Von Josh von Staudach
Vermischtes . 17:08 Uhr
… wegen dem unschönen Gezanke über das ‘Da-Vinci-Projekt’. Was das ist? Ein fetter Neubau neben der Markthalle. Genau genommen soll der ganze Block zwischen Markthalle, Waisenhaus und Breuninger plattgemacht und neu bebaut werden. Architekt Ben van Berkel hat dazu schon mal einen schicken Entwurf gemacht.

Breuninger-Chef Willem G van Agtmael ist der Investor, er hat offenbar bereits die Grundstücke gekauft. Alles paletti, oder? Über was also zanken?
In den letzten Wochen kam zutage, dass das Land Baden-Württemberg als Hauptmieter des Gebäudes langfristig 36.000 qm für 1.000 Beschäftigte des Innenministeriums einplant.
Dazu aus der STZ vom 06.11.2008:
Nach Aussagen von Immobilienexperten rechnet man bei Neubauten in der freien Wirtschaft nur mit etwa einem Drittel der vom Finanzministerium beanspruchten Büro- und Sonderflächen pro Beschäftigten.
Da läuft also der Hase lang: Agtmael kann nur dann unbeschwert investieren, wenn das Land mehr als die Hälfte des Gebäudes mietet. Er läßt sich das Risiko also aus Steuergeldern absichern. Hm - da hab ich aber ‘was dagegen.
Das Innenministerium soll gefälligst mit dem üblichen Platz vorlieb nehmen, also nur 12.000 qm mieten und Agtmael soll sich bei Wirtschaft und Handel nach einem Mieter für die restlichen 24.000 qm umschauen. Wenn er den/die nicht findet, muss er eben kleinere Brötchen backen - und am besten gleich das ganze Projekt umtaufen, denn was der geniale Leonardo da Vinci mit einer Shopping-Mall zu tun haben soll, ist mir eh ein Rätsel …
#1 gonzo . 19.11.08 . 15:53 Uhr
…ok, aber ähm…wen?
#2 Martin Hiegl . 19.11.08 . 21:34 Uhr
Rechnet man in der Wirtschaft denn auch mit 1000 Mitarbeitern, die quasi immer im Büro sind oder rechnet man in der Wirtschaft damit, dass ein Teil von Zuhause arbeitet, ein Teil bei Kunden ist, etc.pp.
Weiter wird in der Wirtschaft von Großraumbüros ausgegangen und hier vermutlich eher von Einzelbüros.
Als Schluß aus den Überlegungen behaupte ich, dass es richtig ist, da nochmal nachzuforschen und dass das Innenministerium da nochmal Stellung nehmen sollte, aber dass die Aussage von “Experten” so alleinstehend nicht wirklich hilfreich ist.
#3 Leselampe . 30.12.08 . 18:24 Uhr
Nachdem ja der Betonschlossplatz jetzt endlich Geschichte ist, fehlt in Stuttgart doch jetzt was Betoniertes,also das DaVinci-Projekt.
Und das bissle Alt-Stuttgart, des do plattgmacht wird… Isch so unwichtich wie des Filderkraut, auf dem jetzt der Betto der Neue Mess stoht.
‘Herr,schmeiss Hirn ra.
Man sollte mal überprüfen, wer an Stuttgart 21 und DaVinci verdient… Wer hinter den Firmen steht. Ist mit Sicherheit interessant.
Und dann einige Leute zwangswohnen lassen in Stuttgart.
#4 Stadtwanderer . 24.07.09 . 16:27 Uhr
Es ist ja auch bezeichnend wie in dieser Stadt mit Geschichte, sowohl aus baulicher wie auch aus historischer Sicht, umgegangen wird.
Es scheint dass es nur noch um glatte und schnörkellose Fassaden geht im globalen Metropolen-Wettstreit. Das Bekenntnis zu den inzwischen raren und manchmal unbequemen authentischen Orten der Stadtgeschichte passt hier nicht mehr hinein.
Museen und Gedenksteine gibt es sehr viele. Doch einen lebendigen Lern- und Gedenkort in der Dorotheenstr. 10 einzurichten wie es eine Initiative fordert die momentan mit einem Stand in der Holzstraße vertreten ist passt nicht in ein ritualisiertes Geschichtsbild.
Aber Demokratie ist nicht selbstverständlich und dies muss gerade auch den nachfolgenden Generationen auf zeitgemäße Weise vermittelt werden. Andere Städte wie Köln oder München nehmen hier die Wünsche ihrer Bürger ernst und handeln.
Solch ein Gebäude, auch wenn es nur wenige Prozent der Gesamtbaumasse ausmacht, ist vielleicht einfach nur zu unbequem neben einem standardisierten Prestigeobjekt. Hier geht es um knallhart errechnete Erlöse je Quadratmeter. Geschichte lässt sich so jedoch nicht berechnen.
Nebenbei wird wieder ein Stück der Stadtgeschichte aus dem Gedächtnis getilgt und gegen ein jederzeit austauschbares, steriles Objekt ersetzt.
Irgendwann ist Stuttgart dann ein toter Glaskasten, nach Geschäftsschluss unbelebt. Die Bürger leben vor den Toren Stadt. Nicht einmal Bahnreisende brauchen sich dies dann anzusehen. Sie jagen im Tunnel an dieser Stadt, die so gerne eine Glitzermetropole wäre, vorbei.