Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
05 01.12

Lieber später warten

Von von unten
Leben . 19:25 Uhr

Eindrücke vom Ende des Jahres:
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Von den Hochflächen der südlichen Alb sieht man an klaren Tagen die Alpen. Ein grauer Scherenschnitt auf bläulichem Hintergrund.
Es liegen noch Schneereste. Mäuse hatten ihre Gänge unter der Schneedecke gegraben. Jetzt liegen sie offen. Ein dünnes Labyrinth auf großen Äckern. Ein Bussard trägt fliegend seine Beute über die Straße. Es ist Weihnachten.
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Im May-Eyth-See bei Hofen spiegelt sich das Hochhausgebirge von Freiberg, weil dort in fast jedem Fenster die Weihnachtsbäume und Lichterketten leuchten. Der See ruht still und schwarz.
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Die neuen U-Bahn-Haltestellen der U15 nach Stammheim haben reihenweise Preise abgesahnt - für die größte Menge Beton pro Haltestelle, für den schönsten Beton, für die beste Beton-Stahl-Kombination. Das ist ironisch gemeint. Beton macht blöd, sagt ein Sprichwort. Das ist nicht ironisch gemeint.
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Durch den Stau vor dem Autobriefkasten des Finanzamtes Stuttgart I wird für einen kurzen Moment die Kreuzung Rotebühl-/Paulinenstraße blockiert. Leute sagen Termine ab, weil sie ihre Steuererklärung fertig machen müssen.
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Im Unteren Schloßgarten liegen die Punks auf dem Luftschacht, der die warme Abluft der U-Bahn-Schächte und Passagen in die kalte Nachtluft entlässt. Wer genau hinhört, hört auch den Sommergesang einer Amsel - rund um den wärmsten Jahreswechsel seit irgendwann.

Ein Paar Tage später will ich mal raus aus der Stadt. Nicht so richtig aufs Land, aber sozusagen in die Randbezirke der äußeren Kleinstädte des Großraums Stuttgart.
Die Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmittel ist abenteuerlich. Sie sagt, eineinviertel Stunden Fahrt, davon fünfundvierzig Minuten Wartezeit. Die nächste ist eine Stunde später. Sie sagt, eineinhalb Stunden Fahrt, davon dreißig Minuten Aufenthalt. Ich überlege: Mit der ersten Verbindung bin ich schneller bei der längeren Wartezeit. Ich entscheide mich daher für die Zweite. Lieber kürzer und später warten.

3 Kommentare zu Lieber später warten

#1 nick . 08.01.12 . 12:21 Uhr

Wer will schon an den Stadtrand? Bald bist du schneller in Bratislava.

#2 Frau Doktor . 09.01.12 . 11:56 Uhr

Irgendwann in der ersten Januarwoche bin ich morgens aufgewacht vom Gezwitscher der Amseln und Meisen. Es hörte sich an wie Frühling. An Haselstrauch und Forsythie sprossen Blätter und Blüten – in geschützten Lagen blühen die Forsythien sogar schon –, es roch sogar nach Frühling… Und bei uns im Garten blühen die Rosen, ob schon wieder oder immernoch, weiß keiner zu sagen.

#abenteuerliche Verbindungen: Wo wolltest du denn hin? Oder gehörte zur Regel, keine Regionalbahn fahren?

#3 von unten . 11.01.12 . 23:39 Uhr

Und ich höre noch die Hobbyforstwirte und Pseudo-Bauern im letzten Herbst behaupten, in den Wäldern lägen Berge an Eicheln, Eckern und Kastanien, was auf einen strengen Winter hindeute…

Es gibt Menschen, die wohnen in einem innen ausgebauten Gartenhäuschen auf einer Obstwiese zwei Landkreise von Stuttgart entfernt. Wenn der Wind stark weht, wackelt das ganze Haus und verkantet die einzige Tür so, dass sie nicht mehr zu öffnen ist. Die Anreise ist eben genauso abenteuerlich wie das Wohnen dort.