Von Herr S
Kultur, Freizeit . 18:54 Uhr
Zugegeben: nichts geht über einen Sonn- oder Feiertag auf dem Schlossplatz. Ein ausgiebiges Bad in der Menschenmenge, hineingeschaut zu Otto Dix und Max Bill im Kunstmuseum und danach einen Cappuccino zur Stärkung. Oder lieber Glühwein — für jene, die sich von der milden Witterung nicht aus dem Konzept bringen lassen, sondern ihre Getränkewahl lieber am exakten Datum ausrichten und womöglich nicht einmal vor einer Fahrt auf der zeitig eröffneten Eislaufbahn zurückschrecken. Körperertüchtigung, Kunstgenuss oder bloße Trunkenheit, früher oder später hat man genug von Spektakel und Blendwerk, der Geist ruft nach Einkehr und stiller Versenkung.
Spätestens dann lohnt die Fahrt über die Stadtgrenzen hinaus, nach Ludwigsburg, in die Villa Franck, wo der Ludwigsburger Kunstverein mit einer Ausstellung des vergleichsweise jungen Künstlers Peter Rösel aufwartet. Für schlappe einsfünfzig erkauft man sich das Vergnügen, mutterseelenallein durch die Räume der Villa wandeln und erstaunliche Arbeiten genießen zu dürfen.
Schön übersichtlich präsentieren sich verschiedene Werkgruppen, die »Denkmäler« etwa, Originaldosen mit Holzschutzlasur und anderen Heimwerkerspezialitäten, in deren Oberfläche Rösel kleine Gemälde von berühmten Architekturrruinen einfügte: die Chinesische Mauer, die Gizeh-Pyramiden, die Stadt Persepolis. Oder die umgekehrte Richtung der »Landschaften« — platt gewalzte Getränkedosen, zugemüllten Landschaften entnommen und mit Kleingemälden intakter Naturidyllen versehen, die einen aufregenden Kontrast zu angerosteten Schwipp-Schwapp-Logos bilden.
Skurrilen Sinn für Humor offenbaren die »Buddelschiffe« aus handelsüblichen PET-Flaschen, in deren Innerem sich nicht schnittige Windjammern befinden, sondern Holzreste auf blauer Abfallsack-Folie, dazu gibt es jeweils einen fremdsprachigen Text, der durch ein Übersetzungsprogramm genudelt wurde. Oder die »Pflanzen«: bizarre Gebilde, zusammengenäht aus deutschen Polizeiuniformen.

Peter Rösel »22° 21.04 - S - 014°26.00 E -HDG 064°«, 2003, © Peter Rösel 2003
Mein persönlicher Favorit sind die Gemälde von Fata Morganen, begonnen in der Wüste von Namibia und fertig gestellt im heimischen Atelier, weil der allgegenwärtige Staub kein ungetrübtes Malen zuließ. Unwirklich anmutende Landschaften, in denen seltsame Dinge passieren. Fußgänger tauchen plötzlich auf, Rennwagenschrott liegt herum, einmal läuft auch ein Rennfahrer in voller Montur durch die Szenerie.
Die tiefere Bedeutung erklärt uns der Kurator Leonhard Emmerling in einem Erläuterungsblatt, das in der Ausstellung ausliegt, ebenso wie eine Reihe von Werkbüchern und -broschüren, alles zusammen aber nur noch bis 27. November, dann ist Schluss.