Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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15 07.09

Osten am Ende

Von Wegschaffel
Leben, Politik, Befindlichkeiten . 15:20 Uhr

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Vor zwanglosem Schlendern durch die Ostendstraße in Stuttgart-Ost muss ich warnen. Bei Missachtung droht Ihnen Dauerkopfschütteln, Kulturdepression und großer grüner Arkelanfall. Es sei denn, Sie sind spielsüchtig, alkoholabhängig, Heavy-Döner-Abuser oder Soziologiedoktorand.

Ich bin dort ab und zu unterwegs, aber offensichtlich haben meine Rezeptoren bislang immer rechtzeitig dicht gemacht. Erst neulich ist mir aufgefallen, dass die ganze Strecke von der Talstraße bis zum Ostendplatz beidseitig durchseucht ist von miefigen Schnaps-Spelunken, Fettfleisch-Bruzzlern, Schrottläden, Call-Shop-Buden, Schlüsseldiensten und todtraurigen Automatenspielabsteigen (pardon „Lounges“, siehe Bild). Dazwischengeklemmt zwei Billigbäcker, ein geschlossener Gemüseladen, ein schmieriger Schlecker, ein Ex-HL und ein verratztes Autozubehörgeschäft.

Wie bilden sich solche Gewerbemüllhalden? Folgen diese „Läden“ dem Geruch ihrer Klientel? Umgekehrt? Oder ist das gar kommunalpolitisch gesteuerte Konzentration und Ghettoisierung?

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12 Kommentare zu Osten am Ende

#1 Micha . 15.07.09 . 16:31 Uhr

…und im hallschlag erst! echt scheisse, dass nicht ganz stuttgart so sein kann wie der killesberg…

#2 Wasilis . 15.07.09 . 18:52 Uhr

Jeder Laden hat einen Grund um zu existieren !!!

#3 Müx . 15.07.09 . 20:42 Uhr

Da sie ja scheinbar ein etwas größeres problem mit manchen Innerstädtischen Gefilden haben, rate ich ihnen: ziehen Sie doch einfach raus aus der Stadt. Es gibt immer mehr kleine Ortschaften, schön um Stuttgart gruppiert, in denen jegliches Leben ausser der Kehrwoche komplett ausgestorben ist. Müsste für sie ideal sein. Keine Callshops, keine Spielotheken und was am besten ist: nicht mal einen kleinen Supermarkt werden sie dort noch finden.
Da fühlen sie sich dann sicher wie im 7. Himmel.

Grüße von einem Stadtbewohner, der seine Stadt mag wie sie ist.

#4 Kutmaster . 15.07.09 . 20:49 Uhr

Hübsch isses da nicht, aber ist das an anderen Knotenpunkten z.B. im Westen, Süden oder Norden etwa besser mit den Spelunken, Call-Shops, Billigbäckern?

Schau dich doch mal am Marienplatz, an der Schwabstrasse oder am Nordbahnhof richtig um.

#5 Paul-geht-baden . 15.07.09 . 21:31 Uhr

Von Helmut Färber (genialer [oder pseudogenialer?] Filmkritiker & Kunsthistoriker - müssen Sie aber nicht kennen, Herr Wegschaffel) stammt der Ausdruck ‘Kretinüberschrift’. Gemeint ist damit die von einem Redakteur verbrochene ‘originelle’ Titelzeile zum Artikel eines freien Autors, die weit an Buchstabe und Geist des Textes vorbeigeht. Für die Antworten auf Ihren Beitrag schlage ich die Einführung der analogen Bezeichnung ‘Kretinkommentar’ oder kurz KK vor. Vielleicht tröstet Sie das ein wenig.

#6 Frau Doktor . 15.07.09 . 23:22 Uhr

Die Ansammlung von Spitzenetablissements in der Ostendstraße könnte man auch - mit etwas gutem Willen - als gut befestigte Widerstandslinie gegen die im Westen und Mitte schon weit fortgeschrittene Gentrifizierung interpretieren. Oder andersrum: Soziale Struktur - einer der höchsten Raten an Harz IV-Empfängern in Zentral-Stuttgart - und Konsumangebot passen ziemlich gut zusammen. Ganz so öde ist es aber doch nicht: Da ist der Bäcker Voß, ein schöner DM-Markt, in den Seitenstraßen gleich zwei gute Metzger (Schrotter und Diehl) - und als erster Vorposten der Ver-Westung des Ostens die Koch-Kunst in der Stuifenstraße. Mit einer Verschönerungsaktionen versucht die Stadt gerade wieder, der Gegend etwas mehr (klein-)bürgerliche Lebensqualität zu verschaffen. Mal sehen, ob sich der Alkitreff vor dem Rewe-Rondell dahin ausweitet oder sich etwas Urbanität entwickelt. Zum Wohnen ist Ostheim nämlich garnicht schlecht.

