Von pongi
Vermischtes, Politik . 15:58 Uhr

Als ich heute morgen las, dass Herr Sommer nicht mehr für den sozialen Frieden garantieren könne (wenn er es je konnte), dachte ich noch: Au weia, jetzt schlägst aber 3Zehn, bald haben wir hier brennende Fahrzeuge und tobenden Mob, oder was?
Wie ich heute beim beruflichen Besuch der Demonstration vor der Mahle Firmenzentrale erleben konnte, äußert sich die “Soziale Unruhe” in Deutschland anders: verzweifelt, aber nach Regeln.
Nach der Kundgebung und viel Beifall setzte sich der Zug in Richtung Westen die Pragstrasse hinauf Richtung Abfahrtsplatz in einer Seitenstrasse.

Nach einigen Metern auf dem Bürgersteig brach ein Teil der Demonstrationsteilnehmer aus und schwenkte auf die Strasse. Normal, denkt jetzt der findige Leser, ist ja eine Kundgebung.
Aber nicht ganz, da dieser Vorgang den Zwischenrufen und Äußerungen von Ordnern nach zu urteilen, eine nicht angemeldete Demonstration darstellt.
Und jetzt wird es interessant: ein Ordner versuchte nun die Leute, die das Transparent vorweg trugen, wieder auf den Bürgersteig zu schieben, seinem Auftrag für den ordnungsgemäßen Ablauf zu sorgen gerecht werdend.
Die Äußerung des Zurückgedrängten daraufhin lässt mich nachdenken, er sagte: Es geht hier um meine Existenz!
Und sein Kollege in Funktion des Ordners dachte mit Sicherheit so wie ich: Verdammt, da hat er Recht.

Ich möchte vermuten, dass er mit sehr viele Unbehagen seinen Job versuchte zu tun, wissend, dass der Bedrängte eigentlich ein Recht darauf hat, auf seine Situation aufmerksam zu machen, auch mal den Verkehr für einen wirklich kurzen Augenblick zu blockieren.
Und da fällt einem auf, dass man in Deutschland ist. In Frankreich wäre wahrscheinlich was ausgebrochen, aber in Deutschland bleibt man ruhig, verzweifelt und fügt sich irgendwie in die Situation.
Nach vielleicht 75 Metern (maximal) bog der Zug in die Seitenstrasse ein und der Verkehr floss wieder. Die Einsicht siegt? Man fügt sich? Man kann eh nichts damit ausrichten?
Demonstriert wird in Deutschland nach Regeln: geh, aber auf dem Bürgersteig; nur zwischen 10:00 und 12:00h; nur wenn es nicht so laut ist; nur wenn es angemeldet ist…..

#1 Josh von Staudach . 23.04.09 . 18:24 Uhr
Na schaumermal wie lange das noch so friedlich bleibt. In Berlin wird im Schnitt schon 1 Auto pro Tag angezündet, Tendenz steigend. Seltsam, dass das nicht in den Medien zu sehen ist.
Zum Tagesthema titeln heute die Stuttgarter Nachrichten mit:
»Angstmacher«
Die Warnungen vor sozialen Unruhen sind unverantwortlich, meint der stellvertretende Chefredakteur Wolfgang MolitorDGB-Chef Michael Sommer schließt also angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise soziale Unruhen auch in Deutschland nicht mehr aus. Und der milliardenschwere Unternehmer Reinhold Würth, in Steuerfragen versiert, hofft vielsagend, „dass wir keine bürgerkriegsähnlichen Unruhen bekommen“. Was für ein unverantwortliches Gerede! Ja, die Lage ist ernst. Viele Bürger haben in der Tat die Dimension der Krise noch nicht erfasst. Richtig ist auch, dass die Politik das Ausmaß bis jetzt eher kleingeredet hat und die Schwarzmaler zurzeit recht bekommen. Das gilt für die gigantische Summe der Steuer-Milliarden wie für die sich verdüsternden Arbeitsmarktprognosen. Und doch: Wer jetzt über mögliche soziale Unruhen schwadroniert, zündelt. Sommer schürt Angst, schließt Massenentlassungen nicht aus und drängt die Bundesregierung zu einem dritten, voreiligen Konjunkturpaket, um Jobs zu sichern. Würth gefällt sich als Schrauben-Kassandra und verlangt, der Staat müsse sich „mit allen Mitteln gegen die Krise stellen, um die Unternehmen über die Hürden rüberzubringen“. Da versuchen zwei, ihre Interessen gegeneinander auszuspielen. Doch sie sollten sich zügeln: Denn mit der Angst vor sozialen Unruhen spielt man nicht.
Nun mal die Frage in die Runde, inklusive an Herrn Molitor: Wer macht wem Angst? Also wer bekommt Angst vor sozialen Unruhen? Haben etwa diejenigen Angst, die schon Angst um ihre Existenz haben (s.o.)? Oder müssen nicht vielmehr diejenigen Angst haben, die den Mist verbockt haben? Das wäre doch dann gar nicht so schlimm … ;-)
#2 nick . 23.04.09 . 21:36 Uhr
Zumindest bewundere ich die Briten. Da werden Bankengebäude angegriffen und Scheiben eingeschlagen. Klasse, Jungs! So werden Zeichen gesetzt. Das wünsche ich mir auch bei uns.
#3 Ralph . 24.04.09 . 09:28 Uhr
Auch die StZ fragt sich im heutigen Leitartikel angesichts der Bedrohung: “Kocht die Volksseele? Nein.” Fast so als sehne man sich Aufstände herbei. Ja, eingeschlagene Scheiben und brennende Bankgebäude, das wäre Stoff zum Berichten! Hierzulande wird brav abgewrackt statt abgefackelt. Und im September CDU gewählt.
Aber mal ganz ehrlich: Ich bin heilfroh, dass wir hier keine französischen oder britischen Verhältnisse haben. Ich wünsche mir gewalttätige Demonstrationen bei Gott nicht herbei. Und dass es hier (noch) relativ zivilisiert zugeht liegt vielleicht weniger am fehlenden Zorn, sondern daran, dass es uns materiell noch (noch!) ganz gut geht. Was fehlt, ist jemand, der ein Konzept hat, wie in Zukunft verhindert wird, was jetzt schief lief und der der Politik des Weiterso etwas mehr als Polemik entgegensetzen kann.
#4 Helmut . 24.04.09 . 20:18 Uhr
Hallo,
unter http://www.mahle-soli.de/ => Download gibts den Mahle- Song