Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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29 06.06

Nordlicht im Süden: Sprachverwirrung

Von Claudia
Vermischtes, Leben, Essen und Trinken . 00:23 Uhr

Schon mehrfach ist mir aufgefallen, dass man in Ludwigsburg und teilweise auch in Stuttgart nicht einfach in einem Zeitschriftenladen sagen kann: “Die FR bitte.” Verständnisloser Blick: “Wie bitte?” Ich muss die Abkürzung aussprechen, um eine Frankfurter Rundschau zu bekommen, falls es sie überhaupt gibt. Nun, mag die Schwäbin einwenden, ich kaufe ja auch nicht in Hamburg die Stuttgarter Zeitung. Aber …

  1. warum eigentlich nicht?, und
  2. ist die Frankfurter Rundschau im Unterschied zur Stuttgarter keine Regionalzeitung.

Mir offenbaren sich Ludwigsburg und Stuttgart hier so richtig provinziell, und das bekümmert mich, da ich doch sonst immer gerne eine Lanze fürs Stuttgart breche, und manchmal sogar eine zweite, kleinere für Ludwigsburg.

Weiterhin vermelde ich von der Speisekarte des Ennui in Ludwigsburg eine neue Gemüseschöpfung: die Aromate. Erst nach mehrfachem Lesen offenbarte sich mir die ganze Kreativität dieser Wortschöpfung. “Aromatee” konnte es nicht sein. Erst der Kontext (Ziegenkäse) brachte mich auf die Idee, dass man schlicht ein “t” durch ein “ar” ersetzt hatte. Ist das nun ein genmanipuliertes Gewächs oder bloß ein Marketing-Gag?

Interessant ist jedenfalls, was die Wikipedia dazu sagt:

Aromaten (aromatische Verbindungen) sind zyklische organische Verbindungen mit einer bestimmten elektronischen Struktur. Die physikalischen und chemischen Eigenschaften unterscheiden sich aufgrund dieser spezifischen Bindungsstruktur deutlich von den Aliphaten. Zur Unterscheidung zwischen Aromat und Aliphat dienen die Aromatizitätskriterien.

Ah-ja. Es wird noch schöner:

Ein Aromat liegt dann vor, wenn auch die folgenden Bedingungen erfüllt sind:

* Das Doppelbindungssystem ist planar; in Ausnahmefällen sind leichte Abweichungen von der Ebene gestattet. Zum Beispiel ist in einigen Cyclophanen die Benzoleinheit in einem Winkel von bis zu 30° bootförmig deformiert.
* Die Zahl der delokalisierten Elektronen muss der Hückel-Regel genügen, das heißt im konjugierten Elektronensystem müssen 2 oder 6 oder 10 oder 14… Elektronen vorliegen.

Vielleicht hätte mich der Umstand, dass diese wundervolle Beschreibung unter dem Stichwort “Aromaten” statt “Aromate” zu lesen ist, misstrauisch machen sollen … Ich glaube nicht, dass ich bei den Aromaten im Ennui Benzoleinheiten gefunden hätte, die in einem Winkel bis zu 30° bootförmig deformiert sind, von delokalisierten Elektronen ganz zu schweigen …

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9 Kommentare zu Nordlicht im Süden: Sprachverwirrung

#1 HAL . 29.06.06 . 04:12 Uhr

Naja, es funktioniert mit FAZ, SZ, NZZ und taz. Vielleicht ist die FR einfach doch nicht so bedeutend, wie Du es gerne hättest?

#2 Wegschaffel . 29.06.06 . 09:00 Uhr

Ein kennzeichnendes Merkmal einer überregionalen Zeitung ist die überregionale Erhältlichkeit. Und da schwächelt die FR deutlich.

#3 toxilogic . 29.06.06 . 10:04 Uhr

Es geht noch besser: Eine Freundin versuchte vor etwa drei Jahren in der Ecke Fellbach die TAZ zu kaufen und fragte danach an einem Kiosk. Daraufhin fragte der Verkäufer nochmal nach und sie wiederholte: “Die Taz hätte ich gerne”.
Und er verwies wie selbstverständlich auf die Ecke mit den Autozeitungen. Und tatsächlich: Dort lag die “DAZ”, die “Deutsche Autozeitung”.
Nicht nur, daß er die TAZ nicht hatte, nein, er kannte sie nicht einmal!

#4 TeeCee . 29.06.06 . 11:46 Uhr

Also bitteschön!
Aber die FR muss man wirklich nicht kennen.
Kann mich da HAL nur anschliessen.
Vielleicht solltest Du was vernünftiges (SZ/FAZ/NZZ) kaufen, dann klappt´s auch mit der coolen Abkürzung.

#5 Frau Doktor . 29.06.06 . 18:20 Uhr

Habe ich das richtig verstanden? In Ludwigsburg gibt es ein Restaurant, Bistro oder ähnliches, das sich Ennui nennt? Was wollen die mir denn damit sagen? Die langweiligste Küche weit und breit?

#6 Claudia . 29.06.06 . 19:20 Uhr

@Hal und Wegschaffel: Ich habe die FR jahrelang abonniert gehabt, obwohl ich nie in Frankfurt lebte, und finde sie klasse. Inhaltlich ist sie absolut “überregional”, den Vertrieb könnte man noch verbessern, das stimmt. Ab und zu braucht man dann mal eine taz, für mehr Witz.
@Teecee: Für mich ist eben die FR “was Vernünftiges”, von den Zeitungen, die du erwähnst, gefällt mir nur die NZZ. Und die ist mir “zu weit weg” (bin noch nicht richtig im Süden angekommen … ;-). Vielleicht kennt ihr die FR gar nicht richtig? Die Hintergrundberichte sind unschlagbar.
@Frau Doktor: Am Ennui ist der Name eigentlich das Schlimmste. Es ist ein hübsch aufgemachtes Lokal (vielleicht etwas zu “cool” – ihr wisst ja, ich steh da nicht so drauf, ich les FR …

#7 Henning . 30.06.06 . 01:52 Uhr

Also, ich seh die FR auch eindeutig als überregionale Zeitung und man sollte sie kennen. Auch nur durch die Abkürzung, vor allem wenn man sowas verkauft.
Und toll finde ich sie auch und das nicht erst seit ich drinstand. ;-)

#8 Claudia . 30.06.06 . 09:01 Uhr

Danke für die Unterstützung, Henning :-).

Geschickt plazierter Hinweis übrigens ;-). Kann man das irgendwo nachlesen?

#9 Henning . 30.06.06 . 12:39 Uhr

Hm, glaube nicht. Ich such mal.

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