Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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02 01.06

Kabelfernsehen Stuttgart

Von Herr S
Vermischtes . 15:28 Uhr

Obschon regionalfernsehtechnisch eigentlich der Südwestrundfunk (SWR) für unsereinen zuständig zeichnet — ein Umstand, den ich still erdulde — befällt mich zeitweise die Lust an der reinen Renitenz. Dann zeige ich dem Fernsehapparat den Stinkefinger, greife mir die Fernbedienung und presse beherzt die Taste, die mich zum Westdeutschen Rundfunk (WDR) führt. Unerhörte Botschaften erhoffe ich und nie zuvor Geschautes, die pralle Pracht Westdeutschlands in schillernden Farben. Was ich indes zu sehen bekomme, ist das:

WDR im Kabelfernsehen Stuttgart

Ein scheußlicher Anblick, gewiss. Dennoch schaue ich tapfer hin — wer das Schicksal herausfordert, muss auch die Folgen tragen. Angestrengt versuche ich, die wirren Bilder zu enträtseln, hoffe, dass mir die Tonspur wertvolle Hinweise liefert, leider erinnert sie an sturmgetriebene Meereswellen, die wütend gegen die Kaimauer schlagen, unterlegt mit sonorem Brummen, das sich schmerzhaft ins Hirn bohrt. Ein, zwei Minuten dauert es, bis selbst mir klar wird, dass nur noch Umschalten helfen würde oder kräftige Medikamente. Ich entscheide mich nicht nur für Ersteres, sondern gehe sogar noch weiter nach Norden, zum Norddeutschen Rundfunk (NDR), von dem ich mir Einblicke ins Liebesspiel der Dorsche erwarte und kernige Seeleute, die einen Shanty zum Vortrag bringen. Das Ergebnis fällt erneut enttäuschend aus:

KiKa im Kabelfernsehen Stuttgart

»Wieso enttäuschend?«, werden Sie fragen, »Possierliche Nagetiere, die ratlos am Kamin sitzen, das ist doch hübsch anzusehen.« Schon richtig, nur arbeiten die Tiere leider im Kinderkanal (KiKa) und nicht im NDR. Der ist nämlich erst nach 21:00 Uhr zu betrachten, wenn die Kinder im Bett liegen.

Schuld an der Misere ist das Kabelfernsehen Stuttgart (KFS), fraglos eine Versammlung grober Knalltüten, auch wenn es seine Zeit dauerte, bis mir das klar wurde. Ursprünglich wähnte ich den Fehler bei mir, zumindest in der Frage der WDR-Verzerrung. Verbindungskabel wechselte ich aus, lötete neue Buchsen in den Apparat: keine Linderung. Am Gerät an sich müsste es dann liegen, dachte ich, also gab ich es zum Sperrmüll und erwarb ein neues — vergebens, wie sich bald erwies. Blieben nur noch die Räumlichkeiten. Geheimnisvolle Strahlen würden sie wohl aussenden, die sich störend auf den Empfang auswirken. Schweren Herzens tauschte ich die damalige Traumwohnung gegen eine zugige Bruchbude, Besseres war auf die Schnelle nicht zu finden. Besseres zeigte leider auch der Apparat nicht, eine ganze Spur krummer scheinen mir die Verzerrungen sogar.

Immerhin war meine Unschuld damit erwiesen, also wandte ich mich hilfesuchend ans KFS, ein Vorgang, der ungesunden Humor erfordert. Bald wäre es soweit, verspricht die Tonbandstimme, ein Mitarbeiter würde sich der Probleme dann annehmen. Die Versicherung wird mehrfach wiederholt, dazu ertönt gut gelaunte Musik. Später verkündet die Stimme, dass es jetzt doch länger dauern würde, und man könne selbst entscheiden, ob man weiter warten wolle oder eine Nachricht aufs Band sprechen. Sogar ein Telefax könne man schicken. Je nachdem solle man bestimmte Tasten drücken. Ich wähle weiteres Warten, drücke die adäquate Taste, schon erscheint die Stimme wieder und das ganze Spiel beginnt von vorn, bis sie neuerlich bedauernd feststellt, dass es jetzt doch länger dauern würde, und man könne selbst entscheiden, ob man weiter warten wolle oder eine Nachricht aufs Band sprechen. Sogar ein Telefax könne man schicken. Je nachdem solle man bestimmte Tasten drücken. Nach dem fünften Durchlauf entschließe ich mich zur Nachricht aufs Band und presse die 2. Ein Piepton erklingt, »Sprechen Sie jetzt«, ermuntert mich die Stimme.

