Von Donna Lüttchen
Kultur, Freizeit . 01:37 Uhr
Jeden Tag aufs Neue ist es mir eine Freude, meine winzige Küche zu betreten, um sofort das Küchenradio anzuschalten. Allerdings ist es das erst, seit ich eben dieses Radio besitze. Bevor jetzt jemand genervt die Augen verdreht, ob einer solch wenig qualifizierten Aussage, sei noch eines hinzugefügt. Der Grund nämlich, warum es mir überhaupt notwendig schien, erwähntes Gerät anzuschaffen: der Einzug des Berliner Radiosenders Motor FM in den Stuttgarter Äther.
Der Kauf des Radios also steht damit in direktem Zusammenhang.
Nun muss ich es beileibe nicht den lieben langen Tag haben, dass ein Radio dudelt. Wenn ich mich in der Küche aufhalte aber schon. Und mit 97,2 habe ich eine Welle entdeckt, die ich relativ kritiklos genießen kann. Ich mag die Musik, die mich selten euphorisiert, aber, und das ist mir beim Radio hören von erheblich größerer Wichtigkeit, die mir fast nie auf die Nerven geht. Viele popmusikalische Entdeckungen der letzten Jahre verdanke ich meinem kleinen Motorküchenradio.
Angenehm für meinen Geschmack ist auch, dass es weder Werbung noch Nachrichten “auf die Ohren” gibt. Es ist eine nette Untermalung meines einbauküchenfreien Koch-und-Wurschtel-Chaos`, der ich nicht ständig vollste Aufmerksamkeit schenke. Manchmal jedoch komme ich nicht umhin, doch etwas genauer hinzuhören. Wenn Max Spallek “Allein, allein” von Polarkreis 18 mit den Worten ankündigt, für ihn klinge das nach Opus` “Life is life” , muss ich mir einfach einen zweiten Bauchnabel freuen, auch wenn ich diese Meinung nicht teile.
Am allerliebsten aber habe ich den Elektromotor, präsentiert von VeltenMeyer. Oder In The Mix- Electronic Beats. Oh, nicht, dass jetzt ein falscher Eindruck entsteht- Electro, House und Techno sind meine Sache nicht. Aber dieser VeltenMeyer, hach. Es ist nicht nur die Stimme des Herrn V. , die Donna fesselt. Obschon dieses leicht wackelige Timbre und die jungenhafte Weichheit derselben auch recht hübsch anzuhören sind. Vielmehr ist eine ungeheure Leidenschaft zu spüren für eine Klangwelt, die sich niemandem sonst zu erschließen scheint. Harold VeltenMeyer stellt in kleinen feinen Sequenzen elektronische Projekte und Labels vor, von denen nie ein Mensch zuvor gehört. Für die man aber sofort in loderndes Interesse ausbrechen möchte, allein weil der Wortbeitrag so eindringlich dazu auffordert. Jede Silbe ist perfekt intoniert. Nie habe ich jemanden so akkurat nach der Schrift sprechen hören. Sogar in eigentlich zwanglosen Interviews, die VeltenMeyer führt, glaubt man das Rascheln des Spickzettels zu vernehmen. Einfach weil man nicht begreift, wie jemand so faszinierend deutlich mit einer so fabelhaft monotonen Satzmelodie reden kann. Ich bin hingerissen! Wenn VeltenMeyer voller Respekt, Ernsthaftigkeit in vollendeter Würde und frei von ironischen Seitenhieben eine Band namens-Achtung, nicht stolpern- Popmuschi ankündigt, bin ich voll unendlicher Bewunderung und kann nur glauben, dass die Welt so schlecht nicht sein kann.
#1 Flakfritz . 06.03.09 . 09:10 Uhr
Das sind eigentlich all die Gründe, warum bei mir Zuhause kein Radio läuft, es kommt eh nur Musik, die mich nicht anspricht, Promi-News von Promis die ich nicht kenne und Berichte über hyperwichtige in - events, die ich niemals aufsuchen würde. Nein, lieber ne gute CD in die Anlage, Kopfhörer auf und im Nichts versinken.
Im Auto hingegen höre ich gerne Con.tra, gerade, weil keine Musik kommt, die ich eh nicht mag.
Allerdings muss ich zugeben, dass ich bisher mehr auf den Inhalt einer Nachricht geachtet habe als auf die Art, wie diese vorgetragen wird, muss ich noch nachholen, evtl. wird dann so manch schlechte Nachricht nachträglich doch noch erträglich.
