Vorstellung von der Größe der Baustelle gehabt? Ich ging hinüber bis dort, wo der ZOB gewesen ist, und wieder zurück, bemerkte, dass knapp jenseits der Absperrung eine Platane verschont geblieben ist. Aber die Baumgruppen und die Rasenfläche, die es dort jenseits, wo jetzt die Erde zutage liegt, bis vor kurzem noch gegeben hat, konnte ich mir nicht mehr vorstellen. Auf einem geräumten Areal gibt es eben in erster Linie: nichts. Außer einer gewissen Enttäuschung über die Banalität des Bauplatzes empfand ich denn auch: nichts. Bis mir, als ich schon auf dem Schlossplatz war und mich von dem schönen Licht anrühren ließ, das in der Halbdämmerung darüber lag (wie in ineinander übergehenden Schichten und wunderbar — sagen wir: fluid) (ringsum leuchteten überall schon die Lichter; und am Himmel, über dem Talkessel und den Kesselrändern, lagen reglos kreidige Wolken) — bis mir der Gedanke kam: Und was, wenn es falsch war und ist, gegen Stuttgart 21 (gewesen) zu sein? Mulmiges Gefühl, ziemlich mulmiges Gefühl. Ist das schon der Vorschein der Macht des Faktischen?

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23 02.12

Abstellgleis

Von Paul-geht-baden
Vermischtes . 14:02 Uhr

Für alle, die beim Thema Stuttgart 21 noch ein offenes Ohr haben - in diesem Fall am besten zwei offene Ohren -, haben wir einen Radiotipp. Heute Abend, von 22:03 bis 23:00 Uhr gibt es auf SWR 2 das Radiofeature “Abstellgleis für alle” von Wilm Hüffer. Die Hörprobe hier klingt interessant. Da dies hier auch weiterhin kein Platz für Veranstaltungstipps und sonstige Ankündigungen sein soll, ergänzen wir diesen Hinweis in den nächsten Tagen mit ein paar Zeilen, in denen wir mitteilen, wie’s war und wie wir’s gefunden haben, das Feature. Wer heute Abend verhindert ist, kann die Sendung mit dem dradio-Recorder auch aufnehmen, Informationen dazu hier. Und ab dem 26.2. gibt es “Abstellgleis für alle” auch als Podcast. Wegen des Themas, das im Blog ja eine Art Kernschmelze ausgelöst hat, noch ein Hinweis: Kommentare, die nicht geeignet sind, den Frieden in der Welt und die Bildung und Wohlfahrt der Völker zu fördern, werden umgehend gelöscht. Also vor dem Kommentieren eventuell Beruhigungsmittel einnehmen, Freunde.

24.2.2012. Und hier also, wie angekündigt, unser kurzer Bericht, der Ihnen vielleicht Lust macht, sich die Sendung selber noch anzuhören:
Erzählerstimme und Interviewschnipsel (von Stuttgart 21-Projektsprecher Wolfgang Dietrich und seinem Vorgänger Wolfgang Drexler, von Bahnexperte Michael Holzhey und anderen), dazwischen jeweils kurz Musik und/oder Bahngeräusche. Dazwischen auch, in kleinen Häppchen, eine Art Minihörspiel mit zwei Jungs, die sich beim Eisenbahnspielen streiten. In welcher Weise diese Hörbilder aus der kleinen Welt des Kinderzimmers die Auseinandersetzung in der großen Welt der Politik spiegeln sollten, hat sich mir zunächst nicht erschlossen. Aber dazu später noch etwas.
Die Hauptthese, von der das Feature ausgeht: Wenn man die Bedeutung für das nationale und europaweite Schienennetz zugrunde legt, gibt es viel dringlichere Projekte als Stuttgart 21, insbesondere die Rheinschiene. Woraus die Frage abgeleitet wird, warum trotzdem S 21 mit solcher Entschlossenheit vorangetrieben wurde. Diese Frage ist das eigentliche Thema des Radiofeatures. Anfangs war es nicht die Bahn, heißt es, die sich für S 21 ins Zeug gelegt hat, sondern das Land Baden-Württemberg, insbesondere der damalige Ministerpräsident Oettinger. Und warum? Aufwertung der Landeshauptstadt, die als nicht – mein Wort – glamourös genug empfunden wurde, durch ein Prestigeprojekt, letztlich Minderwertigkeitsgefühle. Jedenfalls lokale, regionale Gründe. Und noch etwas Anderes war offenbar enorm wichtig: Die Chance, an Bundesmittel zu kommen. Man muss selbst hören, mit welcher Verve der Projektsprecher (ich weiß nicht mehr, ob es Drexler oder Dietrich war) sagt: „Jetzt sind wir mal dran!“ und im selben Atemzug davon spricht, was Baden-Württemberg ständig in den Länderfinanzausgleich zahle.
Mich hat das an einen Kommentar erinnert, den „Matze“ vor ein paar Jahren (am 2.5.2007) zu unserem Beitrag „Lug und Trug“ geschrieben hat: „doch ist es nicht das lügen selber, welches den Schwaben ausmacht… Es ist eher die Tatsache das man niemand anderem etwas gönnt! Stellt euch das einfach mal vor: Eine Bank bietet euch Folgendes an: Sie bekommen 70.000 € und ihr Nachbar 30.000 € oder Sie bekommen 90.000 € und ihr Nachbar 150.000 €. Für welche Option entscheidet ihr euch? Der Schwabe hat die Antwort sofort parat!“
Um auf die Jungs zurückzukommen, die sich beim Eisenbahn-Spielen streiten. Vielleicht ist das doch ein treffendes Bild für die Triebkräfte, die uns Stuttgart 21 beschert haben. Wie könnte man sie nennen? Rechthaberische Kleinkariertheit?

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