Von Josh von Staudach
Kultur, Befindlichkeiten, Stuttgart 21 . 11:55 Uhr
Wärst du doch in Düsseldorf geblieben, schöner Playboy …
Nun, der »schöne Playboy« Ingenhoven kam nach längerer Zeit doch mal wieder nach Stuttgart und ich hatte die Gelegenheit, persönlich dabei zu sein, bei der Pressekonferenz in der Jägerstraße.
Die präsentierten Änderungen an der Planung für den unterirdischen Hauptbahnhof standen unter dem Zeichen der »Optimierung«. Wenn aber alle wesentlichen Entwurfsbestandteile (Lichtaugen, Glaskuppeln) kleiner ausfallen als ursprünglich geplant, darf man getrost annehmen, dass dies zum Streichkonzert des Auftraggebers Bahn AG gehört. Nun könnte man ja froh sein, wenn dadurch das Projekt geringere Kosten verursachen würde, aber Nein: es wird stetig teurer, man bekommt nur weniger für’s Geld!
Ingenhoven besteht weiterhin unverdrossen darauf, dass sein Bahnhof ein »zero-energy«-Bauwerk sei. Er benannte das so in einem Interview auf der DVD »Last Call for Planet Earth«. Darauf habe ich ihn nach der Veranstaltung angesprochen: Er meint damit, dass der Bahnhof keine Energie braucht um zu funktionieren und beruft sich auf Normen zum Nullenergiegebäude. Außerdem sei neuerdings ja geplant, auf dem großen Dach des Bonatzbaus eine Solaranlage zu installieren. (Für was, fragt man sich, wo doch keine Energie verbraucht wird?) — Ich sage ihm, dass meiner Meinung nach die gesamte CO2-Bilanz betrachtet werden müsse, um ein Produkt (oder Bauwerk) als ökologisch sinnvoll zu erachten oder es gar »grün« zu nennen, daher käme auch mein Vorwurf des Greenwashing. Nach zweieinhalb ausweichenden Sätzen gibt er zu, wörtlich:
… gut, Stuttgart 21 hat keine positive CO2-Bilanz.
Was übersetzt heißt: Der Bau des Bahnhofs und der Tunnel verschlingt so viel Energie und setzt soviel CO2 frei, wie im späteren Betrieb niemals eingespart werden kann! Diesen Sachverhalt zu verschleiern oder gar nicht zu nennen, wird gemeinhin als Greenwashing bezeichnet – Punkt.
Schlimmer noch ist aber, dass Stadt, Land, Bund, Bahn und deren Werbeagenturen sich diesem Unsinn anschließen und wo sie nur können das S21 Projekt als »grün« bezeichnen. Was in diesem Fall nicht mehr als eine Worthülse ist.
Herr Ingenhoven darf gerne in Düsseldorf bleiben und von uns Gegnern unbehelligt seinem Alltagsleben nachgehen, ob als Playboy oder als Architekt sei ihm überlassen. Hier in Stuttgart braucht seinen Bahnhof kein Mensch. Vielen Dank.
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Ergänzende Anekdoten aus der Pressekonferenz:
1. Ingenhoven wird gefragt, wie hoch denn nun die neuen Lichtaugen seien. Er blättert in seinen Unterlagen, findet aber nichts, bleibt zunächst ratlos. Drexler blättert auch und sagt: »4 Meter 30«. Ingenhoven bestätigt … Warum kennt ein Architekt, der sich auf die Präsentation der veränderten Pläne vorbereitet, nicht die Maße des wichtigsten Gestaltungselements seines Bauwerks?
2. Parallel dazu werden Illustrationen bzw. 3D-Renderings gezeigt, die über die schiere Größe und Klumpigkeit der Lichtaugen hinwegtäuschen sollen. Das Tricksen und Täuschen findet also kein Ende, von Beginn an wurde bei Modellen verharmlost und in Computeranimationen geschönt.
3. Herr Dr. André Zeug, Vorstandsvorsitzender der DB Station & Service AG wird gefragt, wie es sich denn auswirken würde, wenn im Fildertunnel ein ICE Unfall ähnlich dem in Vaihingen/Enz geschehe. Herr Zeug stutzt, wendet sich an Drexler und fragt: »Fildertunnel?« — Drexler erklärt ihm, das sei die Verbindung zwischen Bahnhof und Flughafen. Dann antwortet Zeug so leise, dass es 90% der Anwesenden nicht verstehen konnten (ich leider auch nicht) … Warum kennt der Chef aller deutschen Bahnhöfe, der sich theoretisch auf die Pressekonferenz vorbereitet haben sollte, einen der wichtigsten Bestandteile der gesamten S21 Planung nicht?
Man muss Drexler einen gewissen Respekt zollen, dass er in solchen Sachfragen aus der Patsche helfen konnte. Ein gutes Licht auf das Expertentum der verantwortlichen Planer wirft das Ganze aber überhaupt nicht. Wieder einmal.
Von Jack Hanson
Vermischtes . 20:17 Uhr
Von nick
Stuttgart 21 . 18:03 Uhr
Unterdessen gibt es neue Schlagzeilen im Spiegel:
Baden-Württemberg vergab fragwürdigen Millionenauftrag
tagesschau.de titelt an zweiter Stelle:
Kam Stuttgart 21 durch Millionen-Deal zustande?
Was wohl morgen in der Zeitung steht?
Von Wegschaffel
Leben, Fundsachen, Befindlichkeiten . 17:36 Uhr

Hej Datenschützer, wenn Ihr Euch an Google Streetview abgearbeitet habt schaut Euch doch mal hier um. Die Gesichter unserer Mitbürger sind zwar überschminkt und die Autokennzeichen übermalt, aber den einen oder anderen kann man sicher an seinen Klamotten (Guck, dr Gerry mit seim Nodelstroifa-Tishert) oder schlicht am Werbeaufdruck auf dem Kombi erkennen. Ob das alles schlimm ist, weiss ich noch nicht so genau.
Von Rote Socke
Vermischtes . 11:41 Uhr
Obwohl sie sich als Pressevertreter ausgewiesen haben wurden bei der Räumung des Nordflügels auch drei Journalisten verhaftet. Und das offensichtlich auch noch gezielt bei Beginn der Räumung, wohl um deren Berichterstattung zu verhindern. Hier ein Schreiben der Deutschen Journalisten Union und der Jugendpresse u.a. an den Polizeipräsident.
Und da sich auch bei diesem Fall die Polizisten weigerten Name oder Dienstnummer zu nennen gibts hier nochmal einen Link zur Kampagne von Amnesty.