#2 DonMatze . 06.03.09 . 10:01 Uhr
Hai Donna - bei mir läuft MotorFM den ganzen Tag im Büro… ;o)
#3 Malte . 06.03.09 . 12:15 Uhr
Habe grad mal reingehört, wirklich ganz nett. Aber grade kamen erst Nachrichten und danach Werbung…
#4 Wegschaffel . 06.03.09 . 15:57 Uhr
#5 Der Flaneur . 06.03.09 . 17:47 Uhr
Mein Tipp: JazzRadio Paris und FIP!
#6 thomas . 07.03.09 . 16:55 Uhr
fm4.orf.at
wenn die motoratoren mal wieder nerven.
Die können doch keinen kompletten Satz am Stück aufsagen. Ich find die unglaublich gruslig.
Musike ist besser, aber immer noch zu viel Wiederholung. (gilt auch fuer fm4)
#7 garsuas . 08.03.09 . 23:30 Uhr
Motor FM Finde ich auch Klasse! Wenn da überhaupt Werbung oder Nachrichten kommen, dann nur über die Bands und deren Konzerte, also eigentlich auf die Musik bezogen, daher akzeptabel.
#8 Flakfritz . 09.03.09 . 09:14 Uhr
@Wegschaffel
Entschuldigung, ich habe vergessen, dass man hier alles gut finden muss, wenn man nicht dumm angemacht werden will, trotz allem verstehe ich nicht, was Sie mir sagen wollen. Evtl. muss ich aber dahin deuten, dass nur uniforme Meinungen akzeptiert werden, das Andere grundsätzlich als Bedrohung empfunden wird.
Darüber hinaus finde ich es schade, dass Sie anscheinend nicht in der Lage sind, sich von (guter?) Musik ins Nirwana entführen zu lassen. Das kann aber daran liegen, dass Musik Heutzutage oft nur als Hintergrundrauschen geduldet wir und sich keiner mehr die Zeit nimmt, aktiv zuzuhören. Ich finde es entsetzlich, dass es Vorentscheidungsgremien gibt, die darüber zu bestimmen haben, was der geneigte Hörer im Radio zu hören bekommt. Da werden Titel für exact 7 Sekunden angespielt - dann wird entschieden, ob er für die Öffentlichkeit im Radio erscheinen darf. Meine Güte, stimmt es denn wirklich, die 3×1 Regel für “gute Popmusik”, ein Tempo, eine Tonleiter, eine Oktave?
Darüber hinaus habe ich mir Ihren “Nichts” - Artikel angeschaut und muss bemerken, auch wenn es für Sie paradox klingen mag, das das Nichts ist für mich weit mehr ist als die Gegenwart oder das Fehlen einer Strahlung in einer bestimmten Wellenlänge.
#9 Wegschaffel . 09.03.09 . 16:09 Uhr
heieiei, Flakfritz, dass wir uns nicht verstehen, kann man wohl sagen. Vielleicht hab ich mich ja in #4 ein wenig unklar ausgedrückt. Aber mit dem verquasulierten Schnurrdiburr das Sie da oben raushauen, haben Sie es mir ordentlich heimgezahlt.
Sie erzählen hier in #1 (und auch schon in anderen Kommentaren), was Ihnen musikalisch alles nicht gefällt und dass Ihr sehr offensichtlich außerordentlich exklusiver Musikgeschmack im öffentlichen Funk nicht stattfindet. Was Sie uns auch auf Nachfrage nicht erzählen möchten, ist, welche guten Klänge Ihr Herz erfreuen können. Dieses Gespreize erinnert mich ein wenig an einen frühen Sandkastenfreund, der beim Tachospiel (Was steht beim Auto Deines Vaters als Höchstgeschwindigkeit auf dem Tacho?) die sagenhafte Zahl zwei-hundert-fünzfig in die Runde warf. Gut, wir haben damals alle angegeben wie zehn nackte Neger, aber zwofuffzig hat sich sonst keiner getraut. Blöd nur, dass er auf Nachfrage nicht sagen konnte, was das für ein Auto sei. Wir haben dann herausbekommen, dass der arme Kerl weder Vater noch Auto hatte.
#10 Flakfritz . 09.03.09 . 17:24 Uhr
Wegschaffel, das mit den Kommunikationsproblemen wird sich irgendwann lösen, wenn wir nur hart genug daran arbeiten.
Und nur, weil eine Musikrichtung weder im öffentlich rechtlichen, noch im privaten Rundfunk stattfindet bedeutet noch lange nicht, dass sie exklusiv ist, hier sitzen Sie einem wie auch immer begründetetn Trugschluss auf, wobei mir immer öfter auffällt, dass heutzutage Wissenslücken oft mit mangelnder Kenntniss über exklusive Zirkel begründet werden, sonder lediglich, dass die Hörerschaft keine wie auch immer geartete Werbezielgruppe darstellt, derer sich irgendwelche Werbetreibende interessieren.