»Ja, ähm, guten Tag, der WDR zeigt wirbelartige Verzerrungen. Seit Jahren schon, in unterschiedlichen Wohngebieten. Überall derselbe Käse. Es mag ja sein, dass es Leute gibt, denen das gefällt, zu denen gehöre ich aber nicht. Außerdem begreife ich nicht, warum der NDR erst nach 21:00 Uhr erscheint und vorher KiKa laufen muss. Sind Kanäle etwa knapp und müssen gerecht verteilt werden? Warum füllen Sie dann -zig von ihnen mit Balla-balla-Sendern, die rund um die Uhr laufen? Warum teilen Sie die nicht auf? Und warum macht es öfters einfach plopp und alles bleibt schwarz, egal welcher Kanal? Stundenlang, ohne vorherige Ankündigungen bzw. nachträgliche Erklärungen? Rufen Sie zurück und erläutern mir alles? Und schicken Sie bald einen Reparateur, der den WDR entzerrt?«

Seither warte ich. Monat für Monat reiße ich mit zitternden Händen die zyklisch eintreffenden Kuverts auf — würde heute der Tag der Aufklärung sein? Nichts, wieder nur die Rechnung. Allenfalls ein Prospekt liegt manchmal bei, der sich lobend äußert zum KFS, seine Leistungskraft rühmt und Segnungen der Zukunft beschwört, die längst begonnen habe. Spätestens daran lassen sich besagte Knalltüten erkennen: Die Zukunft wird flugs in die Vergangenheit gelegt, die Gegenwart wäre damit hinaus dividiert und schon merkt keiner mehr, dass sie es ist, die einen überfordert. Wer sich vom KFS nicht länger drangsalieren lassen will, befördert in Zukunft am besten die Vergangenheit in die Gegenwart und kehrt reumütig zurück zur guten alten Satellitenschüssel — als Belohnung winken unbeschwerte televisionäre Reisen in exotischste Landstriche. »Adele, Ihr Knalltüten«, werde ich zumindest ihnen bald zurufen, »schön war es nicht mit Euch!«

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17 Kommentare zu Kabelfernsehen Stuttgart

#1 Gunvald . 05.01.06 . 18:59 Uhr

Vielleicht werden Sie einen freundlichen Anruf erhalten, wenn Sie die Zahlungen einstellen. Aber sicher kann man da auch nicht sein, vielleicht schalten die auch gleich ab.

#2 Vimie . 06.01.06 . 13:42 Uhr

Am besten Kabelfernsehen kündigen und Satelittenanlage installieren

#3 Herr S . 06.01.06 . 22:14 Uhr

Die Abschaffung des Kabelfensehens ist mein einziger Vorsatz für das Jahr 2006. Vor der Kündigung muss ich mich leider erst noch in die aktuelle Satellitentechnologie einarbeiten, bis ich damit durch bin, werde ich aber schon mal die Zahlungen einstellen. Für freundliche Anrufe ist es allerdings schon zu spät, der Zug ist abgefahren.

#4 Torsten . 27.06.06 . 10:52 Uhr

Tja, auch ich verabschiede mich vom Kabelfernsehen. Mit dem Einzug von DVB-T in Stuttgart war es klar. Private Sender schaue ich nicht, und eine Sat-Anlage darf an dem Baudenkmalgeschützten Altbau nicht installiert werden :-( Aber die 11 Programme von DVB-T reichen mir völlig. Eine gute Sache! Außerdem sind 180 Euro im Jahr einfach zuviel Geld, um sie der KFS GmbH in den Rachen zu werfen.

#5 Herr S . 27.06.06 . 11:04 Uhr

DVB-T? Habe ich jetzt schon mehrfach gehört — was ist denn das? Und wo gibt es das? Und natürlich am allerwichtigsten: Was koschd des?

#6 qx . 27.06.06 . 18:08 Uhr

DVB-T steht für Digital Video Broadcasting-Terrestrial. Im Klartext heißt das, Antennenfernsehen mit Zimmer bzw. Stabantenne, nur eben jetzt Digital. Der Vorteil ist, dass man mit einer deutlich kleineren Antenne eine deutlich bessere Qualität gegenüber dem analogen Empfang erzielen kann. Es rauscht nicht mehr (Ameisenautomat) sondern es gibt Artefakte (Klötze). Wegen der besseren Empfangsmöglichkeiten wird es auch teilweise das Überallfernsehen genannt.
Empfangen kannst Du es seit Ende Mai in Stuttgart, es werden hier in der Region bereits 11 öffentlich-rechtliche Programme eingespeist, kostenlos. Empfangsvorraussetzungen sind, ein DVB-T Receiver oder Fernseher mit eingebautem DVB-T Tuner.

#7 Herr S . 28.06.06 . 15:19 Uhr

Ich ahnte es, dass erst mal wieder irgendwelche Anschaffungen nötig sein werden … trotzdem danke für die profunde Aufklärung, interessant ist das allemal.

#8 Wegschaffel . 28.06.06 . 17:22 Uhr

@ Herr S.: Ich kann Gutes berichten vom DVB-T-Dings. Hab mir vor zwei Wochen bei Amazon um 59 Mäuse so ein Ding zugelegt (USB fürs Notebook) und was soll ich sagen: es funktioniert prächtig. Allerdings nur in der Höhenlage (5. Stock) des Büros. Drhoim im Kessel tuts leider nicht.

