Vor kurzem bin ich mit dem 40er und 45er gefahren und war von den neuen Anweisungsaufklebern irritiert. Einerseits, dass es solch eine Anweisung gibt, die eben nicht mehr wie früher erst ab 21:00 Uhr gilt, zweitens irritierte mich dass das ab 1. Mai nur für die Buslinien 60, 61 und 62 gilt und drittens, dass, obwohl ich mit dem 45er gefahren bin und somit nicht mit einem der drei aufgezählten Buslinien mich dennoch daran halten musste und das schon Abends gegen 18:00 Uhr nicht hinten einsteigen durfte. Vorne klebte dann noch die Anweisung, dass man grundsätzlich (egal zu welcher Uhrzeit) seinen Fahrausweis vorzeigen soll. Wirklich durchdacht auf Effektivität scheint das ja nicht zu sein. Ein Kommilitone von mir meinte, dass ab dem 1. Mai eben diese Buslinien empfindliche Verspätungen haben. Klar, weil die Fahrgäste die bisher ohne den Fahrausweis vorzeigen zu müssen in 2 – 3 Türen eingestiegen sind, müssen jetzt alle durch eine Tür. Sollen wir uns jetzt Grundschüler- und Waldheimkinderverhalten aneignen und die Fahrkarte immer jederzeit vorzeigbereit im Brustbeutelchen herum tragen?
In Sindelfingen und Böblingen (RBS) hat mich das schon tierisch aufgeregt, dass man immer die Fahrkarte vorzeigen soll, wenn man in einen Bus einsteigt. Zudem hatte ich immer das Gefühl, dass der Busfahrer sich dann die Fahrkarte gar nicht genau ansieht. Zeigt man aber nicht unaufgefordert seine Fahrkarte vor, wird die Fahrkarteneinsicht sofort eingefordert.
Die Frage ist eben auch, was an den drei Buslinien so besonders ist? Ist der gesamte Kontext ein versteckter Hinweis auf einen sozialen Brennpunkt in Stuttgart mit vielen Schwarzfahrern, denen man jetzt mit „heftigeren Methoden“ begegnet? Wurde in dem Busliniengebiet Fahrkartenkontrolleure entlassen? Wird das jetzt in Zukunft in allen Buslinien kommen?
Die Buslinien fahren übrigens im Bereich Obertürkheim, Untertürkheim, Hedelfingen, Rotenberg, Rohracker, Uhlbach, Oeffingen, Luginsland und Fellbach. Auf der VVS-Seite habe ich keine Informationen zu diesem Vorgehen gefunden. Weiß jemand von euch Näheres?
#1 planb1 . 25.05.09 . 02:29 Uhr
Hab ich im 45er noch gar nicht mitbekommen um die frühe Uhrzeit.
Mich nervts auch (ab 21 Uhr), da die Busfahrer eben nie wirklich auf den Schein/Ausweiss schauen.
Hab auch schon mitbekommen, dass so Leute schwarz fahren.
Haben einfach irgendwas vorgezeigt.
In Berlin ist es seit geraumer Zeit so, dass in allen Bussen zu jeder Uhrzeit der Fahrschein vorne beim Fahrer vorgezeigt werden muss. Das kostet sehr viel Zeit.
#2 Gereon . 25.05.09 . 03:12 Uhr
Das ganze ist ein Test, es geht drum am Beispiel dreier überschaubarer Linien zu überprüfen, ob sich die Prozedur (wie in anderen Großstädten z.T. auch bereits üblich) auf alle Buslinien übertragen lässt. Beim 42er stelle ich mir das lustig vor… Ziel: Schwarzfahrer stärker abzuschrecken.
#3 Michael M. . 25.05.09 . 11:28 Uhr
Ich habe mal die Broschüre “Informationen für Fahrer” hochgeladen:
http://blog.uni-fellbach.de/?p=885
#4 planb1 . 25.05.09 . 13:54 Uhr
@ michael, Danke fürs hochladen.
Ist ja interessant, die schreiben in Ihrer Broschüre, dass nach einer Eingewöhnungszeit keine Verzögerungen vorkommen werden. mmmhhhh….