Dazu müsste man allerdings erstmal grob umreissen, welches Nichts bei Ihnen unterm Kopfhörer herrrscht,
Hilft es weiter, wenn ich grob angebe, dass das Nichts als solches schwer zu beschreiben ist sondern vielmehr erlebt werden muss? Dass es sich eben nicht in schwarz oder weiß einteilen lässt, dass es eben noch vielviel weniger ist als Licht an/Licht aus? Nein, das bringt Sie nicht wirklich auf die richtige Lösung, von daher gehen Sie die Problemlösung grundsätzlich von einer falschen Seite an.
Bisher wurde ich tatsächlich nur einmal gefragt, was ich denn höre und habe damals eine Denksportaufgabe gegeben, die anscheinend nur eine Person gelöst hat. Das Sie in #4 eine Frage versteckt haben ist mir tatsächlich nicht aufgefallen. Hier muss ich mich intensiver mit dem Unterschwelligen beschäftigen, Ihnen schlage ich eine direktere Vorgehensweise vor, so dass meine Einleitung demnächst evtl. doch zutrifft.
Wegschaffel, ich höre gerne Speed und Doom, letzhin hatten ich auch eine dieser unsäglichen Subsub-Genre Diskussionen ob ich denn eher Bombast oder doch schon Epic Bombast höre. Nun, ich will es kurz machen, fette Gitarren und high-pitched Voices können mich in Verzückung versetzen, so denn der Musiker sein Instrument oder seine Stimme auch zu nutzen versteht.
So, ich hoffe, Sie können endlich schlafen und Ihr Sandkastenfreund hat nicht zu sehr spüren müssen, dass er ein Aussenseiter war.
#11 Wegschaffel . 09.03.09 . 21:40 Uhr
__Flakfritz: Sehnse, geht doch. Mit den Feinheiten der metallurgischen Legierungen kenne ich mich nicht aus, aber Lemmy ist ein alter Freund aus Jugendtagen und Angus seh’ ich demnächst im Kölner Stadion. Wir spielen also nicht gerade im selben Sandkasten, aber immerhin auf der gleichen Seite des Flusses. Cheers.
#12 circulus . 09.03.09 . 23:07 Uhr
Na ihr vom anderen Ufer? :D
Mal was anderes — wo is eigentlich der Ärzte-Thread hin?
#13 Flakfritz . 10.03.09 . 09:31 Uhr
@ Circulus
Die andere Seite ist immer relativ ;)
@Wegschaffel
Da ich auch beim Delta Blues feuchte Augen bekommen, ist mir der vorgenannte Herr Young durchaus geläufig. So konnte er erst gestern wieder, anlässlich einer Geburtstagsfeier, leider nur aus der Konserve, bei Baby, please don’t go
beweisen, dass er durchaus zu den ganz Großen gehört.
Übrigens werde auch ich in Köln sein. Ob das Stadion einen Sandkasten hat? Förmchen habe ich jedoch keine mehr, die müssten Sie mitbringen.
#14 Wegschaffel . 10.03.09 . 09:48 Uhr
___Flakfritz: Das Stadion ist der Sandkasten.
#15 Zugezogener . 31.03.09 . 16:48 Uhr
Was mir hier besonders auffällt ist, das in jedem 3. Satz “Baden Württemberg” im Radio gesagt wird. Ich meine nicht die Nachrichten, sondern während der Moderatorenansagen. Wir wissen langsam das wir hier in Baden Württemberg wohnen, wieso muss das Tag und Nacht einem immer wieder um die Ohren gehauen werden? Achtet mal darauf. Die neue 107.7 zum Beispiel. Oder dieses Ostermann & Schatzi geblubber. Baden Württemberg hier, Baden Württemberg da und dann kurz zwei andere Sätze und dann schon wieder Baden Württemberg. Das ist mir als Zugezogener besonders aufgefallen. Ansonsten kann ich über die Sender hier im Süden nicht klagen. Was ich mich wunder: Wieso reden die Moderatoren hochdeutsch und wenn Radiohörer live geschaltet werden, reden diese Dialekt, so dass es der Moderator nicht versteht und nochmal nachfragen muss. Im schweizer Radio reden z.B. auch die Moderatoren im Dialekt, also schweizerdeutsch. Wieso reden die hier nicht schwäbisch im Radio? Jetzt bitte keine schlauen Sprüche: Weil es sonst niemand versteht etc. Ich will da mal echt eine Antwort drauf haben. Ebenso warum Baden Württemberg andauert im Radio genannt werden muss.