#7 Wegschaffel . 16.07.09 . 00:05 Uhr

___PgB: Heut bin ich leider untröstlich. Aber Danke dennoch.

___Frau Dr.: Sie haben mich erwischt, die zwei, drei Sonnenstrahlen im Dunkel habe ich unterschlagen. Aber erstens sind die bis auf den relativ neuen Bäcker Voß und den DM alle in den Seitenstraßen. Und zweitens ändert das an der Dumpfdichte im Herzen von S-Ost leider nichts.Was meinen Sie mit “Verschönerungsaktionen”?

#8 Frau Doktor . 16.07.09 . 09:54 Uhr

Durch die Verlegung der U-Bahn-Haltestelle Ostendplatz auf denselbigen musste die Platzmöblierung, vor allem das historische Pinkelhäuschen, verlegt werden. Das hat die Stadt zum Anlass genommen, eine Art kleinen Platz mit Bänken in die Rabatten auf der Ostendstraße zu setzen (ist noch nicht fertig), in Verlängerung des Eingangsbereichs dieses sog. Stadtteilzentrums, in dem auch der REWE ist. Ich vermute, die Spitzengastronomie und -konsumtempel fallen auch deswegen so unschön auf, weil gerade in diesem Teil der Ostendstraße sich ganz schreckliche Architektur zusammenballt. Und damit man auch sieht, wie schön es mal war, stehen noch versprengte Gründerzeitstadthäuser dazwischen. Absoluter Tiefpunkt, vor allem oflaktorisch, ist die Ecke Ostendstraße/Roßbergstraße. Döner, Eckel-Schlecker und zweifelhafte Gastronomie kippen ihren Müll zusammen - gehen SIe da mal um 14 Uhr an einem sonnigen Tag durch. Diesen Geruch werden sie nie mehr vergessen. Und dann stehen da jeden Tag Leute und verdrücken ihren Döner.

#9 Paul-geht-baden . 16.07.09 . 10:20 Uhr

Kompliment, Frau Doktor. War ein Vergnügen, Ihre kenntnisgesättigten Ausführungen zu lesen.

#10 Herr_Weise . 16.07.09 . 21:13 Uhr

Zwei weitere Sonnenstrahlen, die Ihnen verehrter Herr Wegschaffel, den Blick auf den Osten erhellen könnten, sind die Buchhandlung Ost und eine ganz ordentliche Eisdiele - beides direkt an der Ostendstraße. Ändert aber nichts an den schwierigen Etablissements und daran, daß die Ekel-Ecke Ostend-/Roßbergstraße abgerissen gehört. Ich hoffe sehr, dass das Theater im Depot (quasi im Hinterhof des Rewe) dort bleibt, das wertet die Ecke schon auf. Die Verlegung auf den Pragsattel wird ja immer wieder mal diskutiert. Der Bäcker Voß ist auch schon ein paar (vier?) Jahre am Ostendplatz

#11 Der MfG . 20.07.09 . 19:21 Uhr

Also bei ons in Degerloch isch des andersch ….

ok - ich hör ja schon auf ;-)

ich freu mich auf die lange Ost nacht am nächsten Samstag … shyce … jetzt habe ich doch tatsächlcih eine Veranstaltung hier angekündigt

#12 icke . 17.04.10 . 19:06 Uhr

bin vor kurzem von berlin - prenzlauer berg,(meiner heimat) die im übrigen jetzt schwer in schwäbischer hand ist, hier nach gründlicher suche, ganz bewußt, in den osten gezogen und ich muß sagen, dass ich das hier total korekt finde und mich wohl fühle.
arme leute essen billiges zeug aus billigläden und wer sich dann an den billigen läden in seinen ästhetischen wertvorstellungen gestört fühlt, ohne etwas zu ändern, als nur zu meckern, dem gehört gehörig wat uff die mütze.

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