Stuttgart Blog, Stimmen der Stadt
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28 04.07

Internationales Trickfilmfestival: Kreativität pur

Von Claudia
Kultur, Freizeit . 22:32 Uhr

Offenbar ein Ereignis, das man trotz lauer Sommerlüfte, die gegen dunkle Kinosäle sprechen mögen, nicht verpassen sollte. Programm und weitere Infos gibt es hier.

In Ludwigsburg laufen auch ein paar Filme, und zwar im Caligari, dem Kino der Filmhochschule. War heute abend dort und habe mir die Filme der Rubrik “Internationaler Wettbewerb 2″ angesehen. Ein paar Stichworte dazu:

  • “Futures – Zero 7 feat. José González” von Robert Seidel, Deutschland 2006, knapp 4 Minuten:
    Beeindruckende Darstellung zerdrückter Objekte, die sich ständig in andere Formen und dann wieder in sich selbst verwandeln. Beispiel: ein Ei, ein paar Bananen. Ästhetisch, assoziativ, handlungsfrei. Hat mir gut gefallen.
  • “El Doctor” von Suzan Pitt, USA 2006, 24 min.
    Handkolorierter Zeichentrickfilm über einen betrunkenen Arzt und seine “surrealen Erfahrungen in einem heruntergekommenen mexikanischen Krankenhaus”, so das Programmheft. Das Verständnis wird etwas erschwert durch den starken mexikanischen Akzent des Sprechers. Wirklich ein surrealer Film mit merkwürdigen, witzig-melancholischen Begebenheiten (ein Pferd als Geliebte, die Entbindung einer Frau, die 100 lustige Figürchen gebiert).
  • “Cirugia” von Alberto González Vázquez, Spanien 2006, 2:15 min.
    Frau trifft Mann im Café, fragt ihn nach seinem Beruf: “Ich bin Chirurg”. Er schiebt ihr seine zitternden Hände über den Tisch mit den Worten “Achte nicht auf das Zittern” und erzählt eine Geschichte dazu. In drei Variationen. Unspektaktulär, nachdenklich machend, gut in diesem Format aufgehoben.
  • “Rabbit” von Run Wrake, Großbritannien 2005, 8:30 min.
    In der Ästhetik von Kinderbüchern von 1950 gestaltetes Drama um einen Jungen und ein Mädchen, die in einem aufgeschnittenen Kaninchen ein “Idol” finden, das ihnen massig Diamanten herzaubert. Sie stellen alles mögliche an, um dem Idol beste Voraussetzungen für seine Produktion zu schaffen, doch am Ende geht es schief.
    Herbe Spannung zwischen den lieblichen Illustrationen und der bösen Geschichte. Was für eine Phantasie, die sich das ausgedacht hat! Hervorragender, sehr verstörender Film.
  • “Leviathan” von Simon Bogojevic Narath, Koratien 2006, 14:40 min.
    Nach dem Buch “Leviathan” von Thomas Hobbes (1651). Düstere Geschichte, die immer düsterer wird und darum nicht verständlicher. Technisch beeindruckend, gute Ideen, aber verwirrend. Man müsste wohl das Buch kennen. Die Wikipedia gibt Auskunft: Bei Hobbes geht es um den Menschen, der in einer Art Naturzustand lebt, der Chaos und Krieg aller gegen alle bedeutet. Daraus errettet den Menschen der Staat, dem der Mensch alle Macht zuspricht und ihm im Gegenzug seine Freiheit opfert. Der Film beschreibt sehr eigenwillig die Entstehung von Aggression und Krieg und stellt das Ungeheuer Staat als völlig aus Menschen aufgebaute Figur dar. Nun ja, der Film ließ mich etwas ratlos zurück. Wenig Applaus.
  • “Making of” von Rémi Chapotot, Damien Tournaire, Aurore Valery, Frankreich 2006, 5:22
    Geschichte eines sympathischen, aber etwas dümmlichen Drachen, der von einem Dasein als Superstar träumt. Beim Vorsprechen versagt er völlig, wird aber dennoch engagiert, während sich der Impresario die Hände reibt ob der lockenden Dollars, die er mit ihm verdienen wird. Frei nach “Deutschland sucht den Superstar”. Computeranimiert, ganz gut gemacht, aber nicht besonders witzig.
  • “Guide Dog” von Bill Plympton, USA 2006, 5:45 min.
    Wunderbar böser Zeichentrickfilm über einen Hund, der unbedingt Blindenhund werden will, aber leider immer wieder seine Schützlinge “verliert”. Toll gezeichnet, Sound und Musik sehr gut. Vom Macher des Oskar-nominierten Kurzfilms “Der Wachhund”.
  • “Pre-Selection Jury” von Rune und Erik Eriksson, Norwegen 2006, 6 min.
    Nicht übermäßig lustiger Zeichentrickfilm über Vorauswahlkommissionen bei Filmfestivals. Wohl eher aus dem Frust einer Ablehnung heraus entstanden. Sicher mit irgendwelchen “in-Jokes” gespickt, die ich nicht verstanden habe ;-).

