Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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13 02.06

Jetzt echtes Geld kaufen!

Von Herr S
Vermischtes . 14:17 Uhr

Offizielle WM-Gedenkmünze

Dass große Ereignisse nahen, merkt man spätestens, wenn die Superschwaller der Münzverklopper-Branche wieder einmal aus allen Öffnungen dröhnen. Neuester Wurf: »Die erste offizielle Silber-Gedenkmünze der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006«, heute in allen Stuttgarter Haushalten, doch obacht: Das Angebot ist zwar »GENEHMIGT«, aber streng limitiert auf »1 Stück pro Haushalt«.

Die Münze gibt es seit 2003, allerdings war sie aufgrund der »entsprechend hohen Nachfrage von Münzen-Sammlern aus dem In- und Ausland« bei den meisten Banken und Sparkassen längst ausverkauft. Entsprechend was? Keine Ahnung, irgendwas halt. Ist ja auch schnurz, die Braunschweiger Münzhandelsgesellschaft mbH Deutsche Münze freut sich nämlich, Ihnen »diese einmalige Ausgabe zur Würdigung Ihrer Stadt als FIFA WM-Stadt jetzt doch noch anbieten zu können — und zwar aus einem Sonderkontingent für Stuttgart zum amtlichen Ausgabepreis von 10 Euro.« Kontingent ist schon mal gut, nicht? Zudem ist die Münze nicht einfach eine Münze, sondern »offizielles Zahlungsmittel der Bundesrepublik Deutschland im Wert von 10 Euro, also echtes Geld!« Boah!

Falls Sie nichts Gescheiteres mit der Münze anzufangen wissen, können Sie folglich auch mit ihr »einkaufen gehen, aber niemand wird das tun.« Denn: »Man würde schließlich eine Münze aus wertvollem Silber weggeben, die als begehrtes Sammelobjekt später einen viel höheren Wert haben kann.« Gott sei Dank heißt es »kann« und nicht »wird«, werden tut sie es aller Voraussicht nach nämlich kaum. Leidvoll erinnere ich mich, vom verstorbenen Großvater einen ganzen Stapel solcher Gedenkmünzen übernommen zu haben, zur Olympiade 1972 zum Beispiel und der Fußball-WM 1974. Ende der 90er-Jahre — etwa 25 Jahre nach Erscheinen — bot mir meine Bank dafür 1:1 den Ausgabepreis, unter Berücksichtigung der Inflationsrate über 25 Jahre also ein echtes Scheißgeschäft, auch wenn die Bank damit noch weit über den Angeboten interessierter Sammler lag.

Ziemlich verwirrend ist, dass auch die Stuttgart-Marketing GmbH »offizielle Gedenkprägungen« feilbietet, mit »verschiedensten Spezifikationen pro Motiv«, zum Preis von 49 (Silber) und 180 Euro (Gold) — wem das zuviel ist, der kann immer noch zur Nickel/Kupfer-Version für 15 Euro greifen. Bei allem Offiziellen sind die Münzen der Stuttgart-Marketing GmbH aber kein echtes Geld, wenn ich die Sache richtig deute. Es bleibt somit nur banges Hoffen, dass sie dereinst mehr bringen werden als den Altmetall-Preis. Wenn nicht, werden sie wohl wie die meisten ihrer Vorgänger in den Vitrinen und Schubladen der Republik vor sich hin korrodieren.

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11 Kommentare zu Jetzt echtes Geld kaufen!