#9 Liamara . 28.06.06 . 21:03 Uhr

Jawohl, in Wangen funktionierts auch, das DVBT per Notebook… allerdings nicht in jedem Zimmer gleich gut :)

#10 Wegschaffel . 28.06.06 . 21:46 Uhr

Äben nicht, Frau L. In keinem meiner Wangener Zimmer tuts auch nur im Ansatz. Was mich an diesem grottigen Ortsteil nicht ernsthaft verwundert.

#11 Liamara . 28.06.06 . 21:51 Uhr

Das liegt an der Einstellung. Ihrer, nicht der im Gerät. Bei mir tut das. Oder vielleicht ein zu billiges Gerät gekauft, hmmmm?

#12 Arndt Dietel . 31.07.06 . 14:05 Uhr

Der Fehler lag - seit 24.7. ist terrestrisch in Stuttgart abgeschaltet - an einer Gleichkanalstörung. WDR liegt im Kabel analog auf Kanal 11, ebenso wie das Erste Programm. Ganz einfach. Mit Kabel digital gibts keine Probleme.

#13 Bora . 17.08.06 . 10:10 Uhr

Zu dem ursprünglichen Artikel muss ich mich auch nochmal äußern, auch wenn es schon einige Zeit her ist, dass er geschrieben wurde. Meine Verschwörungstheorie: Bei Kabel Stuttgart arbeitet gar keiner! Man kann sich nur mit den ominösen Kundenberatern in Verbindung setzen, die dann für die nicht erbrachte Dienstleistung der Entfernung einer Verplombung, die niemals bestanden hat, 30 € verlangen (kann auch weniger gewesen sein, ist schon 2 Jahre her). Da wollte ich mich schon beschweren und habe versucht, jemanden beim Kundenservice zu erreichen: keine Chance!Habe nach einem halben Jahr kabel abgemeldet, weil ich mir den Müll nicht mehr antun wollte und für die dort ausgestrahlte Volksverdummung auch noch 15€ monatlich bezahlen soll. Seit dem bekomme ich in reglemäßigen Abständen Post, die mich darauf hinweist, ich solle mich mit meinem Kundenberater wegen irgendwelcher fürchterlich wichtiger Dinge in Verbindung setzen. Bis gestern dann ein Brief kam, auf dem in großen Lettern stand: KABEL SPERRUNG! Ach was, dachte ich mir, ich bekomm schon seit 1 1/2 Jahren kein Kabel mehr. Wieder niemand beim Kundenservice, dann den verhassten Kundenberater angerufen, der dann doch schon für eine Verplombung des Anschlusses kommen möchte. Wahrscheinlich darf ich dafür auch wieder 30€ bezahlen und kann mein Leid niemandem mitteilen. Mein Fazit: Das Kabelfernsehen Stuttgart ist der gleiche Mistladen wie die GEZ. Ich will mit dem Haufen nie mehr was zu tun haben, die Nerven mich bis aufs Blut. Lieber lebe ich in einem Informationsloch.

#14 Schwenk . 30.08.06 . 14:59 Uhr

Hallo und an die gesamte Kommunity, seid gegrüßt! Auch ich bin der Meinung, die KFS macht sich´s sehr einfach. Ich werde nun ebenso zu dvb-t wechseln, muß halt einen Receiver kaufen, aber nach ein paar Monaten macht sich das bezahlt! Und der Ärger mit dem verwischten WDR, ebenso das der NDR erst ab 21.00h zu empfangen ist, kann einen nur aufregen. Außerdem-die Privatsender, die zocken einen ja nur ab, schreiben zig-fache Gewinne und erhöhen ständig die Werbeminuten. Und zur KFS noch, das mit der Tonbandansage, und “leider sind alle …gerade im Gespräch….können Sie eine Nachricht hinterlassen….. , blablabla bei mir hat sich auch kein (-e Sa..) Mensch gemeldet. Echt ungenügend!

Grüße V.

#15 pfeif auf kfs . 02.09.06 . 17:30 Uhr

kfs ist ein mistladen

ich hab mit meiner telefon flat da morgens um 8 uhr angerufen. Schon gings mit der ansage los. Das ging dann bis 18 Uhr. Danach wurde automatisch unmgeschaltet auf … blabla außerhalb der Geschäftszeiten. Per email, post, fax oder sprachnachricht ist der laden ebensowenig zu erreichen.

!!! unverschämtheit.

#16 Dumpfbacke . 05.12.06 . 09:40 Uhr

Stimmt! Ich versuche schon seit Tagen, KFS zu erreichen, da Sie den Preis bei mir auf über 19,- € pro Monat angehoben haben. Ich kündige jetzt schriftlich per Einschreiben und verzichte auf Kabelfernsehen!

#17 Klaus . 27.03.07 . 17:04 Uhr

Wie war! ständig hat der Saftladen mehr vom Konto abgebucht als fällig gewesen wäre und dann muss man es nach der Kündigung des Vertrags diesen Armleuchtern auch noch nachweisen das die KFS ein “Sauladen” ist und leider auch bleibt!

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