Von nick
Stuttgart 21 . 23:03 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Schuster,
bei der Eröffnungsrede des Weindorfes sagten Sie, Sie wollten sich von den Stuttgart 21-Gegnern das Fest nicht verderben lassen. Das kann ich gut verstehen.
Allerdings liegt ein Missverständnis vor.
Die Stuttgart 21-Gegner gibt es nämlich gar nicht. Dann in Wahrheit ist die ganze Stadt gegen Sie. Vor den Toren des alten Schlosses standen nicht diese lästigen Stuttgart 21-Gegner, sondern Bürger, die Sie einst gewählt haben, weil Sie ihnen ins Gesicht gelogen haben. Oder Bürger, die sich dafür einsetzen, dass ihre Stadt nicht der Profitgier geopfert wird. Oder Bürger, die ihr Verständnis von Demokratie verloren haben. Oder Bürger, die sehr wütend sind darüber, dass man sie weiterhin hintergeht und für dumm hält. Diese Bürger sind längst deutlich in der Mehrheit. Und auch das kann ich gut verstehen.
Herr Dr. Schuster, alle wissen, dass Sie nichts mehr zu verlieren haben. Aber bitte sprechen Sie trotzdem nie wieder von den Stuttgart 21-Gegnern. Das geht an der Wahrheit vorbei.
#1 Südstädtler . 26.08.10 . 23:44 Uhr
Dann in Wahrheit ist die ganze Stadt gegen Sie
Gelogen.
Mach mal die Augen auf, dann kannst du bemerken, dass viele für das Projekt sind.
So gesehen hat der Herr Schuster recht, zumindest in diesem Punkt.
#2 Der Flaneur . 26.08.10 . 23:54 Uhr
“Herr Dr. Schuster, alle wissen, dass Sie nichts mehr zu verlieren haben.” genau hier liegt ein Hauptproblem, auf das die S21-Gegner eine Antwort finden müssen.
Schuster hat nichts mehr zu verlieren - er wird einen Job in “Europa” finden.
Mappus wird als MP nicht wiedergewählt - wer weiß was er machen wird. (Oettinger ist schon weg)
Drexler hat nach seiner Einlage als Mister-Stuttgart21 weder in der SPD noch sonst wo eine Zukunft - er geht in Rente und “zehrt vom Ehrenamt”.
Grube geht in ein, zwei Jahren in den wohlverdienten Ruhestand, oder macht, was alle Manager/Netzwerker machen - er zieht weiter um irgendwo anders das Geld anderer Leute rauszuschmeißen
Es gibt tatsächlich schon in relativ kurzer Zeit niemanden mehr, den man zur Rechenschaft ziehen, dessen man habhaft werden könnte.
Das ist der Grund, warum sie ihr Projekt so rücksichtslos durchziehen können, warum sie es nicht nötig haben, sich an irgendeinen runden Tisch zu setzen, oder sich gesprächsbereit zu zeigen.
Wie soll man solchen Leuten beikommen?
Ich weiß keinen Rat.
#3 Micha . 27.08.10 . 07:48 Uhr
Hallo Nick,
sprich nicht für alle Stuttgarter. Ich habe Dr. Schuster gewählt und stehe hinter S21.Die gefühlte Mehrheit ist leider nicht die Mehrheit.
Es ist unverständlich, wenn die Demonstranten Chaos am Bahnhof verbreiten, und die Polizei als Türsteher sicherstellt, dass der Zug abfahren kann.
Rechtssicherheit ist ein Merkmal des Rechtsstaates. Jeder Wahlberechtigte Stuttgarter wusste wie SPD, CDU, FDP, Freie und Grüne zu S21 stehen.
Ich bin auch kein Fan einiger Gesetze der Bundesregierung. Aber als Demokrat muss ich mich der Mehrheit beugen. Wir wählen Volksvertreter für einen Zeitraum. Wenn wir eine direkte Demokratie wollen, müssen wir Parteien wählen, die das ermöglichen.
Dieser Relativismus geht mir gegen den Strich.
Demonstrieren ja, aber kein Chaos !
-Auch am Bahnhof demonstrieren, kein Thema, auch Pfeifen und Co. Gerne. Züge behindern, Bahnfahrer anpöbeln, Straßenblokaden - Nein.
#4 Philgrooves . 27.08.10 . 12:15 Uhr
Wenn Stuttgart ein Dorf mit 500 Einwohnern wäre, wäre das richtig. Ansonsten einfach falsch.
Übrigens setzen die S21-Gegner die ganze Aktion gerade grandios in den Sand. Es ist so wunderbar einfach die Leute gegen dieses Projekt aufzubringen, aber die Gegner schaffen es dass seit einiger Zeit immer mehr Leute nichts mit den Demonstranten zu tun haben wollen. Z.b. wegen Blog-Posts wie diesem hier. Oder wegen Straßen- und Zug-Blockaden.
Je mehr sie diesen Revolutions-Quatsch übertreiben, umso aussichtsloser wird das ganze. Ironie der Geschichte.
#5 Josh von Staudach . 27.08.10 . 15:00 Uhr
Ein typischer Fall von großreden und kleinreden. Die Gegnerseite überschätzt sich gelegentlich, aber die Befürworterseite will auch nicht wahrhaben, welche Dimension der Protest erreicht hat. Dabei ist es unnötig, unsinnige Zahlenspielchen zu betreiben und die Zahl der Demonstranten mit der Einwohnerzahl Baden-Württembergs zu vergleichen: Man braucht nie alle Gleichgesinnten, um einen Protest zu betreiben. Bei Streiks oder Gewerksschafts-Demos sind ja auch nicht bspw. alle öffentlich Bediensteten auf der Straße.
Das Problem liegt vielmehr an der Stelle, die FLANEUR beschreibt. Deshalb ist es wichtig, jetzt weiter Präsenz zu zeigen! Kommt heute abend 19 Uhr auf die Schillerstraße vor dem Hauptbahnhof — wir werden wieder Tausende sein und die Bilder werden in ganz Deutschland gesehen! Wie Peter Conradi jüngst gesagt hat:
Der Druck muss in Berlin spürbar sein!
#6 Baphomet . 27.08.10 . 15:20 Uhr
Josh, volle Zustimmung! Jeder, der nicht will, dass S21 mit all seinen negativen Folgen umgesetzt wird, kann dies heute um 19 Uhr (Heilbronner Str.) und später am Landtag zeigen. Alle anderen können ihrem Alltagsvergnügen nachgehen oder dann demonstrieren, wenn der Projektabbruch verkündet ist…
#7 Josh von Staudach . 27.08.10 . 16:14 Uhr
Übrigens findet sich die 7-minüte Rede unseres Oberschusters auf Youtube.
Ich bin nicht der Filmer, aber die Anmerkung hätte ich nicht besser formulieren können:
Liebe Freunde der schwäbischen Gemütlichkeit: hier sehen Sie den Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart — einen Mann mit dem Charisma einer Metzelsuppe, dem rhetorischen Talent einer Schupfnudel, dem Gewissen eines Bubenspitzle und der Körpersprache einer Maultasche — wie er, Stunden nachdem er die von ihm verwaltete Stadt für immer im Stich gelassen hat, zum hoffentlich letzten Mal in der Öffentlichkeit auftritt.
#8 Chris71 . 27.08.10 . 17:00 Uhr