#1 MNP . 13.02.06 . 14:40 Uhr

Lieber Herr S.,

dereins habe ich als Jugendlicher meine Briefmarkensammlung verkauft. Es war ein befreiendes Gefühl als ich alle meine Marken auf einmal zu einem hundsmiserablen Preis losgeworden bin. Die Briefmarken sind auch kein “echtes Geld”, werden aber dennoch zum Portowert verkauft und haben schöne bunte Designs, die manchmal einen Brief recht ansehnlich machen. Kurz und Gut, sammeln ist das eine, sich von seiner Sammlung, seinen Münzen und seinen Briefmarken trennen, das andere. Deshalb: Warum nicht das eine oder andere Mal eine schöne Marke auf den Brief kleben, oder mit einer 10 Euro Gedenkmünze bezahlen. Das macht das Leben schöner, kostet nichts und bringt mindestens ein Lächeln, wenn nicht sogar ein interessantes Gespräch. Der Müll, den Stuttgart Marketing vertreibt, passt offenkundig zur sonstigen Einfallslosigkeit der Stuttgarter Marketing Chefs. Da fällt mir doch gleich wieder der Wettbewerb “Serviceweltmeiser” ein. Aber das ist eine andere Geschichte.

#2 Herr S . 13.02.06 . 14:54 Uhr

Lieber MNP, dass Briefmarken einen ästhetischen Reiz haben können, ist unbestritten, und wer diesen Reiz auch Münzen abgewinnen kann, der soll sich gerne darüber freuen. Ich stimme Ihnen zu, dass es Spaß bereitet, mit einer 10-Euro-Gedenkmünze zu bezahlen, nur nicht 25 Jahre später, da wäre selbst das lausigste Sparbuch noch ein intelligenterer Weg der Geldanlage, als die solche Münzen unter anderem angepriesen werden.

#3 Herr S . 13.02.06 . 15:03 Uhr

Ich habe mir gerade mal die Nummer mit dem Serviceweltmeister angesehen. Ohne dass ich so richtig schlau draus wurde, musste ich doch herzlich lachen, als ich den Menüpunkt Ideen-Börse aufrief, der — nun ja — schlicht und ergreifend nichts enthält. Ein kräftiges »Weiter so!« möchte man zurufen.

#4 Liamara . 13.02.06 . 15:29 Uhr

Sie kriegen ja immer tolle Post! Da überlegt man sich doch glatt, das Aufkleberchen “Bitte keine Werbung” wegzukratzen… ;)

#5 Herr S . 13.02.06 . 18:35 Uhr

Tun Sie es nicht, junge Frau, ich flehe Sie an! Erst vor 30 Minuten habe ich den Briefkasten geleert — mit dem Gabelstapler, anders war diesen Tonnen sinnlosen Mists nicht beizukommen.

#6 Liamara . 14.02.06 . 10:22 Uhr

Mmmh, ich hab noch einige der tollen Aufkleber… Wollnse einen?

#7 Herr S . 14.02.06 . 11:25 Uhr

Lassense mal stecken. Ich bin gerade in Verhandlungen mit einem kleinen Trupp von Kosovo-Albanern, die sich — lediglich zur Abschreckung natürlich — lose um den Briefkasten gruppieren sollen, das scheint mir wirkungsvoller.

#8 Liamara . 14.02.06 . 11:57 Uhr

Ich empfand mein Angebot jetzt irgendwie politisch korrekter, aber man kann’s ja nich jedem rechtmachen. Kosovo-Albaner. Sind die nicht zu teuer?

#9 Herr S . 14.02.06 . 12:03 Uhr

Ales nur eine Frage, welche Druckmittel Sie in der Hand haben.

#10 Reiter . 20.02.06 . 13:21 Uhr

Ich denke grad an das blöde Gesicht meiner Mezgereifachverkäuferin, wenn ich mein Fleischkäsweck mit der 10-€-Gedenkmünze zu bezahlen versuche…

#11 Stuttgart Blog » Serviceweltmeister . 25.02.06 . 15:02 Uhr

[…] Weil es im Beitrag über Gedenkmünzen eigentlich nicht mehr viel zu suchen hatte, versuche ich das Thema hiermit losgelöst aufzugreifen - ist es doch interessant genug für eine nähere Betrachtung, was da alles unter serviceweltmeister.de veranstaltet wird … Zunächst ging es mir wie Herr S.: Ohne dass ich so richtig schlau draus wurde, musste ich doch herzlich lachen, als ich den Menüpunkt Ideen-Börse aufrief, der — nun ja — schlicht und ergreifend nichts enthält. […]

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