#5 Nordman . 25.05.09 . 20:51 Uhr
da werden die Fahrgäste wieder vermehrt mit Einzelfahrkarten unterwegs sein. Beim Einsteigen vorzeigen, zum Entwerter rumdrehen, entwerten, weitergehen und hinsetzen.
Was man tatsächlich entwertet bekommt keiner mit.
Die Fahrkartenkontrollen werden auf diesen Linien sicher auch weniger bis gar nicht mehr statt finden.
NM
#6 HelmHeld . 26.05.09 . 14:36 Uhr
@Michael danke, interessante Sache.
“Dadurch wird Ihrer Arbeit [als Busfahrer] mehr Respekt entgegen gebracht”.
Da bin ich dann mal gespannt.
#7 Knut . 26.05.09 . 22:10 Uhr
Auf wenig frequentierten Überlandlinien kenne ich das Konzept, und dort funktioniert es auch: die Busse sind vergleichsweise leer, zwischendrin steigen an einer Haltestelle meist nur wenige Leute zu. Einzig an ZOBs ist das Gedränge größer, aber da die meisten Linien dort ihren Startpunkt und somit Aufenthalt vor der Abfahrt haben, ist auch dies kein Problem.
Bei innenstädtischen Linien ist das Konzept aber Quatsch, zumindest tagsüber. Am Hbf steigen bei einem 42er durchschnittlich 30 Leute zu, zu Stoßzeiten sicher auch mal mehr. Sollen die alle am Fahrer vorbei, dauert das seine Zeit. Zudem haben die Leute - vor allem Schüler - die Tendenz, genau da mitten im Gang stehen zu bleiben wo sie eingestiegen sind. Vorne wirds im Bus voll, und zum hinteren leeren Teil ist kein Durchkommen (das ist morgens schon jetzt so wenn man vorne einsteigt, trotz freier Türwahl).
Die Schwarzfahrer erwischt man damit sowieso nicht: die schleichen hinten zwischen den aussteigenden Fahrgästen rein, während vorne der Busfahrer kontrolliert.
Oder die Hardcorevariante, wie ich sie von manchen Bahnbusunternehmen kenne: Solange vor den hinteren Türen draußen Menschen stehen, und nicht nach vorne zum Fahrer laufen, bleiben die Ausstiege dicht. Das ist schon bei 3 zusteigenden Fahrästen aufm Dorf ein großer Zeitfaktor, in der Stadt dürfte das dann pro Haltestelle eine halbe Minute dauern.
Für die 40er-Linien kann man sagen: Entweder leidet die Pünktlichkeit, oder das konsequente Durchsetzen und damit der Sinn der ganzen Aktion. Hoffen wir, dass es beim “Pilotversuch” bleibt.
#8 Stefan . 04.06.09 . 07:56 Uhr
Zwei Anmerkungen:
Neulich stiehg ich hinten in einen 62er ein, an dem nur das gelbe nach-21-Uhr-nur-noch-vorne-einsteigen-Schild hing, nahm Platz, ignorierte die Fahrausweis-vorzeigen-Durchsage und wurde dann berechtigt, jedoch unfreundlich von umhersitzenden Jugendlichen aufgefordert, nach vorne zu gehen und den Fahrschein zu zeigen, was ich dann auch missmutig tat. Warum wird man am 45er auf die Regelung hingewiesen, nicht aber am 62er?
Was mich manchmal schon nervt, ist die Menschentraube an den hinteren Türen, wenn z.B. der 42er den Hauptbahnhof erreicht. Die ungeduldig in den Bus drückenden oder zumindest kopflos im Weg stehenden Einsteiger verhindern, dass man zügig aus dem Bus gelangt, während die vordere Tür fast unbenutzt ist. Das dauert auch recht lange, finde ich. Zumindest mein “Nerv-Problem” wäre dann gelöst, wenn alle nur noch vorne einsteigen müssten. Wie schon im Beitrag erwähnt: In Berlin klappt das seit geraumer Zeit so.