Fazit: Lohnender Abend in intimer Atmosphäre mit rund zwanzig Mit-Zuschauern. Macht einem mal wieder klar, dass abendfüllende Filme nicht immer das Nonplusultra sind und unglaubliche Kreativität und Subversionspotential da draußen in den Köpfen der Filmemacher steckt.

Das Filmfest dauert noch bis 1. Mai, und einige von euch haben sicher schon gemerkt, dass jeden Abend auf dem Schlossplatz Konzert mit anschließendem Open Air Kino stattfindet. Habt ihr auch schon Filme des Festivals gesehen?

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5 Kommentare zu Internationales Trickfilmfestival: Kreativität pur

#1 Frau Doktor . 29.04.07 . 01:16 Uhr

Da war doch tatsächlich eine schneller! Und ich war mir so sicher, dass keiner der Stuttgart-BloggerInnen was über das ITF schreibt, weil ja alle damit beschäftigt sind, Pauls Sexleben und dessen Zusammenhang mit der Absatzabsenz zu bedenken. Ich bin heute mit Wettbewerb 3 eingestiegen. Eine sehr heterogene Zusammenstellung, was v.a. für die experimentelleren Filme nicht nur eine gute Idee war. Aus Ludwigbsburg kam mal wieder ein sehr hollywoodesker Film “A Date from Hell”. Extrem professionell gemacht, wirklich witzig, aber für einen Studetenfilm ganz schön stromlinienförmig. “Conte de Quartier” sieht aus, als hätten Chagall und Nolde zusammen einen ANimationsfilm gemacht, nach einem Drehbuch von Feuillade. Klingt vielleicht jetzt etwas kompliziert, ist aber echt beeindruckend. Genauso wie der Kaninchenfilm “The Runt” von Andreas Hykade. Ich schlapp’ da jedenfalls morgen wieder hin.

#2 Zuckerbäckerin . 29.04.07 . 14:30 Uhr

Ich wüsste gerne mehr dazu zu sagen, als daß ich ein bisschen angepisst bin, daß die Sneak im Metropol aufgrund des Festivals diesen Montag nicht stattfindet. Bin halt doch ein Gewohnheitstier :-)

#3 Henning . 29.04.07 . 18:20 Uhr

Ah, auch Sneak-Gängerin? Der Film letzte Woche war ja nichts. Aber diesen Montag ist doch eh Stuttgart-Blog-Treffen. Ich glaub, ich schreib doch nochmal nen kleinen Erinnerungsbeitrag.

#4 Zuckerbäckerin . 29.04.07 . 21:25 Uhr

@Henning. Ja, regelmässig - man braucht schließlich ein paar feste Werte in seinem Leben ;-) Wo saßt Du denn? Ich war vermutlich in der Reihe drei (verdammt, ich brauche endlich Dauerkarten). Als der Titel eingeblendet wurde, mußte ich laut loslachen, während sich mein Begleiter zu mir rüberlehnte und flüsterte “Das ist ein Witz, oder?” Auf jeden Fall sind wir tapfer sitzen geblieben. Ich bin noch nie aus einer Schniek raus - selbst als der verrückte Bauernhof kam blieb ich mit stoischer Ruhe auf meinem Plätzchen hocken…

Und was das Treffen anbelangt: Ich war ja der festen Überzeugung das Ganze hätte schon letzten Montag statt gefunden und wunderte mich bereits ein wenig über die fehlende Berichterstattung. Nun weiß ich auch, wo der Hund begraben lag/liegt/liegen wird ;-)

#5 Henning . 29.04.07 . 22:04 Uhr

@Zuckerbäckerin
Oh ja, den hab ich auch gesehen. Bin auch noch nie raus. Seit September oder Oktober gehe ich eigentlich alle 1-2 Wochen hin. Bei The Marine saß ich ganz in deiner Nähe, Reihe 5, Platz 6.

Edit: Sehe gerade deinen Nachtrag. Das erklärt auch, warum du dort geschrieben hattest, dass du da nicht da sein wirst. :-)
Dann bis morgen… :-)

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